Köbi F.
«Böser Onkel» droht eine Klage

Der Film «Der böse Onkel» von Urs Odermatt, der zurzeit im Aargau gedreht wird, sorgt für Wirbel: Eine Kopie des Möriker Falles Köbi F. und ihres Buches, sagt Mitautorin Ruth Ramstein und wehrt sich. Ihr geht es aber um mehr als um das Autorenrecht.

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Onkel Köbi

Onkel Köbi

Aargauer Zeitung

Roman Huber

Der Fall Köbi F. kommt nicht zur Ruhe. Kurz nachdem Ruth Ramstein von den Dreharbeiten zum Film «Der böse Onkel» erfahren hatte, wurde sie per Anwalt (ihr Ehemann) bei Filmregisseur (und Drehbuchautor) Urs Odermatt und der in Windisch domizilierten Nordwest Film AG vorstellig. Sie verlangt, dass das Filmprojekt sofort einzustellen sei, bis mit ihr eine Einigung über das Drehbuch erzielt worden sei.

Abgekupfertes Drehbuch - wie 2004

Für Ruth Ramstein, die Anfang 1991 die Möriker Behörde (sechs Jahr bevor der Fall ans Licht kam) erfolglos auf die Übergriffe des Turnlehrers und Geräteriegenleiters Köbi F. hingewiesen hatte, besteht kein Zweifel: «Die Filmstory orientiert sich nicht nur an der Geschichte von Köbi F., sie hat frappante Übereinstimmigkeiten, die nicht zufällig sind.» Die Figuren im Film seien klar als diejenigen des wirklichen Falles erkennbar.

Update

1991 macht Schulpflegerin Ruth Ramstein ihr Möriker Gremium über Verfehlungen des Turnlehrers Köbi F. aufmerksam. Die Schulpflege unternimmt nichts.

1997 kommt die Sache ans Licht. - Köbi F. wird mit 3 1/4 Jahren Gefängnis bestraft.

2000 Buch zum Fall erscheint, (Ramstein ist Mitautorin).

2002 Odermatt schreibt das Theaterstück «Der böse Onkel» anhand des Falles Köbi F.

2004 plant Urs Odermatt einen gleichnamigen Film; Ramstein interveniert, will Einsicht ins Drehbuch.

2009 Das Filmprojekt wird wieder aufgenommen. (-rr-)

Ramstein verlangt von Odermatt, dass sie Einsicht ins Drehbuch erhalte und dass man dieses noch entsprechend abändern würde. Ihr gehe es weniger um das Autorenrecht, vielmehr um die von Köbi F. sexuell ausgebeuteten Opfer, die noch heute darunter zu leiden hätten, und die sich durch den Film aufs Neue verletzt fühlen würden, erklärt Ramstein, die 1998 für ihr Einschreiten gegen Köbi F. vom Beobachter mit dem Prix Courage ausgezeichnet wurde. Sie droht mit einer Klage wegen Persönlichkeitsverletzung. Sie hatte bereits im Jahr 2004 gegen dasselbe Filmprojekt von Odermatt interveniert, das wegen Ausfall im Filmteam abgeblasen wurde.

Köbi F. - Grundlage, aber nicht kopiert

Regisseur Odermatt äusserte schon vor über 10 Jahren in einem Interview, dass ihn «der Fall Köbi F. nie mehr loslassen» würde. Er hatte im Jahr 2000 die Geschichte als seinen Theatererstling inszeniert. Die Ähnlichkeit des Namens von Ramstein und der Frau, die sich im Stück gegen den Lüstling und die Dorfgemeinde stellte, ist offenkundig: Ruth Wettstein! So lautete der Name auch noch für das Casting des Filmprojektes vor fünf Jahren. Odermatt ist zumindest hier auf Ramsteins Forderung eingetreten: Der Name ist inzwischen auf Trix Brunner abgeändert worden. Tatort-Komissar Miroslav Nemec hätte damals den Kinderschänder gespielt.

Als Regisseur bekannter Filme wie «Gekauftes Glück», «Wachtmeister Zumbühl» etc. führte Odermatt auch für Tatort Regie. Er gilt als fiktiver Autor und nicht als dokumentarisch oder journalistisch arbeitender Regisseur. Überhaupt wären etwaige Ähnlichkeiten zwischen dem Fall Köbi F. und seinem Film rein zufällig, liess im November 2004 Urs Odermatt per Anwalt Frau Ramstein ausrichten.

Noch kein Gras darüber gewachsen

Der Fall Köbi F. ist im Zusammenhang mit dem neuen Filmstart nie erwähnt worden. Man wollte davon bewusst Abstand schaffen. Filmtitel und -geschichte sind indes dieselben geblieben. So heisst es auf der Homepage zur Story: «Trix Brunner, eine alleinerziehende Mutter, beschuldigt einen Sportlehrer, er habe ihre Tochter sexuell belästigt. Das ganze Dorf ist empört - über die Mutter, die solches behauptet. Schliesslich ist der Beschuldigte ein ehemaliger Landesmeister.» Für Ramstein erneut Indiz dafür, dass es eben doch nur um den Fall Köbi F. geht. Sie tue sich auch darum schwer, weil gemäss Film Saskia Brunner (die ihre Tochter darstellen soll) als Missbrauchsopfer dargestellt wird, wogegen ihrer richtigen Tochter, die bei Köbi F. zur Schule ging, nichts Derartiges widerfahren sei.

Ruth Ramstein wirft Regisseur Urs Odermatt vor, dass er sich in den vergangenen fünf Jahren nicht zusammen mit ihr um eine Lösung bemüht habe. Odermatt liess damals verlauten, dass sein Drehbuch niemanden etwas angehe. Für eine erneute Stellungnahme war vom Filmteam trotz mehrmaligen Versuchen heute niemand zu erreichen.

Ruth Ramstein möchte mit ihrem Vorgehen verhindern, dass diese tragische Geschichte zum Stoff eines Unterhaltungsfilms wird. «Ich bin nicht a priori gegen eine Verfilmung dieses Falles. Aber wenn ein solche geplant ist, will ich mitreden können», sagt Ramstein.