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Bruggs Stadtammann Daniel Moser: «Die Erwartungen sind gross»

Auf Anfang dieses Jahres hat Daniel Moser den Sitz des Captains im Cockpit des Langstrecken-Passagierjets mit dem Sessel des hauptamtlichen Brugger Stadtammanns vertauscht. Nach den ersten rund 100 Tagen im Amt gibt er Auskunft.

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«Die Erwartungen sind gross»

«Die Erwartungen sind gross»

Louis Probst

Herr Moser, wie ist die Befindlichkeit?Daniel Moser: Sehr gut. Aber etwas müde bin ich. Es gibt unglaublich viele neue Eindrücke zu verarbeiten. Ich habe auch schon viel lernen können und werde dabei gut unterstützt. Das Amt des Stadtammanns ist faszinierend. Die Erwartungen sind natürlich gross. Ich spüre aber grosses Wohlwollen. Die Fliegerei habe ich bis jetzt jedenfalls noch nicht vermisst.

Jetzt haben Sie eine Frage vorweggenommen. Auf was führen Sie das Fehlen von «Entzugserscheinungen» zurück?Moser: Das hat wahrscheinlich zwei Gründe. Zum einen fehlt mir schlicht die Zeit. Zum andern ist das Amt des Stadtammanns höchst vielseitig und spannend.

Haben Sie noch Zeit für ein Privatleben?Moser: Im Moment eigentlich nicht. Das hat aber damit zu tun, dass vieles am Anfang geschehen muss. Es braucht jetzt viel Energie, um die spätere Arbeit vereinfachen zu können. In diesem Sinne muss ich noch lernen, meinen Energiehaushalt besser einzuteilen. Daran arbeite ich noch.

Was steht auf Ihrer Prioritätenliste gegenwärtig zuoberst?Moser: Wenn sich diese Frage auf Projekte bezieht, sind das die beiden Unterführungen, die Personenunterführung Mitte und die Campus-Passage. Grundsätzlich ist es aber alles, was mit dem Campus zu tun hat.

Wie ist denn der Stand der beiden Unterführungen?Moser: Bei der Unterführung Mitte sind wir sicher weiter als bei der Campus-Passage. Die Reihenfolge ist klar: Die Unterführung Mitte muss so schnell wie möglich realisiert werden. Gegenwärtig laufen die Verhandlungen mit den SBB über die Finanzierung. Diese Verhandlungen werden durch den Kanton geführt. Man hat eine Task-Force gebildet, welche die Abläufe im Auge behält. Die Absicht ist klar, den Durchstich der Unterführung Mitte schnellstmöglich anzupacken. Bei der Campus-Passage stehen wir vor einem grösseren Problem. Die zentrale Frage ist die, wer sich wie stark an den Kosten beteiligt. Für mich ist aber auch die Campus-Passage ein sehr wichtiges Projekt.

Sie haben immer den Willen bekundet, das Gespräch mit den Gemeinden in der Region Brugg zu suchen. Wie ist das angelaufen?Moser: Das wird sehr positiv aufgenommen. Ich habe sehr gute und interessante Gespräche führen können. Bei allen Kontakten spüre ich, dass man der Meinung ist, dass wir uns als Region verstehen und miteinander vorwärts- gehen müssen. Die Gespräche mit den Behörden der Gemeinden der Region sind für mich aber auch deshalb wichtig, um die Leute in den Verwaltungen und an den Schnittstellen kennen zu lernen. Diese Kontakte sind wichtig. Dafür muss man sich Zeit nehmen. Dazu gehören aber auch Gespräche mit den Vertretern der Wirtschaft und des Gewerbes. Hier will ich bis zum Sommer die wichtigsten Kontakte knüpfen.

Wie haben sich die Kontakte zu Windisch entwickelt?Moser: Ich empfinde die Zusammenarbeit mit Windisch als sehr konstruktiv. Man spürt den Willen, nach vorn zu blicken und gemeinsam Probleme zu lösen.

Haben sich aus den Gesprächen mit den Gemeinden bereits Anliegen und allenfalls sogar Projekte konkretisiert?Moser: Ja. Indem die gegenseitige Unterstützung zugesichert und die Zusammenarbeit intensiviert wird – auch mit Gemeinden, die nicht direkt an die Stadt Brugg angrenzen. Die Prioritäten werden da natürlich verschieden gesetzt. Für mich ist es aber wichtig, dass Projekte, wie etwa das Sportausbildungszentrum Mülimatt oder der Aaresteg, abgeschlossen werden können. Damit man sehen kann: Da geht wirklich etwas. Daher ist es auch wichtig, dass bei der Unterführung Mitte bald die erste Schaufel Erde bewegt werden kann. Das gibt eine Aufbruchstimmung. Man darf aber nicht vergessen, dass es in Brugg auch noch andere Projekte gibt.

Welche denn?Moser: Hängig beispielsweise sind auch die Zentralisierung der Verwaltung, die Zonierung am Brugger Berg oder auch eine Studie zur Altstadt.

Was muss man sich unter dieser Studie vorstellen?Moser: Die Stadt unterstützt den jungen Brugger Architekten Samuel Flückiger bei seiner Masterarbeit. Er wird sich mit den Nutzungen in der Altstadt beschäftigen. Auch der Kanton beteiligt sich an dieser Arbeit. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Der Bericht wird allenfalls auch für andere Altstädte interessant werden.

Projekte kosten letztlich Geld. Brugg legt einen sehr guten Abschluss vor. Der Stadtrat «winkt» auch nicht mehr mit einer Erhöhung des Steuerfusses. Hat sich da etwas geändert?Moser: Ich bin der Ansicht, dass der Steuerfuss beibehalten werden sollte. Wir möchten ja Firmen nach Brugg holen. Es gibt auch Anfragen. Man sieht, dass in der Region Brugg vor allem im Zusammenhang mit dem Fachhochschul-Campus etwas abgeht, dass eine nachhaltige Entwicklung im Gange ist. Es ist mir ein Anliegen, dass Brugg nicht nur attraktiv bleibt, sondern noch attraktiver wird.

Was braucht es dazu?Moser: Primär braucht es das Bewusstsein, dass wir uns in einer speziellen Situation befinden. Mir ist es wichtig, dass man sich in der Bevölkerung über die Bedeutung dieser ausserordentlichen Situation bewusst wird. Es wird nicht alle zehn Jahre ein neuer Fachhochschul-Campus erstellt. Der Schwung muss beibehalten werden.

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