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Blitz schlug eine Schneise ins Schopfdach

Ein Gewitter löste gestern Nacht über Grenchen das nächste ab. In Staad schlug der Blitz ein Loch ins Dach eines Maschinenschuppens. An der Dählen- und der Hohlenstrasse musste die Feuerwehr wegen Wassereinbrüchen ausrücken.

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Gewitter

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

«Mich hat vor allem der Regen immer wieder aufgeweckt», sagt Gemüsebauer Willi Gloor. Dass der Blitz auf seinem Hof eingeschlagen hat, merkte er erst gestern Morgen. Getroffen wurde ein Maschinenschopf. «Im Umkreis von fünf Metern sind am First die Ziegel und der Tragbalken zersplittert», beschreibt Gloor. «Der Dachstuhl kann zwar das Notdach noch tragen, das jetzt aufgelegt wird. Aber der Tragbalken muss ausgewechselt werden.» Auch der Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Grenchen, Rolf Witschi, ist beeindruckt von der Wucht dieses Blitzschlags. «In Staad hatten wir Glück, dass kein Feuer ausgebrochen ist.» Schon gestern Mittag war von der Naturgewalt einzig noch ein zerrissener Dachbalken zu sehen. Der Dachdecker hatte bereits neue Ziegel aufgelegt.

Willi Gloor beziffert den Schaden auf einige Tausend Franken. Dass es nicht mehr ist, hat er dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass innerhalb des Schuppens nichts kaputtging. Die Maschinen, die vorgestern Nacht dort standen, seien alle noch funktionstüchtig. «Der Blitz ging dem Dachkänel entlang in den Boden. Der ist aus Kupfer und leitet hervorragend», rekonstruiert der Landwirt das Geschehen.

Neben dem Schaden auf dem Hof von Gloors, soll in Staad ein Baum vom Blitz getroffen worden sein, wie Feuerwehrkommandant Witschi berichtet. Auch da sei kein Feuer ausgebrochen. Ausserdem berichten Staader von Stromschwankungen und toten Telefonleitungen. «Hätte ich mein Handy nicht gehabt, wäre ich aufgeschmissen gewesen», erzählt ein Mann, der in den frühen Morgenstunden ein Taxi bestellen wollte.

Der erste Alarm ging bei der Feuerwehr um halb drei Uhr morgens ein. Jürg Aeschlimann von der gleichnamigen Firma an der Dählenstrasse meldete, dass Wasser ins Firmengebäude eindringt. Er hat das Pech, dass er ausgerechnet jetzt umbaut und vor wenigen Tagen das Dach abgedeckt hat. Als das Unwetter am Dienstag um 21 Uhr losbrach, war das Dach bloss mit Planen abgedeckt. «Ich habe noch nie erlebt, dass ein Gewitter über Stunden stationär an einem Ort bleibt», sagt der Firmeninhaber.

«Mit wenigen Pausen tobte es die ganze Nacht hindurch.» Bei einer Kontrolle der Baustelle stellte er fest, dass Wasser durch die Decke in die Räume tropft. Den Schaden kann er noch nicht beziffern. «Ich weiss noch nicht, in welchem Zustand die Verkleidung der Decken ist.» Doch der Feuerwehrkommandant geht davon aus, dass es sich bei der Firma Aeschlimann nicht um einen gravierenden Fall handelt. «Wir haben ihnen einen Wassersauger dagelassen, damit sie das Wasser wegputzen können, das hereindrückt.»

Beeindruckt ist Jürg Aeschlimann von der schnellen und unbürokratischen Hilfe der Trocknungs- und der Holzbaufirma. Letztere habe schon morgens um 7 Uhr neue Dachplanen aufgelegt. «Nach der schlaflosen Nacht und all den Ängsten war es gut, die Fachleute zu hören, die die Ereignisse in den richtigen Proportionen sehen.»

Gestern Morgen um 8.40 Uhr ging bei der Stützpunktfeuerwehr die letzte Meldung zur unruhigen Nacht ein. Diesmal stand ein Block an der Hohlenstrasse im Schlamm. Hauswartin Lotti Freiburghaus hatte schon am Abend vorher ein schlechtes Gefühl, wie sie sagt. Der Grund: Bevor sie ins Bett ging, beobachtete sie, dass die Dachrinne das Wasser des Gewitterregens nicht fassen konnte. Auf einer Breite von fünf Metern rauschte bei der Eingangstür ein Wasserfall vom Dach auf den Boden. Sie habe versucht, die Pfütze mit Kieselsteinen einzudämmen, musste schliesslich aber aufgeben.

«Ich war völlig durchnässt und habe gefroren», erzählt Lotti Freiburghaus und erklärt: «Letztes Jahr wurde das Haus saniert. Dabei haben die Bauarbeiter mehrere Dachkänel zu nur einem Abfluss zusammengeführt.» Vergrössert wurde das Problem, weil das Wasser genau auf ein Stück Rasen floss, das frisch angesät war. «Die Erde war dort locker und wurde natürlich einfach weggeschwemmt.»

«Ich habe den Mietern gesagt, dass sie mich nachts anrufen sollen, wenn der Regen nicht aufhört», sagt die Hauswartin, die im Nachbarhaus wohnt. Als der Anruf kam, morgens um 6 Uhr, war die Bescherung geschehen. Der Schlamm hatte bei der Haustür hereingedrückt und war bis in die Waschküche geflossen. Da konnte die Feuerwehr nichts mehr ausrichten. Nach einem kurzen Augenschein habe man die Kanalreinigungsfirma aufgeboten, erklärt Kommandant Witschi. Und Lotti Freiburghaus hat vor dem Eingang einen Rost platziert, damit die Mieter trockenen Fusses ins Haus kommen.

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