Tobias Granwehr

Das «Theater» rund um die Brunner Totalunternehmungen AG ist um ein Kapitel reicher: Michael Brunners Firma droht noch diese Woche der Konkurs. Seit Wochen streitet er mit der Gewerkschaft Unia über nicht bezahlte Löhne von längst entlassenen Mitarbeitenden - und auch der Kauf der Roggwiler Kaltenherberge verzögert sich immer weiter.

Die Unia reichte schon vor längerem beim zuständigen Gericht in Stans NW ein Konkursbegehren ohne vorgängige Betreibung ein. Zahle Brunner bis übermorgen Donnerstag die ausstehenden Gehälter nicht, werde der Konkurs eröffnet. Das berichtete «Tele Bärn» am Freitag. Elise Gerber, Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der Unia Sektion Oberaargau-Emmental, bestätigt auf Anfrage die drohende Konkurseröffnung der Brunner Totalunternehmungen AG. «Uns liegt die Verfügung des Stanser Richters vor.» Dabei geht es laut Gerber um Forderungen in der Höhe von zirka 70 000 Franken. Sie erklärt: «Wird der Konkurs tatsächlich eröffnet, haben die von Brunner entlassenen sechs Unia-Mitglieder Anrecht auf Insolvenzentschädigung und können Konkurslohnforderungen geltend machen.» Mittlerweile gäbe es zudem noch zahlreiche weitere Personen, welche die Firma verlassen hätten und noch auf Lohn warteten, sagt Gerber. Die Unia bestätigt weiter: Die von ehemaligen Mitarbeitenden beantragte Lohnbuchkontrolle durch die Paritätische Berufskommission für das Bauhauptgewerbe hat stattgefunden. «Zum Inhalt der Kontrolle können wir allerdings noch nichts sagen», so Unia-Sektionsleiter Stefan Wüthrich.

Schneller fahren als Löhne zahlen

Brunner reagiert auf das neuerliche «Gschtürm» erst gelassen, dann aber doch verärgert: «Die Unia weiss immer alles besser.» Es gehe nicht um 70 000 Franken, sondern um 40 000 Franken. Er sehe kein Problem und werde die Gehälter diese Woche begleichen, sagt Brunner und beschwert sich: Er werde einfach nicht fair behandelt.

Der unter Druck geratene Unternehmer schlägt sich auch mit weiteren Problemen herum: Offenbar hat er es mit dem Bezahlen der Löhne weniger eilig als mit dem Auto. Ihm sei der Fahrausweis entzogen worden, weil er zu schnell unterwegs gewesen sei, sagt Brunner nebenbei. Ebenfalls ungewiss ist, ob der Kauf der Kaltenherberge überhaupt zustande kommt (siehe auch Text unten). Bereits im Oktober kündigte er an, Ende dieses Monats seine Büros im Brauihof in Langenthal zu räumen und nach Roggwil ins «Chauteli» zu dislozieren. «Ich glaube daran», sagt Brunner unbeiirt. Er habe keine finanziellen Probleme - er selbst erwarte von einem Auftraggeber eine Zahlung in der Höhe von 1,6 Millionen Franken. Und was passiert bei einem Konkurs der Brunner Totalunternehmungen AG? «Ich habe ja noch andere Firmen», sagt Brunner lapidar.

«Das ist mein Fehler»

Mittlerweile gibt er aber selbst zu, dass es beim Kauf der Kaltenherberge Schwierigkeiten gibt, denn: Bevor er die Liegenschaft in Wohn- und Geschäftsräume umnutzen kann, braucht es eine Zonenplanänderung. «Brogli hat mir gesagt, diesbezüglich gebe es kein Problem», so Brunner. So einfach scheint es indes nicht zu gehen. Zurzeit wird das Begehren vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) geprüft. Sollte weiterhin nur eine Nutzung als Gastrobetrieb möglich sein, will Brunner vom Kauf, für den er bereits eine Anzahlung geleistet hat, absehen. «Dann habe ich Geld verloren.» Warum hat er sich nicht vor der Anzahlung eingehend über eine künftige Nutzung informiert? Er gebe zu, dass es so gesehen ein Schnellschuss gewesen sei. Brunner: «Das ist mein Fehler.» Brogli habe ihm aber auch verschwiegen, dass eine Umnutzung so schwierig werden könnte. Ans Aufgeben denkt er jedenfalls noch nicht: Falle der AGR-Entscheid positiv aus, «werde ich die Zahlung für die Kaltenherberge auslösen.»