Juso

Cédric Wermuth: «Die Autozeusler von Aarau hassen mich»

Der Juso-Präsident distanziert sich von den Brandschatzungen und sieht keine Möglichkeit, auf Linksautonome einzuwirken. Die beiden mutmasslichen Täter werden auch Silvester in Untersuchungshaft verbringen.

Sabine Kuster

Die beiden 20-jährigen linksautonomen Aarauer verbrachten Weihnachten in Untersuchungshaft. – Sie werden auch den Jahreswechsel in ihrer Zelle begehen. Die beiden stehen im Verdacht, zwischen Mai und November im Zelgliquartier teure Autos angezündet zu haben.

Schon seit sechs Wochen sind die beiden hinter Gittern. Das Entlassungsgesuch des einen Inhaftierten wurde kurz vor Weihnachten abgelehnt. «Eineinhalb Monate U-Haft – das ist nicht wenig», sagt FDP-Grossrat und Jurist Thierry Burkart. Er gibt jedoch zu bedenken: «Das Abfackeln von Autos ist ein schweres Delikt.» Und wenn abgeklärt werden müsse, ob die Tatverdächtigen im Zusammenhang mit weiteren Straftaten stehen würden, dauere es eben länger.

«Der Vorwurf ist happig»

Auch CVP-Präsident und Rechtsanwalt Franz Hollinger stellt die lange Haft der beiden jungen Verdächtigen nicht infrage: «Solange die Chance besteht, weitere Ergebnisse zu kriegen, und die Gefahr, dass sich die beiden nach der Entlassung absprechen, habe ich Verständnis für dieses Vorgehen.» Denn der Vorwurf der Brandstiftung sei happig. Feuer könne schnell ausser Kontrolle geraten und Menschenleben gefährden.

Trotz aller Forderung nach Härte sagt Hollinger zur langen Untersuchungshaft: «Es kann nicht ums Weichklopfen gehen. Die beiden sollen nur so lange sitzen, wie es möglich ist, noch Ergebnisse zu erzielen. Nachher muss ein Gericht urteilen.»

Neue Einträge im Internet

Derweil ist die Unterstützung der linksautonomen «Freunde» der beiden Inhaftierten ungebrochen. In einem Beitrag auf einer einschlägigen Internetsite ist seit gestern zu lesen: «Auch wenn die Polizei die beiden Inhaftierten psychisch und physisch foltert, sie uns die staatliche Repression spüren lässt und uns zu kriminalisieren versucht, wir geben nicht auf, bis unsere Freunde wieder auf freiem Fuss sind.» – Franz Hollinger kontert diesen «hanebüchenen» Eintrag mit: «U-Haft ist kein Zuckerschlecken, das hätten sich die beiden vorher überlegen müssen.»

Die Szene drohte auch mit Gewalt aus Protest für die Inhaftierung der Aarauer (MZ vom 22. 12). «Die Drohungen dürfen kein Argument sein, die Inhaftierten freizulassen», sagt Franz Hollinger, es gehe denen ja gerade darum, ihre Kollegen freizupressen. Da müsse der Staat Härte zeigen, findet Hollinger und fragt: «Was heisst hier Autonome? Wer Autos anzündet, ist ein Verbrecher.» Hollinger fordert ausserdem: «Jemand muss Halt sagen. Die sind sich wohl nicht bewusst, was sie da anstellen. Es geht nicht um Bubenstreiche.»

«Autonome hassen mich»

Konkret denkt Hollinger an Juso-Präsident Cédric Wermuth. «Wermuth soll die Linksautonomen zum Aufhören auffordern.» Denn: Einer der beiden Inhaftierten kandidierte 2007 für die Juso als Nationalrat, ist nun aber nicht mehr Mitglied der Partei. Cédric Wermuth antwortet: «Das ist eine etwas naiv Idee. Es wäre kontraproduktiv, denn es gibt niemanden, den die Linksautonomen mehr hassen als mich und die Juso.» Der Juso-Präsident hatte sich im «Blick» bereits von der Brandserie distanziert: «Gewalt gegen Personen oder Sachen kommt für die Juso in keinem Fall infrage.»

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