Claudia Landolt Starck

Wie sie dabei ausgesehen haben mag? Nun ja. Sicherlich nicht so diszipliniert wie die acht Tage ältere Sophia Loren, die auch als Grossmama noch immer das ewig lockende Gesamtkunstwerks kultiviert. Nein, die Bardot wird ihre grauen Haare irgendwie aus dem ganz und gar nicht faltenfreien Gesicht geschoben und nachlässig festgeklemmt haben, bequeme Kleider mit flachen Schuhen tragen, eine Zigarette im Mundwinkel.

Auf sie regnete es Rosen
Gewiss, die Zeiten, in denen ihr Wohnsitz bei St. Tropez vom Hubschrauber aus mit Rosenblüten überschüttet wurde und sie den Auftraggeber Gunter Sachs auch noch heiratete, sind vorbei. «Ich habe meine Jugend und meine Schönheit den Männern gegeben. Jetzt gebe ich meine Lebenserfahrung und das Beste meiner Selbst den Tieren», sagt die engagierte Tierschützerin. Tiere hält sie für besser als Menschen. Sie ist sogar soweit gegangen zu äussern, es wäre ihr lieber, einen Hund zu gebären als ein Kind. Gewiss ist sie in ihrer Militanz kein Vorbild, auch nicht in ihrer politischen Einstellung: Man sagt ihr nach, sie sorge mit ihren menschenfeindlichen Äusserungen und Publikationen gegen Homosexuelle, Frankreichs Linke, Obdachlose und illegale Einwanderer, die die Kirchen zu «Sauställen machen», regelmässig für Aufsehen. Dabei trauert sie ja nur einem nach: Ihrem Frankreich. «La France, ma douce France, n'existe plus», sagte sie mir einmal in einem Telefongespräch vor vielen Jahren.

Schmachten, schmollen, schmusen
Die Stimme: rauchig, mit einem dunklen Timbre, dem man sich gern hingeben möchte. Und sich vorstellt, wie er gewesen sein muss, der Mythos BB: Die blonde Mähne, die Schnute, die Figur, die Füsse unbedeckt, dazu ein Faible für lyrischen Schlagabtausch. Welcher Mann wäre ihr nicht erlegen? Dabei ist die Seyness nur Programm. Birgitte wuchs nämlich in einem erzkonservativen Elternhaus auf.

Die kleine Brizzi, wie sie genannt wird, weil sie als Zweijährige die Finger in die Steckdose hielt und mächtig die Konsequenz spürte, wuchs in einem vermögenden Pariser Elternhaus auf, das zugleich von katholischer Tradition geprägt war. Wie irrwitzig die Vorstellung, dass die Geschichte stimmt, wonach Brigitte schon mit 14 Jahren mit Roger Vadim Sex auf dem elterlichen Esstisch hatte. Unmöglich scheint es nicht. Er hat aus ihr einen Filmstar gemacht und sie später auch geheiratet. Vorher unternimmt sie einen von vielen weiteren Selbstmordversuchen, weil die Eltern Nein gesagt hatten zu einer Hochzeit mit der Minderjährigen. Fast scheint es, als seien die vollen Lippen, die einen so wunderbaren Flunsch ziehen können, Programm. Der Flunsch zierte dann auch sogar die Büste des französischen Nationalsymbols Marianne.

Der grösste Star Frankreichs
Im Film «Et Dieu créa la femme» wurde Brigitte Bardot 1956 zum Star - dem grössten, den das französische Kino je hervorgebracht hat. Barfüssig ging sie überhaupt durch die Welt, in einer verwirrenden Freizügigkeit, und es hätte eine sehr schöne und fröhliche Geschichte werden können: über die Entfesselung der Leidenschaften in den Sommernächten vor der Revolution. Von den Werken dieser Zeit («La vérité», «Viva Maria!» oder auch «Le mépris») ist aber nur die Verachtung geblieben.

Das Leben danach
Wenn Brigitte Bardot, die schon lange keine Schauspielerin mehr ist, heute ihre alten Filme anschaut, sieht sie eine andere Frau. Diese Bilder seien ihr, so sagt sie im Interview, schnurzegal. Ein Leben nach dem Tod fände Bardot nicht besonders attraktiv. Sie wolle sich nicht in einem «etwaigen Paradies mit dieser ganzen Menschheit» wiederfinden. Nur wenn sie im Paradies von Vierbeinern umgeben sein könnte, würde sie trotz ihrer Krücken im Laufschritt ankommen, sagte die Französin, der ein Hüftleiden zu schaffen macht. Auf die Frage, welchen Fehler sie gern rückgängig machen würde, antwortete Bardot lakonisch: «Den, geboren worden zu sein.»

Bardot hat der Schauspielerei den Rücken gekehrt, weil sie ihrer Star-Rolle überdrüssig war. In dem vor ein paar Jahren veröffentlichten Buch «Ein Ruf aus der Stille» schreibt sie: "Bestand der Erfolg im Leben darin, berühmt zu sein? Bestand er darin, vergöttert zu werden, anerkannt, umschwärmt? (...) Der Ruhm ist vergänglich, der Absturz unwiderruflich."