Bürgergemeinde
Bundesverwaltung als Spielverderberin

Die Bürgergemeinde Grenchen bekommt die Wirtschaftslage zu spüren. An der Versammlung waren aber auch das Schutzwaldprojekt und ärgerliche Rechenfehler der Bundesverwaltung ein Thema.

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Grenchen Schutzwaldprojekt

Grenchen Schutzwaldprojekt

Grenchner Tagblatt

German Vogt

Einbürgerungen

13 Gesuche, davon ein Schweizer, für 24 Personen sind eingegangen. Nach zum Teil längeren Diskussionen wurden gut geheissen:Thomas Marti-Respond (1969), mit Ehefrau Mirjam (1974) mit den Kindern Simon Thomas (1999) und Pascale Mirjam (2002), Staad. Taras-Kowalczyk Ewa (1959) mit Julia (1999) und Mateusz (1982), Polen; Despotovic Stefan (1989) und Tijana (1993); Kovacevic Daniela (1987) und Vladan (1992); Abazi Vlaznim (1983); Abazi Zecirja (1963) mit Fitore (1990), Flora (1992) und Emir (1996), alle Serbien; Jusufi Krenar (1989) und Fatjani Samir (1985), beide Kosovo; Bal Berk (1983), Boran Yagmur (1982), Oezboyaci Engin (1979), Gündogan Suha (1966) mit den Kindern Nida (1997) und Mahir (2003), alle Türkei. (gvg)

Bürgerpräsident Franz Schilt musste einleitend den 40 Versammlungsteilnehmern eine unerfreuliche Nachricht verkünden. Die Rechnung 2008 der Bürgergemeinde wäre gut ausgefallen, wenn nicht die eidgenössische Finanzverwaltung gemerkt hätte, dass sie in den letzten fünf Jahren die Mehrwertsteuer für den Steinbruch Firsi und in kleinerem Masse die für die Forstwirtschaft falsch berechnet hatte.

Deshalb musste die Bürgergemeinde dem Bund rund 50 000 Franken nachzahlen. Der Bürgerrat beschloss, die Summe der Rechnung als Nachtragskredit zu belasten.

Die Forstkasse schliesst mit einem Defizit ab. Sie wurde nicht nur vor der schlechten Wirtschaftslage getroffen. Auch die Schliessung der Zellulosefabrik Borregard wirkt sich negativ aus, nahm diese doch bisher ein Drittel des Buchenholzes ab.

Verwaltungsrechnung im Plus

Wegen der Mehrwertsteuernachzahlung schloss die Bürgerkasse nur mit einem Überschuss von 16 913 Franken ab. Budgetiert gewesen wäre ein Plus von 48 850 Franken. Die Rechnung 2007 wies gar einen Überschuss von 63 767 Franken aus. Wertvoll ist der Steinbruch Firsi. Er brachte einen Ertrag von 191 578 Franken.

Verwalter Renato Müller erläuterte die Posten, bei denen Ergebnis und Budgetzahlen auseinanderklaffen. Es stiegen: Die Besoldungskosten, um 11 000 Franken auf rund 20 500 Franken. Dies wegen der Erhöhung des Pensums der Aushilfe; die Beiträge an private Institutionen, um 6000 Franken auf rund 15 000 Franken wegen drei unvorhergesehener grosser Vereinsjubiläen; der Wegunterhalt, um rund 25 500 Franken auf 72 700 Franken, wobei eine Subvention von 18 700 Franken die Last der Bürgergemeinde lindert.

In der Gunst der Stunde (tiefe Zinsen) wurde eine Hypothek von 500 000 Franken zurückgezahlt. Schliesslich ist festzuhalten, dass die Bürgergemeinde jährlich rund 50 000 Franken für die Allgemeinheit ausgibt. Sie unterhält etwa den Vita-Parcours, den Waldlehrpfad, die Feuerstellen und Waldwege.

Fehlende Sprachkenntnisse ausländischer Mütter

Mangelnde Deutschkenntnisse von Frauen gaben an der Bürgerversammlung bei den Einbürgerungen wieder einmal zu reden.

Das Problem liegt auf der Hand: Die Väter und Kinder lernen durch Berufsarbeit beziehungsweise Schulbesuch Deutsch. Mütter, die sich ausschliesslich in der Familie engagieren, müssen sich aktiv um Deutschkenntnisse bemühen. Trotz des Angebots von Kursen für Mütter, klafft bei deren Sprachkompetenz manchmal eine Lücke.

Die Folge: Vater und Kinder werden eingebürgert, nicht aber die Mutter. Diesmal waren zwei der zwölf ausländischen Gesuche betroffen. Wie Bürgerverwalter Renato Müller auf Anfrage erklärte, erhielt die Einbürgerungskommission heuer ungewöhnlich viele Anträge. In den letzten Jahren waren es jeweils sechs oder sieben. Um die Pendenzen aufzuarbeiten, habe die Kommission nicht nur eine, sondern zwei Sitzungen abgehalten. (dd/gvg)

Forstkasse mit roten Zahlen

In der Forstkasse stehen Einnahmen von 821 024 Franken Ausgaben von 805 084 Franken gegenüber. Das ergibt einen Negativsaldo von 15 940 Franken. Neben der Wirtschaftslage und der Boregaard-Schliessung gibt es dafür noch einen dritten Grund: Wegen der Holzpreise, die in der zweiten Hälfte des letzten Jahres markant sanken, wurden nur 4114 Kubikmeter Holz geschlagen.

Geplant waren 8000 Kubikmeter. Die Folge: eine deutliche Ertragsminderung. Es erbrachten: Das Nadelstammholz statt 355 000 Franken bloss 158 941 Franken, das Laubstammholz statt 64 000 Franken nur 32 066 Franken, das Nadelindustrieholz statt 61 000 Franken 44 310 Franken und das Laubindustrieholz statt 124 000 Franken lediglich 39 086 Franken.

Zum Schutzwaldprojekt

Revierförster Patrik Mosimann erläuterte das Pilotprojekt zum Schutz der Bergstrasse gegen Steinschlag. Daran ist neben Bürger- und Einwohnergemeinde auch der Kanton beteiligt. Die Bäume des Vorbergwaldes brauchen wegen dessen steilen, trockenen Hanglage eine besondere Pflege. Während acht Jahren wird der Jungwuchs intensiv gefördert. Die Kosten belaufen sich auf 875 000 Franken.

Davon übernimmt der Kanton 700 000 Franken. Seitens der Bürgergemeinde besteht die Hoffnung, dass die Gemeinden Büren, Lengnau und Bettlach als Mitbenützer der Strasse zusammen 44 000 Franken an die Kosten zahlen. In die restlichen 175 000 Franken sollen sich die Einwohner- und die Bürgergemeinde Grenchen teilen.