Bosheit im Briefkasten

In dem ruhigen Wohnquartier Kirchrain in Reinach sorgt ein anonymer Brief mit unflätigem Inhalt für Aufruhr.

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Anonymer Brief

Anonymer Brief

Aargauer Zeitung

Der Empfänger des Schreibens, Martin Roth, Bankkaufmann, schildert gegenüber der AZ den Sachverhalt. Er sei seit dem 15. September vom Arzt krank geschrieben und gehe zur Zeit nicht zur Arbeit.

Kürzlich hat nun Roth in seinem Briefkasten einen in Reinach abgestempelten Brief gefunden mit folgendem Inhalt: «Faultier bekommst schon IV, kaufe einen Strick! Faulheit, Dummheit und Stolz ... wachsen auf gleichem Holz!!»

Martin Roth ist erstaunt und verunsichert zugleich. Gerade in diesen Tagen, wo in Deutschland der Mauerfall gefeiert werde, sagt Roth, erinnere ihn dieses Machwerk an Stasi-Zeiten. «Einen Hauch dieser für die geplagten DDR-Bewohner vergangenen Repressalien muss ich in diesen Tagen in der humanen, freien und modernen Schweiz erleben», sagt Roth.

Roth und seine Familie fühlen sich beobachtet, hegen aber keinen konkreten Verdacht, wer die Schreiberin oder der Schreiber sein könnte. «Der Zettel gibt zu denken», sagt Roth. Die Idee, dass es glatt zum IV-Fall ausarten könnte, wenn einer wegen Krankheit eine bestimmte Zeit nicht arbeite und somit nur die Gesellschaft zur Last falle, sei für ihn nicht akzeptabel. Roth sagt, er wünsche der Person, welche den Brief verfasst habe, dass sie nicht sein Schicksal selber ausleben müsse. «Vielmehr wünsche ich ihr oder ihm den verlorenen Verstand zurück und die Fähigkeit, den Wert eines Menschenlebens zu erfassen.» (psi)

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