Meiereien: Churchill und die Freiämter (19.12.2009)

Churchill und die Freiämter

Die tägliche Portion Meiereien aus der Aargauer Zeitung.

AUF DIESE GESCHICHTE sind die Freiämter stolz. In der Nacht vom 11. auf den 12. August 1945 sass eine erwartungsvolle Runde aus dem Dunstkreis des FC Wohlen am Stammtisch im «Sternen». Als es für sie am Sieg der Alliierten keinen Zweifel mehr gab - es war morgens um drei Uhr Freiämter Zeit -, ging einer aus der Runde, der leidlich gut Englisch konnte, ans Telefon neben dem Buffet. Er nahm den Hörer und schickte voller Freude dem siegreichen englischen Premierminister Winston Churchill die Glückwünsche und den Dank des FC Wohlen ins Königreich.

GROSS WAR das Erstaunen, als einige Wochen später ein handgeschriebener Brief von Churchill im Freiamt eintraf. Darin bedankte sich Churchill bei den Tschüttelern für Gratulationen und gute Wünsche. Jetzt hatte Wohlen seine kleine Sensation. Der Brief wurde gerahmt und erhielt einen Ehrenplatz an der Rückwand des Stammtischs. Da hing er jahrzehntelang. Bis er eines Tages spurlos verschwunden war. Bis heute wird immer wieder gemutmasst, wo sich denn das Original befinden könnte; aber das tut hier nichts weiter zur Sache. Churchills Brief an den FC Wohlen gehört fest zum Freiämter Geschichteninventar. Basta.

DOCH NUN hat AZ-Journalist Jörg Baumann entdeckt, dass sich Churchill ein zweites Mal mit dem Freiamt befasst hat (siehe AZ von heute, Freiämter Teil): Wenn die Deutschen in die Schweiz einmarschiert wären, dann hätte Churchill die Gotthardlinie auf der Strecke durch das Freiamt bombardieren lassen. Ja, das hätte er wohl gemacht: Er hat sich freundlich bedankt, aber im Falle eines Falles hätte er auch Bomben geschickt. Ob der Brief jetzt wohl wieder auftaucht?

joerg.meier@azag.ch

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