Hans-Martin Jermann

Bei Clariant jagt eine Entlassungswelle die nächste: Im vergangenen Februar kündigte der Spezialchemiekonzern nach den Millionenverlusten in der Rechnung 2008 bereits den Abbau von 150 Arbeitsplätzen an den drei Schweizer Standorten Muttenz, Münchenstein und Reinach an. Für die Betroffenen besteht mittlerweile ein unterzeichneter Sozialplan. Im Juni dann folgte eine weitere Entlassungswelle mit 40 weiteren Jobs, die im Baselbiet dem Rotstift zum Opfer fallen.

Und gestern wurden die Mitarbeitenden von der Unternehmensleitung zum dritten Mal im laufenden Jahr mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert: Bis Anfang 2010 will Clariant in der Region weitere 40 Stellen streichen, gar 800 sind es weltweit. Die Clariant-Chefs verhehlen die dramatische Entwicklung nicht: Sind die neuesten Entlassungen vollzogen, wird das Unternehmen weltweit 2650 Mitarbeitende weniger beschäftigen als Ende 2008. Damals waren es rund 20 000. In der Schweiz zählt der Konzern rund 1400 Angestellte.

Nicht überrascht reagiert Jörg Studer, Präsident der Clariant-Betriebskommission, auf die neueste Entlassungswelle. «Wir mussten damit rechnen», sagt er. Schliesslich habe CEO Hariolf Kottmann weitere Stellenstreichungen bereits vor Monaten angedroht. «Man kann ihm also nicht vorwerfen, er hätte die Mitarbeitenden über die Lage beim Personal im Unklaren gelassen», kommentiert Studer. Ein Sozialplan für die Betroffenen steht, das entsprechende Konsultativverfahren wird demnächst eröffnet.

Clariant begründet die neueste Sparrunde mit der Wirtschaftskrise, welche die ohnehin angespannte Finanzlage noch verschärft habe: So sind die Verkäufe in den letzten Monaten wegen der geringeren Nachfrage um 20 Prozent eingebrochen; die Kosten konnten im selben Zeitraum indes nur um 12 bis 15 Prozent reduziert werden. Alleine im ersten Halbjahr 2009 hat Clariant ein Minus von 152 Millionen Franken eingefahren. «Weitere Massnahmen zur Kostensenkung sind deshalb nicht zu vermeiden», heisst es.

Kopfzerbrechen bereiten dem Unternehmen vor allem die Kosten für Administration und Vertrieb, die nicht ins einzelne Produkt eingehen. Hier liege Clariant deutlich über dem Level der Konkurrenten, was die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtige. Die Clariant-Chefs machen deutlich, dass denn auch ein Grossteil der Jobs in den Bereichen Administration, Vertrieb, Forschung und Entwicklung wegfalle.

Jörg Studer ist überzeugt, dass der neuerliche Jobabbau nicht das Ende der Fahnenstange ist. Fragt sich also, wie lange der Spezialchemiekonzern die Sparrunden noch durchhält. Bald könnte Clariant zu klein sein für seinen Markt - und damit zu einem Übernahmekandidaten werden. Die Existenz des Muttenzer Unternehmens scheint langfristig jedenfalls gefährdet.