Fritz Thut

Eine grosse Limousine mit «CC»-Kontrollschildern fährt vor. Das seltene Ereignis vor dem Schafisheimer Brutelgut hängt mit dem Schlusspunkt des Epochenunterrichts der Zehntklässler zur Volksrepublik China zusammen: Geschichtslehrer Roger Bührer hat dazu den chinesischen Generalkonsul in Zürich, Li Xiaosi, eingeladen.

Der hohe Gast kommt in Begleitung seiner Gattin und freut sich sichtlich, den Schülern sein Land etwas näherzubringen und ihnen gewisse Zusammenhänge aufzuzeigen, wie es selbst noch so gut informierte Lehrpersonen nicht vermögen.

Mehrere tausend statt 33 Jahre

Er habe sich einer «schwierigen Aufgabe» gestellt, begrüsste Li die Schüler. China in dreiviertel Stunden vorzustellen, sei nicht einfach: «China ist gross und die chinesische Geschichte lang.» Der Generalkonsul nahm sich die Freiheit, das vorgegebene Thema «Entwicklung Chinas seit Mao Zedong» grosszügig zu interpretieren. Er bettete die aktuelle Situation des 1,3-Milliarden-Volkes in den Kontext der Historie, die bis weit vors Jahr 2000 vor Christus zurückreicht.

Im letzten Jahrhundert, als China in seinen zahlreichen Wellenbewegungen in einer tiefen Talsohle angelangt war, wurde nach verschiedenen Revolutionen das Kaiserreich durch die Volksrepublik abgelöst. Deren Gründung vor exakt 60 Jahren bildet den Beginn einer neuen Blütezeit, die oft mit dem Namen Mao Zedong in Verbindung gebracht wird.

Generalkonsul Li war in seinem Vortrag aber weit davon entfernt, Mao zu verherrlichen, sondern bezeichnete die «Kulturrevolution» (1966-1976) ungeniert als dessen «grössten Fehler», der den damals noch sachten wirtschaftlichen Aufschwung fast vollständig zum Erliegen gebracht hatte.
Erst nach Maos Tod 1976 begann mit der Ära der «Reform und Öffnung» (Li) der aktuell noch anhaltende Boom Chinas, der das Land - vorläufig - auf Rang 3 der grössten Volkswirtschaften gebracht hat.

Schule und Ein-Kind-Familie

Li räumte gegenüber den Schafisheimer Schülern ein, dass man die Volksrechte in China nur bedingt mit jenen im Westen vergleichen könne. Gemäss Lesart der dominanten kommunistischen Partei gibt es allerdings Ansätze zur weiteren Öffnung; bereits acht zusätzliche demokratische Parteien soll es in China geben.

In ihren Fragen an den Gast streiften die Schüler Bereiche wie Schule, Religion, Sprachen, Arbeitslosigkeit. Und zur zwar gelockerten, aber noch geltenden 1-Kind-Regelung für Familien wurde der Generalkonsul offener und sehr konkret: «Wenn wir ein zweites Kind hätten, würde ich als Staatsbeamter sicher bestraft und würde wohl einige Jahre nicht befördert.»