Liegt Seldwyla nun im Seetal? Im Boniswil kommt es heute in einer Woche zu einer Referendumsabstimmung, die aus Verfahrensgründen nicht stattfinden dürfte. Und nun empfiehlt das verantwortliche Komitee in einem Flugblatt auch noch, «einen leeren Stimmzettel einzulegen oder sich der Abstimmung zu enthalten».

Inhaltlich geht es um einen Beitrag von 50 000 bis 100 000 Franken für Vorarbeiten für eine neue Haltestelle im Dorfteil Alliswil. Ohne dass dieser Kreditantrag an der Gemeindeversammlung vom 4. Juni traktandiert gewesen wäre, wurde er unter «Verschiedenes» mit 36 zu 38 Stimmen abgelehnt.

Arbeitsgruppe SBB-Haltestelle

«Nein» heisst nun «Ja» zu den Vorinvestitionen. Gemäss den Abstimmungsunterlagen entscheidet der Boniswiler Souverän am 26. September über die Ablehnung an der Gmeind. Möglich gemacht hat die Urnenabstimmung die Arbeitsgruppe SBB-Haltestelle Alliswil, die noch vor den Sommerferien genügend Unterschriften gesammelt hat, um gegen den negativen Entscheid das Referendum zu ergreifen.

Den Initianten geht es um zweierlei: Zum Ersten soll der 1899 eingemeindete Ortsteil Alliswil mit dem Bau einer eigenen SBB-Haltestelle im Rahmen der sich zu Ende neigenden Seetalbahn-Sanierung (in Boniswil wird als einziger Aargauer Gemeinde das Bahntrassee verlegt und damit vom Verlauf der Kantonsstrasse entflochten) an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden. Und zum Zweiten würde viel Geld gespart, wenn gewisse Vorarbeiten für den später zu realisierenden Bahnhof nun schon ausgeführt würden.

Viel zu lange

Ein bis zwei Jahre würde allein das planungsrechtliche Verfahren der SBB für die Vorarbeiten in Anspruch nehmen. Viel zu lange, denn bereits im nächsten Frühjahr wird die Seetalbahn in Boniswil auf dem neuen Trassee verkehren. Diese für sie ernüchternde Auskunft haben Vertreter des Referendumskomitees in zwei Gesprächen mit einem Kantonsvertreter erhalten.

Selbst wenn sich das Verfahren beschleunigen liesse, könnte Boniswil die Vorarbeiten nicht gegen den Willen des Kantons als Bauherr und Grundeigentümer durchstieren. «Wir müssten auf richterlichem Weg gegen den Kanton vorgehen und dazu haben wir kein Geld», musste Marcel Biland von der Arbeitsgruppe SBB-Haltestelle Alliswil eingestehen.
«Man muss dies akzeptieren», so Biland weiter.

«Leer» einlegen

Und so hat das Referendumskomitee die Konsequenzen gezogen: «Die Abstimmung ist eine Farce.» Weil gemäss Auskünften der kantonalen Gemeindeabteilung ein kommunales Referendum nicht storniert werden kann und die Boniswiler an die Urne gerufen sind, empfiehlt die Arbeitsgruppe nun «leer» einzulegen oder gar Stimm-Abstinenz.

An dieser Empfehlung stört sich Gemeindeammann Gérald Strub. Die Arbeitsgruppe stelle selber fest, dass die Vorinvestitionen unter diesen Voraussetzungen keinen Sinn machen. Demnach wünscht sich Strub ein klares Zeichen und keine Aufforderung zum Einwurf leerer Stimmzettel. Somit könnte es nämlich bei einer extrem geringen Stimmbeteiligung zu einem Zufallsentscheid kommen.

50 Prozent zahlt Kanton

Die jüngsten Gespräche haben jedoch aufgezeigt, dass der Kanton dereinst 50 Prozent an die Bahnhofkosten zahlen würde. «Diese neue Erkenntnis ist das Positivste an der ganzen Übung», so Gemeindeammann Strub. Doch auch er weiss aus zahlreichen Verhandlungsrunden, dass sich die Rahmenbedingungen verändern können.

Für Marcel Biland sind die zuständigen Aargauer Kantonsbeamten «zu wenig dynamisch und zukunftsorientiert: Läge Boniswil im Kanton Luzern, würde die Haltestelle jetzt gebaut.» Das weitere Abseitsstehen von Alliswil vom öffentlichen Verkehr sieht er als «grosse verpasste Chance».