Briefkasten namens Hugo
Briefkasten namens Hugo

Grüne, rötliche, schwarze, gelbe, weisse Steine, eingepackt in ein feines Netz aus feuerverzinktem Stahl, sind ebenso beliebt wie umstritten – je nach Sinn, der dahintersteckt, und dem Zweck, den sie erfüllen.

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Briefkasten namens Hugo

Briefkasten namens Hugo

Rosmarie Mehlin

Die so genannten Steinkörbe sind auf dem besten Weg, in immer vielfältigerer Weise beliebt zu werden. Jüngst sind die Steine im Stahlnetz jedoch partiell zu Steinen des Anstosses geworden: Seit Markus Hug aus Nussbaumen aus ihnen Grabkreuze geschaffen hat, herrscht bei gar so mancher für Friedhöfe zuständigen Behörde Verunsicherung darüber, ob diese neue Grabkunst konform ist mit dem geltenden Reglement (AZ 6.1.).

Dem gelben Riesen ists egal

Glück hingegen hat die Merz Kies AG in Gebenstorf als Steinkorb-Produzentin mit der Post. Denn die hat, auf allerhöchster Ebene, momentan ganz andere Sorgen als ihr Reglement bezüglich Briefkästen: Hauptsache, Länge, Breite und Höhe stimmen mit der vorgeschriebenen Norm überein. Ob der Briefkasten violett oder lindengrün angemalt ist, ob er im Verbund mit anderen oder solo, ob auf einem Mäuerchen, einem Pflock oder in einem Steinkorb steht, ist dem gelben Riesen total egal.

«Seit rund einem Jahr fertigen wir Steinkorb-Briefkästen», verrät Thomas Hulliger, Leiter der Produktionsbetriebe bei der Merz Kies AG in Gebenstorf, «und die Nachfrage ist erfreulich gross.»

Als Stütz-, Sicht- oder Lärmschutzmauern hat sich dieses Verfahren in den letzten rund fünf Jahren sehr gut etabliert. «Diese Mauern sehen einerseits schöner aus als Beton, andererseits freuen sich, je nach Standort, Kleinlebewesen wie etwa Eidechsen daran.» Kreative Köpfe unter den Merz-Mitarbeitern hätten nach und nach auch weitere neue Ideen für die Verwendung von Steinkörben entwickelt. «Unter anderem ist Markus Hug, der als Verkaufsleiter bei uns tätig ist, massgeblich an den kreativen Weiterentwicklungen beteiligt.»

Preis: 1000 bis 1800 Franken

Inzwischen werden bei Merz Kies AG sechs verschiedene Briefkasten-Modelle hergestellt. Sie tragen klangvolle Namen wie «Hugo», «Fantastico», «Tomaso» oder «Tauro», werden nach Wunsch gefüllt mit gelbem oder weissem Jura-, schwarzem oder weissem Alpenkalk, hellrotem Porphyr, grünem Andeer- oder rötlichem Schwarzwaldgranit und kosten zwischen zirka 1000 und 1800 Franken. «Der Preis ist gerechtfertigt, denn sie werden nicht maschinell, sondern von Hand gefertigt, und in der Netzform aus feuerverzinktem Stahl steckt ganz schön viel Schweissarbeit.»

Es ist auch nicht allein bei den Briefkästen geblieben: Heute kann man es sich mit Steinkörben so richtig gemütlich machen, wird dieses Verfahren doch auch als Sockel für Sitzbänke und Klubtische verwendet.