Blaues Kreuz
Blaues Kreuz im grünen Bereich

Seit der Umstellung des Suchthilfesystems im Kanton Baselland hat das Blaue Kreuz alle Hände voll zu tun. Die Neuanmeldungen haben sich im Jahr 2008 fast verdoppelt.

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Alkohol

Alkohol

bz Basellandschaftliche Zeitung

Alessandra Paone

Auflösung BfA

Im November 2007 wurden die Basellandschaftlichen Beratungsstellen für Alkohol- und andere Suchtprobleme (BfA) nach 75 Jahren aufgelöst.

Grund: Ende 2006 hatte die Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion den Kantonalen psychiatrischen Diensten den Auftrag erteilt, die Drogenberatung Baselland (DBL) und die BfA zusammenzuführen. Seit Januar 2008 ist die DBL für die von der BfA erbrachten Leistungen zuständig. Sie hat auch einen Teil des Personals übernommen. Der Name der beiden zusammengeführten Beratungsstellen lautet Psychiatrischer Dienst für Abhängigkeitserkrankungen (PDA). (ale)

Im Jahr 2008 stieg die Zahl der Neuanmeldungen beim Blauen Kreuz um 148 auf 336 Klienten. Und: «Die Tendenz hält auch im Jahr 2009 an», sagt der Geschäftsführer Paul Rohrbach. In den vergangenen zehn Jahren habe es pro Jahr immer nur zwischen 170 und 190 Neuanmeldungen gegeben. Der EVP-Landrat führt die Zunahme im Jahr 2008 auf die Schliessung der BfA und der daraus erfolgten Übernahme der Klienten zurück.

Die anhaltend hohen Zahlen im laufenden Jahr erklärt sich Rohrbach hingegen dadurch, dass das Blauen Kreuz die einzige Sucht-Beratungsstelle im Kanton ist - neben dem Psychiatrischen Dienst für Abhängigkeitserkrankungen (PDA). Allerdings ist zu präzisieren, dass das Blaue Kreuz vor allem im Bereich Alkohol spezialisiert ist und am Rande für andere Sucht- und Abhängigkeitsprobleme wie zum Beispiel das Kiffen zuständig ist. Der Bereich der härteren Drogen ist beim PDA angesiedelt.

Ergänzung zum PDA

Senioren trinken mehr als früher

Die Zahl der abstinenten Frauen zwischen 65 und 70 Jahren hat seit 2002 um zehn Prozent abgenommen. Dies geht aus einer im Juni von der Schweizerischen Fachstelle für Alkoholprobleme (SFA) publizierten Statistik hervor. Der zunehmende Alkoholkonsum bei Senioren - nicht nur bei Seniorinnen - sei ein bekanntes Problem, sagt Paul Rohrbach vom Blauen Kreuz Baselland.

Von den sieben beim Blauen Kreuz angebotenen Gruppentherapien konzentrierten sich zwei auf Senioren. Im Jahr 2008 wurden 72 Personen im Alter zwischen 61 und 70 Jahren dem Blauen Kreuz vermittelt oder zugewiesen. Im Vorjahr waren es noch 25 gewesen. Dass ältere Menschen immer häufiger zur Flasche greifen, erklärt sich Rohrbach einerseits durch die demografische Entwicklung, andererseits durch die Vereinzelung der Menschen. «Immer mehr Leute wohnen alleine.»

Aber: Anders als früher, als die Betroffenen zu einer Therapie «regelrecht gezwungen» werden mussten, besuchten die Abhängigen heute gerne die Gruppenangebote, so Rohrbach. Auch dies sei ein Stück weit auf die Vereinzelung zurückzuführen. (ale)

Dass die BfA-Klienten eher zum Blauen Kreuz als zum PDA gewechselt haben, macht Rohrbach nicht unbedingt von einer berechnenden Wahl der Betroffenen abhängig, zumal das Blaue Kreuz im Gegensatz zum PDA nicht von den Krankenkassen anerkannt wird. Der Grund liege vielmehr darin, dass die BfA und das Blaue Kreuz ähnlich organisiert gewesen seien. Ein weiterer Grund sei auch, dass das Blaue Kreuz zwei Mitarbeiter der BfA übernommen hat, die ihre Klienten natürlich gleich mitgenommen haben.

Von einer Konkurrenz zwischen dem Blauen Kreuz und dem PDA will Rohrbach nichts wissen. Im Gegenteil: «Wir arbeiten gut mit dem PDA zusammen und sehen uns als ergänzendes Angebot dazu.»

Zustupf vom Kanton erhalten

Rohrbach ist froh, die Zeit der Integration der BfA in den Kanton ohne Schaden überstanden zu haben. Dies sei nicht zuletzt seinem gut funktionierenden Team zu verdanken. «Ich wusste nicht recht, was auf mich zukommt und hatte auch kaum Zeit zu schauen, wie es beim PDA läuft», erzählt der 60-Jährige.

Für die Übergangszeit hat das Blaue Kreuz im vergangenen Jahr neben den 830 000 Franken, die der Institution gemäss Leistungsvereinbarung mit dem Kanton jährlich zustehen, weitere 60 000 Franken für den Mehraufwand erhalten.