Bluescht
«Bluescht» plötzlich in voller Pracht

Gestiegene Temperaturen führen dazu, dass die Kirschen im Baselbiet den Rückstand rasant aufholen. Die Bäume stehen fast überall in der «Bluescht».

Merken
Drucken
Teilen
"Bluescht" plötzlich in voller Pracht

"Bluescht" plötzlich in voller Pracht

bz Basellandschaftliche Zeitung

Jürg Gohl

«Eine Pracht», entfährt es Pascal Simon. Dem Leiter der Abteilung Landwirtschaftliche Produkte des landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain in Sissach ist es natürlich nicht entgangen, dass die warmen Ostertage die Kirschbäume fast explosionsartig zum Blühen gebracht haben, zur «Bluescht».

Nicht nur im unteren Kantonsteil stehen die Bäume bereits in voller Blüte, auch im Oberbaselbiet tragen sie je nach Standort und Sorte das weisse Kleidchen, das uns alle Jahre von neuem zu faszinieren weiss. Weil der hartnäckige Winter lange die Entwicklung der Bäume und Früchte gehemmt hatte, schienen sie sich richtiggehend nach diesen ersten Sonnenstrahlen, die mit dem Osterhasen kamen, gesehnt zu haben, um loslegen zu können. Aus diesem Grund verteilt sich der Beginn der «Bluescht» auch nicht auf mehrere Tage.
Mit den für April eigentlich untypisch warmen Frühlingstagen haben die Kirschen allerdings ihren in den zurückliegenden Monaten eingehandelten Rückstand noch nicht ganz wettmachen können. Gerade im Vergleich zum Vorjahr, in welchem die Kirschen verhältnismässig früh reiften, fehlen den Früchten nun noch etliche Sonnenstunden.

Zwei Wochen Rückstand

Pascal Simon geht davon aus, dass die Verzögerung im Vergleich zu 2008 derzeit noch immer rund zwei Wochen beträgt. Vorsichtig wagt er eine Prognose für diesen Sommer: Die ersten Kirschen dieses Jahres werden Ende Juni in Riehen gepflückt.

Völlig zu Recht ziert ein Kirschbaum die Tafeln an der Kantonsgrenze, mit denen Gäste im Baselbiet willkommen geheissen werden. Die Frucht nimmt in der Nordwestschweiz eine Sonderstellung ein: Der Anteil des Baselbiets an der gesamten Schweizer Landwirtschaft beträgt zwar gerade mal zwei Prozent, doch stammt die Hälfte der Schweizer Kirschen aus der Nordwestecke inklusive Fricktal und Schwarzbubenland.

Dies prägt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das Landschaftsbild, das gegenwärtig geradezu zu «Blueschtfahrten» einlädt. Simon ist überzeugt: «Da könnte touristisch viel mehr rausgeholt werden.»