Debora Scherrer

Die Strasse vor dem «Haus zum Himmel» ist für den Verkehr gesperrt. Ein Festzelt steht neben dem Eingang, die Gäste haben sich darin versammelt und kosten vom Buffet. In der Ecke stehen Tische und Hocker, und so manch einer lässt sich von der gemütlichen Atmosphäre anstecken. Doch die Köstlichkeiten bleiben Nebensache: Die «Songreiter» aus dem Berner Oberland eröffnen den Abend, bereits im ersten Lied ist ihr Charme und Witz erkennbar. Die drei bieten mit ihren zwei Gitarren und dem Becken Musik und Gesang der gehobenen Klasse. Ob dreistimmig, a cappella oder begleitet mit der Mundharmonika, die Klänge schmeicheln dem Ohr mit harmonischer Perfektion. Nebst ihren Liedern aus allen Stilrichtungen, zeigen Cyrill Zumbrunn, Reto Abegglen und Cédric Wüthrich witziges Theater. Wortspiele darüber, wie der Winnertyp von heute so sein soll oder was aus dem Schweizer Mundartrock geworden ist, sorgen für Lacher.

Die zweite Band des Abends verleitet ebenfalls zum Lachen. Aus Bern angereist sind die schweizweit bekannten «Tomazobi». Die drei Jungs auf den drei Barhockern bringen das Publikum zum Kochen. Bewaffnet mit nur einer Gitarre, geben Tobi, Maze und Obi ihre Texte zum Besten, ihre Schenkel und Hände dienen dabei als Perkussionsinstrumente. Fliessend gehen die flotten Sprüche und die Lieder ineinander über. Die musikalische Reise führt vom Fussballplatz zu den Cowboys in die USA und zurück nach Afrika. Die selbst ernannten Neotroubadoure gehen in jeder Rolle auf und überraschen mit zuweilen einwandfreien Fremdsprachenkenntnissen. Zurück bleibt die Vermutung, dass die drei auch ohne Publikum ihren Spass gehabt hätten.

Auch Publikum ist gefordert

Während am Freitag die Zürcher Szene nur parodiert wird, gilt es für diese am Samstag ernst. Roger Muffler, ein im Thurgau lebender Exilzürcher, erklärt dem Publikum, woran ein wahrer Künstler zu erkennen ist: nämlich an der Baskenmütze und am Rotwein. Seine Lieder handeln von Lebensträumen, von der Harmonie und dem Leid eines Feldweibels. Neben dem für den Jurasüdfuss ungewohnten Dialekt ist das Publikum auch intellektuell gefordert.

Ebenso anspruchsvoll geht es weiter mit Linard Bardill. Der Bündner Musiker gehört zu den bekanntesten Schweizer Mundartliedermachern. Bekannt ist er vor allem auch in der Kinderliederszene. Bardill hat kein Programm vorbereitet, er lasse sich von seiner Intuition leiten. Am Ende eines Liedes entscheide er darüber, welches das nächste sein soll. Mit den Zuhörern macht er eine Reise durch seine musikalische Vergangenheit. Der rote Faden dabei ist seine Leidenschaft für die Schweiz. Bardill findet es grauenhaft, Liedermacher genannt zu werden. Er meint: «Die guten Lieder, die kommen einfach, die werden nicht gemacht» und tauft die Liedermachertage kurzerhand in «Liederertage» um. Seine rätoromanischen Liebeslieder sind ein Leckerbissen.

Die Jungen kamen in Scharen

Das Organisationskomitee ist sehr zufrieden. Die Kultur- und Jugendkommission führt den Anlass zum fünften Mal durch. Mike Sutter, selber Liedermacher, ist stolz darauf, was aus der Unternehmung geworden ist. Trotz begrenzten Werbemöglichkeiten ist der kleine Saal am Freitagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Vor allem junges Publikum zieht es in den «Himmel». Zur Freude der Organisatoren: Ist es doch deren Ziel, die Kunst der Liedermacherei auch den Jungen schmackhaft zu machen. Und das ist ihnen dieses Jahr besonders gut gelungen. Klar ist jetzt schon: Die Liedermachertage wird es auch nächstes Jahr wieder geben.