Chemie

Chemieunfälle: Auf schlimmsten Fall vorbereitet

Glück gehabt: Die Feuer- und Chemiewehr musste am Dienstag vor allem abklären und messen. (ZVG/Polizei BL)

Auf schlimmsten Fall vorbereitet

Glück gehabt: Die Feuer- und Chemiewehr musste am Dienstag vor allem abklären und messen. (ZVG/Polizei BL)

Nachdem Dienstag bei Drug’On in Liestal eine Chemikalie ausgelaufen war, fassten die Wehrdienste unter anderem die Evakuation des Bahnhofs ins Auge. Die Situation war aber weniger gefährlich als befürchtet.

Daniel Haller

Einsam stand der Betriebs-Feuerwehrmann vor der Einfahrt zur Drug’On Pharma Switzerland AG in Liestal. Er war unsicher, ob er die Presse aufs Gelände lassen dürfte, ihm sei befohlen worden, die Fahrzeuge einzuweisen. Per Velo trafen zwei Nachzügler ein, und hinter dem Zaun überwachte ein Mann einen Kanalisationsschacht, um den gelbes Bindemittel gestreut war.

Die ruhige Stimmung vor Ort stand in scharfem Kontrast zur gleichzeitig verschickten Polizeimeldung: Einige hundert Liter Toluol seien bei Drug’on in die Kanalisation gelaufen. «Toluol ist eine hochexplosive Chemikalie. Deshalb wird derzeit eine grossräumige Evakuation überprüft. Sämtliche Einsatzkräfte sind an der Arbeit.» Und gestern teilte die Polizei mit, dass man eine «Evakuation des Gebiets rund um den Bahnhof Liestal ins Auge gefasst» hatte.

Was ist passiert?

Beim Umpumpen von einem Tank in einen anderen sind durch eine defekte Dichtung einer Transferleitung 800 Liter Toluol ausgelaufen. «Die aufgebotene Betriebsfeuerwehr befürchtete, die leicht entzündliche Flüssigkeit könnte in die öffentliche Kanalisation geflossen sein und alarmierte die Einsatzkräfte des Kantons», berichtet Martin Fille, Leiter Sicherheit, Umwelt und Gesundheit von Drug’On. Chemiewehr, Polizei und Sanität rückten an. Messungen in der Kanalisation ergaben aber dann, dass das ausgelaufene Toluol vollständig im werkseigenen Auffangbecken gelandet war. Um 19.30, rund drei Stunden, nach dem Alarm, war der Einsatz beendet.

Was hätte passieren können?

«Auf Grund der Fliessgeschwindigkeit in der Kanalisation mussten wir bei Eintreffen in der Firma damit rechnen, dass die Chemikalie bereits bis in die ARA Ergolz 2 in Füllinsdorf gelangt war», erklärt Schadenplatzkommandant Martin Brack. In der geschlossenen Kanalisation könnten Toluol-Dämpfe, wenn sie sich entzünden, eine grosse Wirkung entwickeln. Deshalb habe er ein Konzept für die Evakuation in Auftrag gegeben.

«Wir hätten die unter dem Bahnhof durchführende Kanalisation nicht öffnen und durchlüften können, wenn darüber im Berufsverkehr hunderte von Personen auf dem Perron warten und Züge vorbeifahren.» Deswegen seien die SBB alarmiert und eine Evakuation in Planung gegeben worden. Für die Anwohner, die man ebenfalls aus der Gefahrenzone hätte wegbringen müssen, hatte die Polizei gemäss ihrem Sprecher Rolf Wirz die Turnhalle der Kaserne Liestal vorsorglich reserviert.

Auf alles gefasst sein

Da entgegen den ersten Befürchtungen kein Toluol in die Kanalisation gelangt war, konnte die Polizei bald entwarnen. «Man muss bei einem Einsatz abschätzen, was passieren könnte und rechtzeitig Massnahmen vorbereiten», erklärt Brack. Und Fille von Drug’On betont: «Wir sind froh , dass die Zusammenarbeit mit dem Kanton gut klappt und dass unsere Rückhalte-Einrichtungen funktioniert haben. Wir möchten uns bei der Bevölkerung für die ausgestandenen Ängste entschuldigen.»

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