Damals einzige Goldschmiede

Eine Institution: Paul Lambelin und Jeannette Rauber-Lambelin. (HR. Aeschbacher)

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Eine Institution: Paul Lambelin und Jeannette Rauber-Lambelin. (HR. Aeschbacher)

1943 – mitten im Krieg – gründete Paul Lambelin in Olten ein Goldschmiedegeschäft. Daraus wurde eine weit herum bekannte Institution. Nun werden Lambelins aufhören.

Urs Amacher

«Es ist Zeit, in Pension zu gehen», sagt Jeannette Rauber-Lambelin, die zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Paul Lambelin die Bijouterie in der Oltner Altstadt führt. Weil keine Nachkommen da sind, wird die Firma P. Lambelin & Cie auf Ende dieses Jahres aufgelöst und liquidiert. Immerhin: Das Goldschmiedeatelier bleibt erhalten. Die bei der Firma tätige Goldschmiedin Petra Ponzio übernimmt die Werkstatteinrichtung und zügelt sie an den Klosterplatz. Im ehemaligen Café Kaltenbach beziehungsweise Allenspach wird sie Schmuck anbieten sowie Reparaturen, Änderungen und Neuanfertigungen ausführen.

Ein Krönchen im Firmenlogo

Als Markenzeichen der Firma Lambelin etabliert hat sich ein dreizackiges goldenes Krönchen, das gleichzeitig an die Griffe einer Edelsteinfassung erinnert. Das Geschäftshaus an der Hauptgasse hat sich äusserlich seit Jahrzehnten kaum verändert. Auch im Innern scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Die Ladeneinrichtung besteht aus soliden hölzernen Schrank- und Tischvitrinen. Erst wenn die Verkäuferin die Schubladen öffnet, beginnt es zu funkeln und zu glitzern: Ringe, Anhänger, Ohrklipse und Broschen mit Diamanten und Edelsteinen, Perlen- und Goldketten. Doch Lambelin war nicht nur ein Schmuckgeschäft. Im Angebot waren auch Uhren und Silberschmiedewaren, Zinnbecher und Pokale, die Paul Lambelin gravierte. Nun wird das Lager liquidiert, ab heute 15. September beginnt der Ausverkauf.

Eine Ära geht zu Ende

Damit, dass die Geschwister Lambelin ihren Laden aufgeben, endet eine Institution in der Oltner Altstadt. Im gleichen Haus befand sich schon früher eine Bijouterie, geführt von Goldschmied und Optiker Adolf von Arx. Von ihm übernahm Paul Lambelin senior 1943 das Geschäft. Die Lambelins stammen aus Reconvilier im Vallée de Tavannes im Berner Jura. Bei seinem Vater lernte Paul Lambelin sen. den Beruf eines Schalenmachers, fertigte goldene Uhrgehäuse an. In der deutschen Schmuckmetropole Pforzheim bildete er sich zum Goldschmied weiter. Im Sommer 1943 liess er sich in Olten nieder. Die wirtschaftliche Lage war angespannt, das Edelmetall, wie alle Rohstoffe, kontingentiert. Doch das Unternehmen glückte. Umso mehr, als Paul Lambelins Gattin Hedwig im Laden mithalf.

Für über ein Jahrzehnt sollte Lambelins Etablissement damals das einzige Goldschmiedeatelier im Kanton Solothurn bleiben. «Am Anfang konnten wir nur das Erdgeschoss für das Geschäft benutzen», erinnert sich Jeannette Rauber-Lambelin, die damals ein Mädchen war. «Im ersten Stock war unsere Familie wohnhaft.»

Das Ladenlokal lag wie heute auf der Stirnseite Richtung Hauptgasse. Die Goldschmiedewerkstatt war im Zimmer gegen den Ildefonsplatz hin eingerichtet. 1956 verliessen Lambelins die Mietwohnung und zogen an die Feldstrasse. Die Wohnräume über dem Geschäft wurden in ein Goldschmiedeatelier umgenutzt.

Goldschmiede aus Finnland

«Wir hatten immer Lehrlinge», erzählt Jeannette Rauber nicht ohne Stolz. Insgesamt machten 15 Jünglinge bei Lambelin die Lehre. Schwieriger hingegen habe sich die Suche nach gelernten Goldschmieden gestaltet. «Vater hatte Mühe, Leute zu finden, die ins provinzielle Olten arbeiten kommen wollten.» In der Sauna kam Paul Lambelin auf die Idee, finnische Goldschmiede zu engagieren. So kam in den Sechzigerjahren mit Koivula der erste Finne an die Hauptgasse.

Jeannette Lambelin selbst machte eine Lehre als Bijouterieverkäuferin in Zürich. In Sprachaufenthalten in Florenz und Bournemouth lernte sie Italienisch und Englisch. Und in einem Spanischkurs lernte sie ihren zukünftigen Gatten Cornel Rauber kennen. Von 1950 an arbeitete sie im väterlichen Geschäft. Ihr Bruder Paul bildete sich zum Gemmologen (Edelstein-Experten) aus. 1974 übernahmen Jeannette Rauber-Lambelin und Paul Lambelin junior die Firma von ihrem Vater, wobei Paul sen. noch bis 1987 mitwirkte. Nach dem Rückzug des Vaters führte Jeannette Rauber das Geschäft in seinem Sinne weiter.

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