Schwarzschwäne

Carte blanche für Schwarze

Heute macht der neue Besitzer der Thuner Schwarzschwäne, der Verein Thunersee-Schwanensee, mobil: Er lädt zu einer Kundgebung auf den Rathausplatz ein. Und National- und Grossräte setzen mit Vorstössen Dampf auf.

Bruno Utz

Anfangs Woche gab Markus Krebser bekannt, er habe resigniert und gebe sämtliche zehn Schwarzschwäne weg. Die vom Regierungsrat gemachte Auflage, mit dem regelmässigen Schneiden der Schwungfedern die Schwäne am Wegfliegen zu hindern, könne er nicht erfüllen. Nach 20 Jahren kontroverser und hitziger Auseinandersetzungen und einer von rund 6000 Personen unterschrieben Resolution zu Gunsten der Schwäne, schien das Problem ausgeräumt.

Falsch: Der neue Besitzer ist nämlich der Verein Thunersee-Schwanensee. Und dieser will die Schwarzschwäne auf dem Thunersee behalten. «Wir möchten das Modell ‹Hallwilersee› übernehmen», sagt Vereinspräsident Matthias Kummer. Dazu brauche es zusätzliche Mitglieder. Das Interesse sei gross, sagt Kummer und verweist auf eine Vielzahl von E-Mails. «Wir müssen auch Ornithologen in unseren Reihen haben, die beispielsweise Eier anstechen können.» Es brauche Leute, die zu den Tieren schauen können und wollen.

Dass die Schwarzschwäne wegfliegen - sie waren schon am Genfer-, Neuenburger- und Wohlensee, könne nicht verhindert werden. Mit Hilfe der Internet-Seite Ornitho.ch sei eine Lokalisierung aber innert weniger Minuten möglich. «Wir wollen die Schwarzschwäne sowohl auf dem Thunersee, wie auch anderswo beobachten und eine Vermehrung verhindern», sagt Kummer. Der Verein sei bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Amstutz: «Tierschutz-Taliban»

Nationalrat Adrian Amstutz (SVP), er gehörte 2007 zu den Erstunterzeichnern der Petition, reichte im Nationalrat einen dringlichen Vorstoss ein. Gestern doppelte Ursula Haller (BDP) nach, Nationalrätin und Thuner Gemeinderätin. Amstutz liess übrigens diese Woche im «Thuner Tagblatt» verlauten, die Tierschutz-Taliban wollten sich durchsetzen. «Das ist traurig für die schönen Schwarzschwäne.» Jetzt gelte es eine Speziallösung für die Tiere zu finden.

Dieses Ziel verfolgt auch ein vom Thuner Stadtrat am Donnerstagabend mit 16 zu 14 Stimmen überwiesenes dringliches SVP-Postulat: Nun muss sich der Gemeinderat beim Bundesrat für das Anliegen einsetzen.

Lanz fordert 10 bis 15 Schwäne

Nächste Woche beschäftigt zudem eine Motion der beiden Thuner SVP-Grossräte Andreas Lanz und Carlo Kilchherr den Grossen Rat. «10 bis 15 Schwarzschwäne sollen sich weiter in freier Natur aufhalten können», lautet ihre Forderung. Der Regierungsrat habe entsprechende «Vorkehrungen zu treffen». Dazu wäre eine Lockerung der Bundesgesetzgebung über die Jagd und den Schutz wildlebender Tiere nötig. Diese verbietet grundsätzlich das Aussetzen von Tieren, die nicht zur einheimischen Artenvielfalt gehören. Dieser Kategorie sind die ursprünglich in Australien beheimateten Schwarzschwäne zuzuordnen.

«Ich muss mich am Wochenende zuerst mit der neuen Situation auseinandersetzen, bevor ich zu meiner Haltung etwas verbindliches sagen kann», erklärt Dorothea Loosli (Bern). Die Grüne Grossrätin präsidiert den Dachverband Berner Tierschutzorganisationen. Die Fraktion bespreche das Thema erst am Montag. Amstutz' Taliban-Bemerkung finde sie aber komisch. «Ganz besonders auch deshalb, weil sich der Nationalrat seinerzeit nicht an dem vom Kanton einberufenen Runden Tisch aller involvierten Gruppierungen blicken liess.»

Keine Grauhörnchen

Vereinspräsident Kummer gibt sich zuversichtlich, den Streit mit den Behörden gewinnen zu können. «Man darf nicht alles über einen Leist schlagen. Die gut sich- und kontrollierbaren Schwarzschwäne sind nicht vergleichbar mit unerwünschten Exoten wie Bisamraten oder Grauhörnchen.» Eine Speziallösung müsse möglich sein. «Besonders weil wir in Thun seit 20 Jahren Erfahrung haben mit den Schwarzschwänen. Das ist einmalig.»

Kundgebung auf dem Thuner Rathausplatz: Heute, 16 Uhr. Internet: www.thunersee-schwanensee.ch (offen ab 12. Juni).

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