Bloss 4 bis 6 Wochen schneefrei

Spuren hinterlassen: Auf der Lufaufnahme des Piz Ela sind die dreizehigen Fussabdrücke eines grossen Raubsauriers deutlich zu sehen. (zvg)

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Spuren hinterlassen: Auf der Lufaufnahme des Piz Ela sind die dreizehigen Fussabdrücke eines grossen Raubsauriers deutlich zu sehen. (zvg)

Ein Team von Paläontologen des Naturhistorischen Museums Basel hat Dinosaurierspuren auf über 3000 Metern entdeckt (vgl. «Sonntag bz»). Das gestaltet die wissenschaftliche Untersuchung schwierig, wie Paläontologe Christian A. Meyer erklärt.

David Weber

Lange vor Hannibals Elefanten marschierten auch Dinosaurier über die Alpen. Bloss anders. Denn als die Raubsaurier die nun in Graubünden entdeckten Spuren hinterliessen, war die Gegend ein flacher tropischer Meeresstrand. Durch die Alpenfaltung liegen die Spuren heute auf einer Höhe von 3300 Metern über Meer. Das erschwert die Arbeit der Paläontologen beträchtlich. Ein Forscherteam des Naturhistorischen Museums hatte die Spuren am Piz Ela letzte Woche entdeckt. Zusammen mit Funden vom Piz Mitgel (ebenfalls Graubünden) gehören sie zu den höchstgelegenen Saurierfundstellen der Welt.

Die neu entdeckten Fussabdrücke werden wie bereits frühere Fundstellen in diesem Gebiet vom Forscherteam unter der Leitung von Christian A. Meyer wissenschaftlich untersucht, und das unter erschwerten Bedingungen. Die Stelle sei 4 bis maximal 6 Wochen pro Jahr vollkommen schneefrei, erklärt Meyer. Zu Fuss erreicht man die Fundstellen am Piz Mitgel nach gut sechsstündiger Kletterei (ein Weg), zu denjenigen am Piz Ela dauerts noch etwas länger. Um Helikoptereinsätze kommen die Forscher deswegen nicht herum. «Nächstes Jahr errichten wir vielleicht ein Camp in der Nähe der Fundstellen», berichtet Meyer.

Vorfinanziert werden die Untersuchungen vom Kanton Graubünden und vom Naturhistorischen Museum Basel. Weiter sollen die Studien auch im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts stattfinden. Meyer betont die gute Zusammenarbeit mit den lokalen Institutionen, wie dem Naturpark Ela. Dieser hat nun mit den Dinosaurierspuren eine neue Attraktion, allerdings eine kaum zugängliche. «Wir werden Abgüsse der Spuren machen, die dann öffentlich ausgestellt werden können», sagt Meyer. Auch das sei wichtig für ein solches Forschungsprojekt.

Die ältesten Funde grosser Saurier

Er sei «total happy», dass sie Spuren von grossen Dinosauriern gefunden hätten, berichtet Meyer. Denn die Grösse ist das Sensationelle an den jüngsten Spurenfunden. «Die rund 40 Zentimeter langen Fussabdrücke im Gipfelbereich des Piz Ela stammen von grossen Raubsauriern (zum Beispiel von vier bis sechs Meter grossen Plateosauriern) und sind rund 205 bis 210 Millionen Jahre alt. Bisher waren solch grosse Raubsaurierspuren erst aus der unteren Jura-Zeit (199 bis 175 Millionen Jahre vor heute) bekannt.

«Die Funde sind ganz wichtig im Bezug auf die Evolutionsgeschichte der Dinosaurier», erklärt Meyer. Diese habe früher stattgefunden als bisher angenommen. «Es ist extrem faszinierend, im eigenen Land blinde Flecken zu erforschen», sagt Meyer. Die Spuren lassen Rückschlüsse auf Grösse, Geschwindigkeit und Verhaltensmuster der Saurier zu. «Wichtig ist auch», sagt Meyer, «was man alles neben den Saurierspuren findet.» Anhand der weiteren Funde könnten Ökologie und Umwelt rekonstruiert werden.

Meyer erwartet noch weitere Funde von Saurierspuren. Nach der Untersuchung der geologischen Verhältnisse wüssten sie nun, wo suchen. Die Frage sei aber, ob die Stellen zugänglich sind.

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