Chicago? Nein, Dietikon!

Die «Piano Connection» nahm im Stadtkeller ihre erste Live-CD auf

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Chicago? Nein, Dietikon!

Chicago? Nein, Dietikon!

Limmattaler Zeitung

malini gloor

Freitagabend, kurz nach 20Uhr: Die Bandmitglieder von «Piano Connection» schnappen vor dem Kellertheater noch schnell frische Luft, bevor es auf die Bühne geht. An zwei Tagen ist hier ein Spezialprogramm angesagt, welches Pianist Thomas Pfann mit Humor präsentiert: «Sali zäme! Wer hofft, es gebe heute Abend gute Musik, dem muss ich sagen: Es hängt alles von euch ab! Wer tüchtig mitklatscht, trägt zum Gelingen der Live-CD bei.»

Kein «normales» Konzert also erwartete die Zuschauer, sondern die Aufnahmen für den ersten Live-Mitschnitt in der Bandgeschichte.

Grosses Wippen im Publikum

Dann geht es los, in bester Boogie-Woogie- und Blues-Manier wird rassig in die Tasten und auf die Felle gehauen. Wüsste man nicht, dass man in Dietikon ist, man wähnte sich in einem Keller in Chicago.

Seit dreissig Jahren gibt es «Piano Connection», zehn CDs sind bis jetzt erschienen. Die Fans sind mit den Musikern älter geworden: Man kennt sich, liebt den Boogie-Woogie und den Blues, und darum ist auch der Konzertbesuch ein Muss.

Da die Band wegen der Aufnahmen lauter spielen muss, wird Schlagzeuger Beat Theiler hinter eine Plexiglaswand verbannt, «die es leider nur durchsichtig gibt», wie Thomas Pfann schalkhaft sagt. Die Besucherinnen und Besucher sind um Antworten nicht verlegen und fragen, ob man dem armen Schlagzeuger etwas zu futtern in sein «Aquarium» werfen solle.

Doch es geht hier nicht ums «Futtern», sondern um Musik. Vom ersten Ton an wippt das Publikum mit den Füssen, reissen die Harmonien doch ausnahmslos alle mit. Was einem an Rock’n’Roll erinnern mag, ist der Vorläufer davon: Boogie-Woogie kam in den 1930er- und 1940er-Jahren in den Südstaaten der USA auf und ebnete dem Rock’n’Roll den Boden. Pianist Jürg Bärtschi betont aber, dass «Piano Connection» nichts mit Rock’n’Roll zu tun habe: «Wir sind eine waschechte Boogie-Woogie- und Blues-Band. Bei uns gibt es keinen Sänger, bei den meisten Rock-’n’-Roll-Bands jedoch schon.»

Die linke Hand als Motor

Rasant fliegen die Finger über die Tasten, die linke Hand ist sozusagen der «Motor»: Mit ihr spielt man die dominanten Bassläufe. Mit der rechten Hand spielt man Akkorde und Solis, sie ist zum Harmonieren da. Thomas Pfann sagt nonchalant: «Mit der rechten Hand können wir drei Stunden ohne Pause spielen und nebenbei noch fernsehen oder diskutieren. Es geht sozusagen von selbst.»

Schlagzeuger Beat Theiler sitzt derweil mit stoischer Miene in seinem «Aquarium» und trommelt präzise wie ein Roboter den musikalischen Boden für die beiden Pianos. Roboter stimmt nur technisch: wenn
ein Stück für die drei Musiker bestens klappt bis zum letzten Takt, dann strahlt der Drummer übers ganze Gesicht.

Strahlen tun auch die Scheinwerfer. Die Bandmitglieder schwitzen, der Schweiss läuft ihnen übers Gesicht. «Habt ihr auch heiss?», fragt Thomas Pfann das Publikum, welches nicht am Schwitzen ist, aber mit den Musikern mitfühlt.

Aus dem Engadin angereist

Die Pause kommt gelegen, Musiker und Publikum gönnen sich etwas zu trinken, man plaudert und geniesst den Abend. Angelika Iten kam extra aus dem Engadin an den Auftritt: «Ich kenne die Band seit Jahren von ihren Auftritten in den Bergen, da muss ich an der Aufnahmesession einfach dabei sein!» sagt sie mit einem Lächeln.

Beatrice Hinder aus Dietikon wollte schon immer mal in den Stadtkeller und hat sich dafür den Abend mit «Piano Connection» ausgesucht: «Mir gefällt Boogie-Woogie, und hier bekomme ich sogar noch eine CD der Live-Aufnahme, das ist doch ein geniales Angebot!» Die CD erhalten alle Besucher in den nächsten Monaten zugeschickt.

Bestellung der CD im Internet unter www.pianoconnection.ch

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