Leibstadt
Blick auf die Kühlturmfalken

«Lueg da, s Fälkli», zeigt die kleine Ilena auf den Bildschirm im Infozentrum, auf dem jedermann eins zu eins beobachten kann, was auf fast 100 Metern Höhe im Falkenhorst am Kühlturm passiert.

Merken
Drucken
Teilen
Falkentag in Leibstadt
3 Bilder
Falkentag in Leibstadt «Ist er gelandet?» Gespannt erwarten die Kleinen die Ankunft eines Elternteils, der dem geschlüpften Falken Futter bringt.
Falkentag in Leibstadt Der Falke und der Kühlturm. Der Horst befindet sich auf 96 Metern Höhe.

Falkentag in Leibstadt

Aargauer Zeitung

Silvan Merki

Ihr Bruder beobachtet ebenfalls minutenlang, ob sich bei den zwei Eiern neben dem bereits geschlüpften Tier etwas bewegt. Ilena gibt dem vor ein paar Tagen zur Welt gekommenen Vögelchen den Namen «Apu», ihr Bruder will es tatsächlich «Rambo» nennen.

Sie lassen ihren Papi die Zettel für die Namensvorschläge ausfüllen. Aus allen Vorschlägen zieht man am Dienstag einen Namen, der bei der Beringung durch die Vogelwarte Sempach offiziell eingetragen wird.

Falkner auf Beizjagd

Es sind seltene Vögel, mit denen die 15 Mitglieder der Schweizerischen Falknervereinigung auf Beizjagd gehen. Sie zeigen am Falkensonntag ihre Tiere, ohne eine Flugshow zu präsentieren. «Das wäre nicht artgerecht. Wir pflegen ein Jagdhobby und fördern natürliche Instinkte», antwortet Walter Hofmann auf die Frage eines Zuschauers, ob er das Tier fliegen lassen könne.

In der Schweiz sind nur rund 300 Wanderfalken-Paare registriert. Die krähengrossen Greifvögel zählen zu den schnellsten der Welt. Ihre Beute jagen sie im Sturzflug mit bis zu 250 km/h, packen sie in der Luft und stürzen damit zu Boden. Der stromlinienförmige Körper und spitze Flügel machen es möglich.

Die Falkner haben ihre Tiere vor allem auf Elstern und Krähen abgerichtet. «Sie nehmen bei grossem Hunger natürlich auch anderes, was eben da ist», erklärt Roland Bosch den interessierten Besuchern, während er seinen Habicht auf dem Arm trägt.

Ist der Vogel freigelassen, scheucht der Mensch mit einer Rätsche die Krähen aus den Bäumen, der Falke stürzt sich in der Luft auf ein Tier. Er tötet es meist durch den schnellen Aufprall auf den Boden oder mit einem Nackenschlag. Die Falken kommen nach der Jagd zum Besitzer zurück, weil sie wissen: Er sorgt für Nahrung. Deshalb schauen die Beizjäger immer auf das Jagdgewicht ihrer Tiere und wissen so, dass ein Hungergefühl da ist.

Big Brother im Horst

Es ist eine besondere Freundschaft zwischen dem Kernkraftwerk mit seinen mächtigen Betonbauten und dem feingliedrigen Vogeltier. Seit bald 20 Jahren ist der Wanderfalke in Leibstadt ein Thema, seit zwölf Jahren ist der Falkenhorst am Kühlturm auf 96 Metern Höhe die ständige Heimat eines Falkenpärchens.

Jedes Jahr zieht es in luftiger Höhe seine zwei bis vier Jungtiere auf. Immer beobachtet von einer Kamera, die das Geschehen im Wohnzimmer der Raubvögel auf einen Grossbildfernseher des Infozentrums überträgt.

Von weit her kommen Besucherinnen und Besucher, um diese besondere Kinderstube zu schauen, die etwa von Ende Februar bis Ende Mai live auf Sendung ist. «Bei uns im Werk hat es inzwischen richtige Falkenfans», berichtet Ruth Schmid vom KKL-Infozentrum.

Sie erzählt davon, wie ihre Kolleginnen jeweils vor dem Bildschirm sitzen und mitfiebern, bis das Falkenjunge geschlüpft ist. Auch von der Aktion, als ein Jungtier beim Flugtraining ins Wannenwasser des Kühlturms fiel und von den Betriebwächtern trocken geföhnt wurde. Oder davon, wie ein Falke in die Glasscheibe des Infozentrums flog und sich in der Wache von seinen Verletzungen erholen konnte.