Limmattal
Busse für falsches Arzt-Zeugnis

Eine Limmattaler Ärztin hat einen serbischen IV-Rentner für zu 100 Prozent arbeitsunfähig erklärt. Denselben Mann meldete sie aber gegenüber dem Strassenverkehrsamt zu 100 Prozent als fahrtauglich an.

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Attila Szenogrady

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen die Ärztin wogen schwer. So hatte sie sich laut Anklage vorsätzlich des mehrfachen falschen ärztlichen Zeugnisses schuldig gemacht und sollte dafür mit einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Anklageschrift schilderte, wie die langjährige Hausärztin seit dem Sommer 2001 einen heute 60-jährigen Patienten aus Serbien behandelte und diesen aufgrund von Schmerzstörungen und Depressionen seit 1997 rückwirkend für zu 100Prozent arbeitsunfähig erklärte. Der ehemalige Chauffeur aus Oberengstringen hatte Treppenstürze als Ursache seiner Krankheiten angegeben.

Fundamental widersprechend

Fest steht, dass der Mann aufgrund der Diagnose zwischen Mai 2004 und Mai 2007 regelmässig IV-Gelder beziehen konnte. Nicht in das Bild des Vollinvaliden passte allerdings die Tatsache, dass die Limmattaler Medizinerin gegenüber dem Zürcher Strassenverkehrsamt völlig anderslautende Zeugnisse über ihren Patienten ablieferte. Im September 2004 sowie im Oktober 2007 bestätigte sie, dass ihr Klient zu 100 Prozent tauglich sei, einen Lastwagen zu lenken oder als Fahrlehrer für schwere Motorfahrzeuge tätig zu sein. Laut Staatsanwalt hatte die Ärztin damit fundamental widersprechende Zeugnisse erstellt.

Die Angeklagte gab am Dienstag vor dem Bezirksgericht Zürich gewisse Fehler zu, wies aber eine vorsätzliche Tat zurück. Sie habe nicht wissentlich, sondern aus Unachtsamkeit gehandelt, erklärte sie und verwies darauf, dass sie trotz ihres weit über der Pensionierung liegenden Alters noch täglich Patienten behandle.

Voller Freispruch verlangt

Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und ging von einer unbewussten, straflosen Fahrlässigkeit aus. Das Gericht wählte beim Urteil den Mittelweg. Es sah zwar den Vorsatz als knapp nicht erwiesen an. Hingegen betrachtete es den Schuldpunkt eines fahrlässig falschen ärztlichen Zeugnisses als erwiesen. So habe die Angeklagte beim Strassenverkehrsamt rechtlich ein falsches Bild vermittelt, sagte der Gerichtsvorsitzende. Allerdings sei die erste Bescheinigung aus dem Jahr 2004 verjährt. Damit lag nur noch eine einfache Tatbegehung vor.

Trotzdem setzte das Gericht eine hohe Busse von 5000 Franken fest. Zudem soll die Schweizerin die Gerichtsgebühr von 3000 Franken tragen. Zum Schluss bezeichnete es der Gerichtspräsident als unverantwortlich, dass die angeschuldigte in ihrem Alter noch so viele Patienten abfertige.

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