Nadine Böni

Seit einigen Tagen liegt der sportliche Fokus auf Kanada, auf den Olympischen Winterspielen in Vancouver, wo die Schweizer um Medaillen kämpfen. Mit Sport wenig am Hut hat Jacqueline Grice-Hurni. Sie konzentriert sich lieber auf ihre anderen Hobbys. Von denen hat die zweifache Mutter viele. Stricken, Häkeln, die Hardanger-Stickerei und ihr Garten sind nur einige Beispiele – und natürlich ihr Blog.

Dort erzählt Grice bis zu zweimal in der Woche von ihrem Leben in Kanada. Seit einiger Zeit verfasst sie die Einträge nicht nur in Englisch, sondern auch in Deutsch. Auch wenn ihr das Deutschschreiben ab und zu ein wenig schwer fällt: «Mit dem Deutsch haperts schon manchmal, vor allem bei Wörtern, die im Deutschen und im Englischen sehr ähnlich sind», sagt Grice. Kein Wunder, lebt die 45-Jährige doch schon seit rund 25 Jahren in Kanada.

Geh und schau dir die Welt an

«Meine Mutter hat mir immer gesagt: Geh und schau dir die Welt an, so lange du kannst», erzählt Jacqueline Grice, «Sie hätte das selber gern getan, konnte aber nie.» Jacqueline Grice aber hat sich den Ratschlag ihrer Mutter zu Herzen genommen. Schon mit 16 Jahren verliess Grice im Herbst 1980 das elterliche Haus in Möhlin ein erstes Mal für längere Zeit: für einen dreimonatigen Sprachaufenthalt reiste sie nach England.

Auch nach ihrer Rückkehr blieb Jacqueline Grice nicht in Möhlin sesshaft. Nach ein paar Jahren in Gstaad reiste sie schliesslich nach Kanada. Dort lebt sie auch heute noch. Mit ihrem Mann Terry und den beiden Kindern wohnt sie in Newmarket, Ontario.

Darauf angesprochen, was denn der Unterschied zwischen Kanada und der Schweiz sei, antwortet Grice: «Bei uns ist alles so weit entfernt. Wir fahren schon mindestens drei Stunden, bis wir wo sind.» Wochenendausflüge seien daher selten oder gar nicht möglich. Umso mehr geniesst Grice die Ferien mit ihrer Familie: «Anfangs verbrachten wir unsere Ferien immer im Norden, mit dem Zelt.» Sie lacht: «Da war ich dann immer auf Trab wegen der Bären.» Einmal habe sie auf einem Zeltplatz gar einen Bären angetroffen, der sich gemütlich nach Futter umschaute. «Mein Herz raste», erzählt Grice, «aber eigentlich sind die Bären ja kein Problem, wenn man gut aufräumt und keine Esswaren und Abfälle herumliegen lässt.»

Eine Verbindung nach Hause

Auch nach 25 Jahren in Kanada weiss Jacqueline Grice noch, was Heimweh bedeutet. Nüsslisalat, Niveacreme, Blut- und Leberwurst an der Metzgete und die Fasnacht fehlten ihr. Und natürlich vermisse sie ihre Familie und Freunde oder einfach mal sagen zu können: «Ich komme schnell vorbei», sagt Grice. «Es ist auch schade, dass meine Kinder und ihre Grosseltern sich nicht viel sehen können.»

Umso schöner ist es für Jacqueline Grice, wenn sie über ihren Blog wieder regelmässige Kontakte in die Schweiz aufbauen kann. «Es ist super, dass ich so eine Verbindung in die Schweiz habe», erklärt Grice.

Auf ihrem Blog zeigt sie hauptsächlich die Resultate ihrer Hobbys. «Mir wurde immer gesagt, dass ich einen Laden aufmachen und meine Sachen verkaufen soll. Aber das kostet auch Geld und wer schaut dann auf die Kinder?», sagt Grice. Irgendwann hätte ihr Mann ihr dann ein Buch gekauft, wo eine Anleitung für einen Blog drin gewesen sei. So habe sie sich ihren eigenen Blog aufgebaut. «Jetzt mache ich etwas für mich, das mir Freude bereitet. Ich bin Ehefrau und Mutter, da tue ich vieles für andere. Der Blog und meine handwerklichen Hobbys sind für mich. Das kann mir niemand nehmen oder mir sagen, wie ich etwas machen soll», erklärt Grice. Jacqueline Grice hat ihr Glück in Kanada gefunden. «Wenn mir jemand in der Schule gesagt hätte, dass ich in Kanada leben und hier eine liebe Familie haben werde, hätte ich ihm wohl nicht geglaubt», sagt Grice, «Ich hätte mir das nie träumen lassen.»