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Charmeoffensive für den Hausberg

Schlittelplausch: Der Weissenstein soll ein Paradies für Schlittler bleiben – vorderhand auch ohne Bergbahn. (Bild: Oliver Menge)

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Schlittelplausch: Der Weissenstein soll ein Paradies für Schlittler bleiben – vorderhand auch ohne Bergbahn. (Bild: Oliver Menge)

Das Ausflugsgebiet Weissenstein sei sehr attraktiv, ist Jürgen Hofer, Chef von Region Solothurn Tourismus, überzeugt. Nur sei das ob der vielen negativen Schlagzeilen in den Hintergrund gerückt. Nun will die neu gegründete Task-Force Weissenstein Gegensteuer geben.

Franz Schaible

Auf dem Weissenstein, dem Hausberg Solothurns, liegt einiges im Argen: Die Sesselbahn hat den Betrieb eingestellt, deren Neubau ist durch Einsprachen bis auf weiteres blockiert, das Kurshaus wurde zum Saisonbetrieb (April bis November) degradiert. Diese Negativspirale will Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus, durchbrechen. Nach der Schliessung der Bahn sei sein Telefon «heiss gelaufen», er habe Existenzängste unter den Bewirtschaftern der Berghöfe ausgemacht. Deshalb stellte Hofer eine Task-Force Weissenstein auf die Beine. «Unser Ziel ist es, unabhängig von der Zukunft der Sesselbahn, den Berg nicht sterben zu lassen.» Es gebe nämlich nebst dem Problemfall Kurhaus andere, funktionierende Berghöfe wie das Sennhaus oder den Hinterweissenstein, die weiterhin auf Besucher angewiesen seien. Deshalb suche man mit den Betroffenen nach Lösungen, um das «Schlimmste» zu verhindern.

Bessere Räumung der Bergstrasse

Erste Resultate liegen nun vor: Das dringendste Problem sei, eine möglichst gute Erschliessung zu erreichen, erklärt Bernard Staub, Chef vom kantonalen Amt für Raumplanung und Mitglied der Task-Force. Ab sofort werde dazu die Passstrasse auf der Südseite besser und häufiger geräumt, um längere Öffnungszeiten sicherzustellen. Eine permanente Öffnung im Winter sei aber aus Sicherheitsgründen unmöglich. Die Kosten allein für die nötigsten Ausbauten wie Leitplanken schätzt er auf 1 bis 1,5 Millionen Franken. «Realistischerweise wären solche Investitionen nicht nur politisch nicht durchsetzbar. Sie sind auch nicht zweckmässig vor dem Hintergrund, dass die eine oder andere Art von Bergbahn kommen wird», glaubt Staub. Zudem würden damit nur «die ärgsten Gefahren» abgesichert. Für eine tatsächlich wintersichere Strasse wären weitaus höhere Investitionen nötig. Eingeführt werde zudem ab Frühling bis im Herbst die Erschliessung des Weissensteins mit dem öffentlichen Verkehr, sprich mit Kleinbussen. Das und eine funktionierende Gastronomie seien entscheidend für die Durchführung von Events wie des Uhuru-Festivals oder des traditionellen Schwingfestes, ergänzt Hofer.

Definitiv beschlossen sei auch die Präparierung der Strasse auf der Nordseite bis Gänsbrunnen als Schlittelbahn, sagt Staub weiter. Der Berggasthof Sennhaus werde die Vermietung der Schlitten übernehmen.

Auch aus touristischer Sicht sei handeln dringend angesagt, meint Hofer. Dass die Sesselbahn vorderhand nicht mehr läuft, sei ein Fakt. Es dürfe aber nicht sein, dass eine ganze Region nur noch darüber spricht. «Wir versuchen, im Zusammenhang mit dem Weissenstein wieder eine positivere Stimmung zu verbreiten und den Fokus von der Bahn wegzunehmen.» So will Hofer am 17. Januar 2010 eine Art Solidaritätsaktion für die Betriebe auf dem Berg durchführen. Unter dem Motto «Der Berg lebt» soll das breite Publikum das funktionierende und attraktive Gastronomieangebot entdecken.

Kritik am Betrieb des Kurhauses

Zudem will Hofer auch «unbequeme Themen» angehen. So sieht er Handlungsbedarf beim Betrieb des Kurhauses. Nicht nur sei der Unterhalt vernachlässigt worden. Die letzten Umbauten seien für einen erfolgreichen Betrieb nur suboptimal ausgefallen. Das Haus sei weder für Massenbetrieb noch für eine gepflegte Hotellerie geeignet. «Die Besitzer müssen endlich die Hausaufgaben erledigen», fordert Hofer. Denn ohne Massnahmen bleibe ein rentabler Betrieb selbst bei einer noch so guten Verkehrserschliessung ein Traum. Mit dem Schwarz-Peter-Spiel - einmal ist die Bahn an der misslichen Situation schuld, dann der Kanton, dann beide - müsse nun definitiv Schluss sein. «Das Kurhaus ist und bleibt schliesslich der Leuchtturm auf dem Berg.»

Konzept vom Balmberg bis Grenchenberg

Die Task-Force will ihre Aktivitäten nicht nur auf den Weissenstein beschränken. «Im Januar 2010 fällt der Startschuss für die Erarbeitung eines touristischen Gesamtnutzungskonzepts für den Raum vom Balmberg bis zum Grenchenberg», stellt Hofer in Aussicht. Beauftragt dazu seien zwei Fachexperten; Unternehmensberater Konrad Gerster von Gastro Bern sowie Philipp Boksberger vom Institut für Tourismus- und Freizeitforschung in Chur.

Staub und Hofer gestehen zwar ein, dass die Task-Force zu einem späten Zeitpunkt kommt, sagen aber «lieber spät als nie». Vor einem Jahr seien nur Partikularinteressen im Raum gestanden. Der Gesamtblick habe gefehlt. Hofer: «Die Bereitschaft zum Handeln muss da sein, und das ist meistens erst dann der Fall, wenn den Betroffenen das Wasser am Hals steht.»

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