Dietikon

Bussen für die Kunden erzürnen den Bäcker

Die Bussenpraxis als Streitpunkt: Die Dietiker Stadtpolizei geht regelmässig gegen Falschparker vor der Oberstadt-Bäckerei von Urs Faes vor. Der Bäcker sieht darin eine «Schikane».

Matthias Kessler

Für den Samstagmorgen-Brunch eingekauft, mangels Parkplätzen auf dem Trottoir vor dem Laden parkiert - und bei der Rückkehr zum Auto steckte eine Busse unter dem Scheibenwischer: So erging es am Samstag vor einer Woche Automobilisten vor der Oberstadt-Bäckerei von Urs Faes in Dietikon. Und, so Faes, «nicht das erste Mal».

Für Faes einmal zu viel und einmal zu unfreundlich: Ein Polizist habe ihm, sagt der Bäcker, als er am vorvergangenen Samstag vor sein Geschäft gekommen sei, um nachzusehen, was laufe, an den Kopf geworfen, er betreibe die Bäckerei «nur wegen des Geldes».

Noch maximal zwei Jahre

Die Parkplatzsituation an der Oberdorfstrasse bei Faes' Bäckerei ist seit Jahren prekär. Kunden stellen zeitweise ihre Fahrzeuge mangels Parkplätzen - unmittelbar bei der Bäckerei gibt es nur deren zwei - auf den Gehsteig, um einzukaufen. Der Fussgängerverkehr wird behindert, es stellen sich Fragen zur Sicherheit der verschiedenen Verkehrsteilnehmer. Es habe, sagt allerdings Urs Faes, in den rund 20Jahren seit der Übernahme der Bäckerei, nie einen Rückstau oder einen Unfall bei ihm gegeben.

Mit Dietikons Sicherheitsvorstand Heinz Illi habe er die Parkplatzsituation angeschaut, doch daraus habe sich nichts Konkretes ergeben, erklärt Faes. Mittlerweile sei er daran, für die Liegenschaft einen Käufer zu finden. Maximal zwei Jahre werde er wohl noch an der Oberdorfstrasse bäckern. Dann werde das Haus vermutlich abgerissen. Die problematische Parkplatzsituation mit der, so Faes, «Schikane» durch die Stadtpolizei sei dafür «der Hauptgrund».

Mit der Bäckerei, die seit rund 50Jahren existiert, würden zwölf Arbeitsplätze verschwinden. Faes und seine Frau wollen das Geschäft nicht an einem neuen Standort wieder eröffnen, sondern können sich vorstellen, die Selbstständigkeit aufzugeben und eine Anstellung zu suchen.

Sehr gefreut hätten sie sich über den Zuspruch der Kundschaft, so Faes. Letzte Woche seien an einem Tag 150Unterschriften zusammengekommen, die sich für einen Erhalt des Ladens stark machten.

Kontrolle als Teil des Auftrags

Die Parkraumkontrolle sei Teil des Grundauftrags der Stadtpolizei, sagt Sicherheitsvorstand Illi. Im Rahmen dieses Auftrags würden sämtliche Gebiete der Stadt regelmässig kontrolliert. «Zu einzelnen Bussen kann ich aus polizeitaktischen Gründen aber nichts sagen», sagt er. Im Jahr 2009 seien an der Oberdorfstrasse insgesamt zehn Bussen wegen Parkierens auf dem Trottoir ausgesprochen worden, in den ersten Monaten des laufenden Jahres seien es einzelne Bussen gewesen.

Für ihn gelte, betont Illi, was in der Bundesverfassung verankert sei: dass vor dem Gesetz alle gleich seien. «Und eine Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz, unerlaubtes Parkieren, ist eine Widerhandlung», stellt er klar. Wenn Polizisten auf Patrouille diese Übertretungen bemerkten, würden sie diese auch ahnden: «Wir müssen durchgreifen, das ist auch im Sinne des Gewerbes.» Dann beispielsweise, wenn ein Parkplatz über die Zeit beansprucht werde und den fürs Gewerbe notwendigen Kundenumschlag behindere. Die Parkraumkontrolle werde künftig deshalb eher noch verstärkt.

Sehr schade finde er, erklärt Illi, dass er von den neuerlichen Problemen bei der Oberstadt-Bäckerei über Dritte erfahre. Schliesslich habe er vor einiger Zeit Herrn Faes mit dem Eigentümer der Nachbarliegenschaft zusammengebracht, um eine Lösung für das Parkplatzproblem zu finden. «Mehr kann die Stadt nicht machen, grundsätzlich ist das kein Polizeiproblem, sondern eine private Angelegenheit», betont er.

Auch bezüglich der angeblichen verbalen Ausfälle eines Stadtpolizisten fehle ihm, so Illi, der direkte Kontakt: «Bei mir hat sich keiner der direkt Beteiligten gemeldet oder beklagt. Aufgrund vom Hörensagen ist es schwierig, sich eine Meinung zu bilden.» Er werde der Sache aber nachgehen.

Beim Gewerbeverein Dietikon ist laut Präsident Martin Müller die Bussenpraxis der Stadtpolizei ein Thema. Man höre immer wieder vom einen oder anderen Fall, so Müller: «Es wird von den ‹Gwerblern› als eines von verschiedenen Anzeichen gesehen, dass sie in Dietikon nicht erwünscht sind.» Er verstehe, meint Müller, dass die Polizei ihrem Auftrag, für Recht und Ordnung zu sorgen, nachkommen müsse - «aber manchmal ist das auch eine Frage des Augenmasses». «Muss man», fragt Müller rhetorisch, «bei der Oberstadt-Bäckerei gerade zu den grössten Stosszeiten Bussen verteilen?»

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