Verkehrsbetriebe
«Busspur ist für den öV überlebenswichtig»

An Podiumsveranstaltung zum Landstrassenausbau in Kirchdorf mussten die Regionalen Verkehrsbetriebe für ihre Interessen kämpfen: Zum Teil wurden sie mit abstrusen Forderungen konfrontiert.

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«Busspur ist für öV überlebenswichtig»

«Busspur ist für öV überlebenswichtig»

Andreas Tschopp

Das Thema Verkehr im Siggenthal bewegt die Gemüter. Rund 120 Personen fanden sich am Mittwochabend in der Aula der Schulanlage Unterboden in Nussbaumen ein, die damit voll besetzt war. Wie die Nachfrage von Moderator Hubert Keller, Chefredaktor des «Stadtanzeigers», ergab, kamen 90% des Publikums aus Kirchdorf, um sich über den vom Kanton geplanten Strassenausbau orientieren zu lassen und zu diskutieren.

«Wir haben keinen Platz mehr»

Lanciert wurde die Diskussion vom stellvertretenden Direktor der RVBW, René Rüegg, mit einer Folie. Darauf wurde dieprovokative Frage gestellt, ob 2012 im Siggenthal ein «Verkehrsinfarkt» drohe. Die RVBW hätten ein grosses Problem.

«Wir haben keinen Platz mehr auf der Strasse», sagte Rüegg. Er zeigte sich froh über die «clevere Lösung» mit Lichtsignalsteuerung beim Kreisel Brühlstrasse, womit der Bus Vorfahrt erhalte aus der vorgängigen Busspur in der Strassenmitte. Diese sei «überlebenswichtig» für den öffentlichen Verkehr (öV), um dessen Attraktivität zu erhalten, betonte der RVBW-Vertreter, der seinen Vortrag mit einer Verspätungstabelle untermauerte.

Drei Mittelzonen statt Kreisel?

Rüeggs Botschaft fand kein gutes Echo. Manuel Tejero, der fürs Referendumskomitee die Rolle des «Spielverderbers» übernahm, schlug zur Lösung des Verspätungsproblems vor, die RVBW-Busse sollten doch 5 Minuten früher am Mühleweg in Untersiggenthal abfahren, um rechtzeitig beim Bahnhof in Baden anzukommen. Tejero kritisierte weiter, dass mit dem Kreisel Brühlstrasse eine Ausfahrt aus Kirchdorf bevorzugt werde. Zudem brachte er die Befürchtung nach Mehrverkehr im Dorf mit dem Kreisel vor und zweifelte dessen Kosten an.

Es käme viel günstiger, an allen drei Ausfahrten Mittelzonen zu erstellen, meinte Tejero: «Weder Kanton noch die Gemeinde haben eine Lösung.» Der Sprecher des Referendumskomitees erhielt breite Unterstützung. Das Kreiselprojekt sei bereits eine Weichenstellung für den Baldeggtunnel, betonte etwa Simon Rüede.

Auf diese und andere Vorhaltungen versuchten die Vertreter des Kantons, eine Antwort zu geben. Sie gaben auch zu verstehen, dass im Rahmen des Verkehrsmanagements weitere Massnahmen am Hertenstein und eingangs von Untersiggenthal geplant seien.

Grab: «Recht auf öV-Anschluss»

Gegen das «Bauchgefühl» von Tejero führte Obersiggenthals Gemeindeammann Max Läng Zahlen zur Verkehrssteigerung seit Eröffnung der Siggenthaler Brücke (+61%) ins Feld und betonte, die weitere Pförtneranlage in Kirchdorf sei als flankierende Massnahme nötig. «Wer mit dem Auto im Stau stehen will, darf das. Wer aber rechtzeitig auf die Bahn will, hat das Recht auf einen effizienten öV-Anschluss», hielt Gemeinderätin und Tiefbauvorsteherin Franziska Grab aus Kirchdorf fest.

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