Jörg Baumann

Der Bosnier legte seine Rechte als Ehemann so aus: «Ich habe das Recht, meine Frau zu schlagen, wenn ich dafür einen Grund habe», sagte der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Gegenüber seiner Tochter bezeichnete er seine Frau als «Hure». Mit dem Tod habe er aber seine Familie nicht bedroht. Auch habe er seine Frau nicht vergewaltigt. Seine Frau und seine Kinder hätten gegen ihn ein Komplott eingefädelt.

«In Särgen nach Serbien»

Die Beweislage sprach für die Staatsanwaltschaft und das Gericht nicht für ein Komplott. Der Angeklagte habe seine Frau mit einem Messer bedroht und vergewaltigt, so die Staatsanwältin. Auch die Drohungen, dass er seine Familie «in Särgen nach Serbien schicken werde», seien durch die übereinstimmenden und überzeugenden Zeugenaussagen der Ehefrau und der drei Kinder belegt.

Das fragliche Messer, das der Bosnier bei seinen Vergewaltigungen in der Hand hatte, habe sie zwar nicht gesehen, schränkte die Ehefrau ein. «Aber sie hat es am Hals gespürt», entgegnete die Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf. Kratzspuren am Hals der Frau belegten den Einsatz einer Waffe. Vor einer Vergewaltigung zerschnitt der Angeklagte das T-Shirt, der Frau. Das sei eine Lüge, meinte der Angeklagte. Die Frau habe das T-Shirt selber aufgetrennt. Die Staatsanwältin bezeichnete diese Version als «reine Schutzbehauptung». Gleich sah das auch das Gericht. Die Ehefrau sagte aus, dass sie noch heute Angst vor ihrem Mann habe und glaube, dass er sie «einmal töten wolle». Sie hat inzwischen die Scheidung eingereicht.

Hilfe statt Strafe?

Gegen den Bosnier sei ein «Kesseltreiben» losgetreten worden, erklärte sein Verteidiger. Sein Mandant sitze nun schon bald acht Monate lang in Untersuchungshaft und hoffe, dass ihn ein «neutrales Gericht» gerecht beurteile. Der Angeklagte leide unter Schizophrenie und brauche «mehr Hilfe als eine Strafe». Die Vergewaltigung sei nicht nachgewiesen. Mit ihren drei Kindern im Rücken behaupte die Ehefrau das Gegenteil. Der Bosnier sei wegen seiner Krankheit nur eingeschränkt schuldfähig. Der Verteidiger beantragte, ihn zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten zu verurteilen. Nach der bald ausgestandenen Untersuchungshaft müsse er sofort entlassen werden.

Der Anwalt der Familie verlangte wie die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Für die Ehefrau forderte er eine Genugtuung von 20 000 Franken und für die Kinder je 10 000 Franken. Für ihn lag der Fall «nahe an der Verwahrung». Diese Forderung empfand der Verteidiger des Angeklagten als «absurd».

Genugtuung für Ehefrau

Das Bezirksgericht Bremgarten setzte die Freiheitsstrafe auf dreieinhalb Jahre fest. Die Taten seien im Wesentlichen bewiesen, erklärte die Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf. Der Angeklagte muss sich nach dem Richterspruch einer Therapie unterziehen und der Ehefrau eine Genugtuung von 10 000 Franken ausrichten. Ausserdem muss er sich an den Therapiekosten, die bei der Ehefrau anfallen, beteiligen, soweit sie nicht von den Versicherungen und der Krankenkasse gedeckt werden. Weil der Angeklagte die Gerichtsverhandlung mehrmals störte und den Anwalt der Familie als «Lügner» bezeichnete, muss er ausserdem eine Ordnungsbusse von 300 Franken bezahlen.