Burgfräulein und Minnesänger

Mit seiner Markttradition ist Huttwil prädestiniert, einen mittelalterlichen Markt durchzuführen. Neben Vorführungen und dem Verkauf von altem Handwerk wurde der von Pro Regio Huttwil organisierte Anlass mit einem mittelalterlichen Rahmenprogramm ergänzt.

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Solothurner Zeitung

Brigitte Meier

Wer den Wegzoll in Taler entrichtet hatte, machte für einige Stunden eine Reise in die Vergangenheit und tauchte in die Epoche des Mittelalters ein.

40 Handwerker und Händler in originalen Kostümen präsentierten ihre historischen Tätigkeiten und boten ihre Waren feil. Da gab es Drechsler, Sensenmacher, Huf- und Waffenschmiede, Wagner, Schindelmacher und anderes mehr.

Eine Huttwiler Hutmacherin fertigte eigens mittelalterliche Modelle aus Filz an. Gleich daneben war ein Zinngiesser aus Rohrbach am Werk. Rund um den Stand der Gebrüder Feuerstein aus Stalden drängten sich die Leute. Fasziniert sahen sie zu, wie man aus einem einzigen Funken in wenigen Minuten Feuer entfachen kann. Das Publikum erfuhr Wissenswertes über das Feuermachen und streichholzlose Feuertechniken.

Keine grösseren Probleme

Obwohl mit dem Open Air im Sportcenter, der Springkonkurrenz und dem Historischen Handwerkermarkt übers Wochenende in Huttwil gleich drei Anlässe in unmittelbarer Nähe stattfanden, gab es keine grösseren Probleme. «Der Samstag verlief reibungslos», sagt Walter Rohrbach von der Pro Regio Huttwil, welche den Markt organisiert hatte. Der Verkehr sei «gut aneinander vorbeigekommen», weil das Open Air später losging. Schwieriger sei es am Sonntag geworden, weil beide Anlässe um 10 Uhr beziehungsweise 11 Uhr starteten. «Wir haben die Automobilisten gefragt, welchen Anlass sie besuchen wollen und sie dann entsprechend ein- oder weitergewiesen», so Rohrbach. «Aber so ganz hat das bei rund 700 Autos dann doch nicht geklappt», räumt er ein. «Eine saubere Trennung war nicht mehr möglich.» Seine Lehre daraus: «Sollten sich die Anlässe noch einmal überschneiden, so müssen wir dem Verkehrskonzept noch mehr Beachtung schenken.»
«Eigentlich hat es sehr gut geklappt», sagt auch Jürg Schürch, Geschäftsführer des Sportcenters, wo das Open Air über die Bühne ging. Auch er spricht von Engpässen am Sonntag. «Die paar Wildparkierer sind gebüsst worden», sagt er «und den Reitern mussten wir am Vormittag sagen, dass sie ihre Wagen umstellen müssen, was dann auch geklappt hat.» Auch sonst verlief das Wochenende ruhig, obwohl rund 7000 Leute den Markt und rund 11 000 Gäste das Open Air besuchten. «Es gab keine Vorfälle», so die Kantonspolizei in Huttwil. Sie hätte lediglich ein paar Falschparkierer gebüsst. Auch Rohrbach und Schürch zeigen sich erfreut über die Disziplin der Leute und sind «sehr zufrieden». (iba)

Schmuck aus eigenen Haaren

Wie ein edles Burgfräulein war Sandra Schneeberger gewandet. Sie machte Haarflechtkunstarbeiten und hatte ihre blonden Haare zu einem feinen Zopf geflochten, den sie direkt mit ihrer Spitzhaube verbunden hatte. Dazu trug sie zweifarbige Ohrgehänge, die aus filigranen Hohlgeflechten hergestellt wurden. Schmuck aus Haaren ist ein uraltes Kunstwerk, das beinahe in Vergessenheit geraten ist.

Durch geschicktes Verknüpfen entstanden auf dem Flechtstuhl, der so genannten Jatte, kunstvolle Schmuckstücke. «Ich sammle meine Wirrhaare, die während des Kämmens ausfallen und bewahre sie in einem kleinen Säcklein auf», erklärte die Künstlerin aus Oberdiessbach.

Mit symbolischen Ornamenten konnten sich die Besucherinnen und Besucher bei der «Hautmalerey» verschönern lassen - ob mit Elbenschrift, Keltenmalerey oder Kriegerbemalung

Gaukler und Gesindel auf Marktplatz

Minnesänger, Gaukler und Gesindel bevölkerten den bunten Marktplatz. Augenfällig waren dabei die Gewandeten - so nennt man im Jargon die historisch angezogenen Leute. Der «Recke» im Waffenrock und mit Schwert, die holde «Maid» in Röcken und Haube. Ein Rahmenprogramm mit Schwertkämpfen und Ritterturnieren zu Pferd faszinierte die vielen Besucher.

In der Schenke wurden Met (Honigwein) aus dem Trinkhorn und gewürztes Fladenbrot gereicht. Mittelaltermärkte lassen erahnen, wie das Leben früher einmal war. Filme wie Ecos «Der Name der Rose», Gordons «Medicus» oder Tolkiens «Lord of the Rings» entführen ein breites Publikum in ein episch-mythisches Mittelalter und tragen wohl zu der wachsenden Beliebtheit dieser Epoche bei.

Als «Highlander» in einem Manx-Tartan-Kilt besuchte Marcel Scherzinger den Anlass. Stolz zeigte er einen speziell angefertigten Stock, der mit einem nordamerikanischen Dickhornschaf verziert war. «Mich fasziniert besonders Schottland, auch wenn das nicht direkt zum Mittelalter gehört.» Deshalb organisiert er in Fehraltorf die «Highland-Games». An diesem Volks-Event im schottischen Stil geht es um das Geschick bei keltischen Sportarten.

Historienspektakel

Musik und Tänze des Mittelalters und der Renaissance sind bis heute in der Geschichte der Zivilisation verwurzelt. Musikanten spielten auf Lauten, der lyrisch-romantische Gesang von Minnesängern ertönte, und orientalische Tänze wurden vorgeführt. Hellebarden- und Lanzenträger exerzierten, während Bogenschützen ihre Treffsicherheit unter Beweis stellten und auf eine Zielscheibe mit einem Bären schossen. Ein «Pfyl-Bogenbauer» erklärte einem interessierten Besucher, welcher Pfeil für Grosswild geeignet ist. Er zeigte ihm dann auch noch gleich, wie ein Brandpfeil gefertigt ist.

Vor den Zelten und Jurten sassen die historisch eingekleideten Menschen, und über einem Feuer brieten zwei gestopfte Hühner. «Der Rest des Ebers ist abgehauen», witzelte ein Bewohner.

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