Kapuzinerkloster
Braut hat neue Freier

Die Chancen, dass Leben ins leerstehende Kapuzinerkloster einzieht, stehen besser als auch schon: Die Denkklause denkt wieder, zudem sind unverhofft zwei neue finanzkräftige Investoren aufgetaucht.

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Dornröschenschlaf

Dornröschenschlaf

Solothurner Zeitung

Regula Bättig

Am 31. März 2003 schloss sich die Pforte des Kapuzinerklosters hinter dem letzten Bruder, seither steht es leer. An Versuchen, dies zu ändern, mangelt es nicht - an Erfolgen schon. Die «Denkklause» verschwand vor zwei Jahren in ihrer Denkpause und vor gut einem Jahr verkündete Kantonsbaumeister Martin Kraus erneut, das nun eine Lösung gefunden sei - «bis im März». Im April hiess es dann aber «Übung abgebrochen»: Den Investoren war die Wirtschaftskrise in die Quere gekommen, das Geld fehlte.

Museum hier, Konzernhauptsitz da

In den letzten 30 Jahren wurden in der Schweiz zehn Kapuzinerklöster geschlossen. Das gleichzeitig mit Solothurn geschlossene Kloster Stans wird mittlerweile von der Pharma-Firma «Mondobiotec» als Hauptsitz und Forschungsinstitut genutzt, eben hat der namhafte britische Architekt Norman Foster die Umbaupläne vorgestellt. «Eine solche Lösung stellt so etwas wie einen Sechser im Lotto dar», sagt Kantonsbaumeister Martin Kraus dazu. «Aber so etwas darf man nicht erwarten.»
Wenn es auch nicht immer grad der Lottosechser ist, an den meisten Orten fanden sich Lösungen für die leer stehenden Gebäude. Das Kloster in Dornach wurde umfunktioniert zu einem Hotel und Restaurant. Das Kloster Arth dient inzwischen als «geistiges und kulturelles Zentrum» der syrisch-orthodoxen Kirche in der Schweiz, jenes in Sursee als Kapuzinermuseum. Das Kloster in Altdorf beherbergt eine Homöopahtiepraxis, ein Steinhaueratelier und eine Pflanzenfärberei. (rb)

Jetzt sagt Martin Kraus wieder «bis im März». Er stehe mit zwei neuen Anwärtern im Gespräch, wie er auf Anfrage ausführt. Einer davon sei völlig unerwartet aufgetaucht. «Beide haben nun Zeit bis im März um ihr Interesse definitiv zu bekunden.» Frühestens per Ende Juni, so Kraus, wäre dann mit konkreten Offerten zu rechnen.

«Denkklause» zum Zweiten

Doch auch das Projekt der «Denkklause» ist nicht vom Tisch - zumindest für einen Teil der Mitwirkenden. «Für mich persönlich ist das Thema abgeschlossen», sagt zwar Niklaus Studer, doch Architekt Guido Kummer, zweite treibende Kraft, engagiert sich nach wie vor. Das Projekt sei weiter aktuell und auch nach wie vor im Stil der Denkklause angelegt, sagt Kummer. Bei den Beteiligten aber, habe es tatsächlich Änderungen gegeben. Mehr wolle er zu diesem Zeitpunkt dazu aber nicht sagen, selbst wenn das Konzept fertig ausgearbeitet sei.

Damit ist die Mannschaft um Kummer einen ganzen Schritt weiter, als die neuen Spieler im Poker um das alte Gebäude. Ausgearbeitete Nutzungskonzepte für das Kloster könne keiner der beiden Interessenten vorlegen, sagt Kraus. In einem Fall seien noch überhaupt keine Pläne vorhanden, «da ist es die reine Freude an diesem Objekt.» Auch sonst gibt es wenig zu berichten, schon gar nicht bezüglich Namen: Darüber habe man absolutes Stillschweigen vereinbart, sagt Kraus. Er lässt aber durchblicken, dass die Finanzierung eines Umbaus zumindest für den einen der beiden neuen Interessenten absolut kein Problem wäre.

Die Hürden bleiben hoch

Aufgrund der fehlenden konkreten Projektepläne sei es schwierig einzuschätzen, wie gross die Chance sei, dass nun tatsächlich die Lösung für das Gebäude gefunden sei, bekennt der Kantonsbaumeister. Denn abgesehen vom finanziellen Spielraum der Interessenten - eine Sanierung wird von Kraus mit maximal 15 Mio. Franken veranschlagt - spielt für den Kanton als Besitzer des Klosters auch das vorgelegte Nutzungskonzept eine wichtige Rolle.

Ein gewisser kultureller und ideeller Wert, der mit der ursprünglichen Nutzung des Baus korrespondiere, müsse vorhanden sein; das Ganze soll ins Quartier passen - und, so Kraus «das Vorhaben muss nachhaltig sein». Er spricht von Arbeitsplätzen; von Projekten, die eine längerfristige Zukunft hätten. Bevorzugt würden auch «offene Konzepte», bei denen zumindest ein Teil der Räumlichkeiten für die Öffentlilchkeit zugänglich bleiben.

Keine Frage, die Hürden sind hoch - gerechtfertigterweise bei einem derartigen Objekt, wie Kraus betont: «Daher warten wir lieber noch fünf Jahre, als das wir einen Schnellschuss landen.» Und in der Zwischenzeit werde man das Kloster weiter für Anlässe vermieten. Das Interesse sei gross: «Es gibt fast eine Warteliste», bis Ende 2010 seien die Termine mehr oder weniger ausgebucht. Langfristig sei dies aber kein Weg. «Früher oder später müsste das Haus umfassend saniert werden und das kann sich der Kanton nicht leisten.»