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Brandserie in Aarau: Autonome zündeten «SVP-Karossen» an

Die beiden Männer wohnen im gleichen Aarauer Quartier wie ihre Opfer. Seit einem Monat sitzen sie in U-Haft: Wegen des Verdachts auf mehrfache qualifizierte Brandstiftung. Sogar die Autos des SVP-Ortsparteipräsidenten gingen in Flammen auf.

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Aargauer Zeitung

Michael Spillmann

Die unheimliche Brandserie hat die Bewohner im Aarauer Zelgliquartier beunruhigt: Im Zeitraum zwischen Mai und November brannten insgesamt acht Autos - Fahrzeuge der vornehmlich gehobeneren Klasse. Bei zwei Bränden bestand sogar Gefahr für die Besitzer der Autos - die Flammen drohten auf die Wohnhäuser überzugreifen.

Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, zündeten die Brandstifter am 18. Oktober das Auto eines SVP-Einwohnerrats an. Doch dem nicht genug: Am 14. November schlugen die Brandstifter zum letzten Mal zu. Und das wiederum im Quartier Zelgli. Ziel des nächtlichen Brandanschlags: Die beiden Fahrzeuge von Marc Dübendorfer, SVP-Ortsparteipräsident Aarau-Rohr. «Politische Motivation hin oder her: Für mich sind das schlicht Kriminelle», sagt der betroffene Politiker auf Anfrage.

Das Feuer drohte in jener Nacht sogar auf das Wohnhaus der Familie überzugreifen. Doch die Kantonspolizei hatte das Quartier überwacht. So war nicht nur die Feuerwehr schnell alarmiert, auch konnten Polizisten die Brandstifter schnappen - offenbar in flagranti. Seither sitzen die beiden 20-jährigen Schweizer in Untersuchungshaft.

Diese stammen offenbar «aus gutem Hause» und wohnen im gleichen Quartier wie die Opfer der Brandstiftungen. Den Beiden wird Sachbeschädigung (politisch motivierte Schmierereien) und mehrfache qualifizierte Brandstiftung (bei zwei Brandstiftungen bestand Gefahr für Leib und Leben) vorgeworfen.

Demo war für die Inhaftierten

Klar ist nun auch: Die Zusamenrottung linksautonomer Kreise in Aarau am vergangenen Wochenende hatte mit der bereits einmonatigen Inhaftierung der beiden 20-Jährigen zu tun. Auf einschlägigen Internetseiten ist zu lesen, es sei am Samstagnachmittag einigen Teilnehmern zwar gelungen, vor dem Polizeikommando in der Telli, wo einer der Beiden in U-Haft sitzt, mit Lärm, Parolen und Feuerwerk auf sich aufmerksam zu machen, doch dann habe die Kantonspolizei mit mehreren Einsatzfahrzeugen «mit Blaulicht und Sirene» eingegriffen. «Die massive Polizeigewalt mit der unsere Solidarität mit den Inhaftierten und unsere Kritik am herrschenden Justizsystem niedergeschlagen wird, zeigt, dass wir damit eine wunde Stelle des Systems getroffen haben», lassen Demo-Teilnehmer im Internet verlauten. Und: «Wir kommen wieder.» Der andere 20-Jährige sitzt im Aarauer Bezirksgebäude in U-Haft.

Die Beiden streiten alles ab

Wie nach der verhinderten Demonstration aus dem Umfeld der Linksautonomen zu erfahren war, werden den beiden Inhaftierten massive Schmierereien und Sprayereien angelastet - und das Anzünden verschiedener Autos. Und tatsächlich: Darauf angesprochen bestätigte gestern der für den Fall zuständige Aarauer Bezirksamtmann Dieter Gautschi: «Ja, die Männer sitzen im Zusammenhang mit der Serie von Autobränden in U-Haft.» Am Nachmittag informierte das Bezirksamt Aarau schliesslich offiziell in einer Medienmitteilung über das laufenden Verfahren. «Die beiden Männer gehören zur Linksautonomenszene», erklärte der Bezirksamtmann. «Sie sind nicht geständig.» Die Untersuchungshaft sei - aufgrund der Kollusionsgefahr - nicht unbegründet.

Auto der Stadtpolizei brannte

Die Serie von Fahrzeugbränden zog sich vom 23. Mai bis zum 14. November hin, als die Polizei die beiden Autonomen verhaften konnte. So brannte etwa in der Nacht auf den 22. August vor einem Haus an der Heinrich Wirristrasse ein Alfa Romeo und am 26. September ein Mercedes Benz am Gönhardweg. Vor den Brandanschlägen auf die Autos der beiden SVP-Politiker hatten die Brandstifter zudem bereits Anfang Oktober einen Patrouillenwagen der Stadtpolizei Aarau in Brand gesetzt. Die alarmierten Polizisten konnten das Feuer aus eigener Kraft löschen.