«Cash Your Gold» will Kunden abzocken

Gold ist in Aarau unterschiedlich wertvoll

Gold ist in Aarau unterschiedlich wertvoll

«Altgold-Abzocke in renommierten Aarauer Hotels?» Ein Münzenhändler warnt per Inserat vor Goldkäufern, die ihre Preisberechnung nicht offenlegen. Die AZ macht den Vergleich. Wer sein Altgold verkaufen will, tut gut daran, sich über den Grammpreis als Vergleichsbasis zu erkundigen.

Thomas Röthlin

Sein Inserat in der AZ von gestern Montag sei «zugegeben etwas provokativ», sagt Patrick Huber (40). Auf blutrotem Hintergrund prangt fett das Wort «Abzocke». Münzenhändler Huber, der seit achtzehn Jahren in Aarau geschäftet, fragt sich, ob über den Tisch gezogen wird, wer «in renommierten Aarauer Hotels» sein Altgold verkaufen will. Seit der Goldpreis so hoch ist, werben Händler auch in der Region regelmässig für Ankäufe. Diese finden meistens in Restaurationsbetrieben statt.

Zum Beispiel gerade gestern und heute im «Aarauerhof». Die Zürcher Firma Cash Your Gold kauft in einem nüchternen Schulungsraum im ersten Stock gemäss Zeitungsinserat «Goldschmuck u. Golduhren, Gold- u. Silbermünzen, nicht benütztes Silberbesteck, defekt oder altmodisch». Als Preis sind Fr. 36.60 pro Gramm Feingold (24 Karat) angegeben – allerdings als «Beispiel» und mit dem Goldkurs vom 25. Januar als Grundlage. «Das sind verwirrende Angaben», sagt Patrick Huber. Er wolle die Leute darauf aufmerksam machen, dass sie die Preise unbedingt vergleichen müssten.

Als die AZ im «Aarauerhof» eintrifft, warten fünf potenzielle Verkäufer, bis sie an der Reihe sind. Einer nach dem anderen begibt sich zum Goldhändler, der mit Waage, Taschenrechner und Kasse an einem Tisch sitzt. Wortlos entnimmt er den Schmuckstücken eine Materialprobe und bestimmt mit Salpetersäure den Feingoldgehalt.

Misstrauische Kundschaft

«We cannot pay 3000», gibt er der Kundin in gebrochenem Englisch zu verstehen. Sie zahlten für das Material, nicht für das Stück, also die Arbeit und Kreativität, die darin stecken. Der Kauf kommt nicht zustande. Der nächste Kunde will wissen, wie viel Karat sein Ring hat. «18», antwortet der Händler und nennt gleich einen Preis: 400 Franken. «Aber mein Goldschmied sagt 21 Karat», hält ihm der ältere Herr entgegen. Das Preisangebot steigt auf 600 Franken – erfolglos. Auch die restlichen Kunden verlassen den «Aarauerhof» mit ihrem Altgold in der Tasche. Auffällig: Niemand liess sich zu einem sofortigen Verkauf überreden, alle wollen es sich noch einmal überlegen.

Auch der Schreibende lässt sich beraten und bietet probehalber seinen Ring zum Verkauf an. Über das Zustandekommen des Preises schweigt sich der Goldhändler, ein Franzose, aus. Auf Nachfrage erklärt er jedoch, seine Firma bezahle heute maximal 32 Franken pro Gramm Feingold (24 Karat) – 13 Prozent weniger als inseriert.

«Das grosse Geld»

Wenig später bei Münzen Huber: Im Laden stehen zwei Kunden, die schon im «Aarauerhof» waren. Eine Dame mittleren Alters verlässt das Geschäft mit 974 Franken. Von Cash Your Gold waren ihr 720 Franken geboten worden. Der ältere Herr stellt sich als pensionierter Polizist und Sicherheitsbeauftragter von Patrick Huber heraus, der mit seinem 21-Karat-Ring die Konkurrenz auf die Probe stellte.

«Im Moment meint jeder, er könne das grosse Geld machen», sagt Huber. Mangels Kenntnissen seien die Leute schnell zufrieden, wenn ihnen für alten Schmuck ein paar hundert Franken angeboten würden. Gerade wenn er aus Gelbgold bestehe, das nicht mehr in Mode sei. In Hubers Schaufenster sind als Tagespreis mindestens 31 Franken angeschrieben. Für Münzen, die nicht als Altgold eingeschmolzen werden, zahlt er mehr.

Mit 831 Franken viel mehr kassierte soeben einer von Hubers Kunden. Händler Cash Your Gold, der in einem «Kassensturz»-Vergleich vom Dezember 2009 am schlechtesten abschnitt, offerierte ihm für Grosis Preziosen bloss 400 Franken.

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