Bischof Koch
Bischof Kurt Koch betont den Wert des guten Hirten

Zahlreiche Priester und Gläubige aus dem ganzen Freiamt erlebten am Montag am Kirchenpatronsfest des heiligen Burkard in Beinwil einen Höhepunkt: Zum ersten Mal hielt Bischof Kurt Koch die Festpredigt. Der heilige Burkard könne uns auch heute noch eine «hilfreiche Wegweisung und Wegbegleitung» sein, sagte Koch.

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Bischof Kurt Koch in Beinwil

Bischof Kurt Koch in Beinwil

Aargauer Zeitung

Jörg Baumann

Schon seit Tagen bereitete sich Beinwil auf den Burkardstag und den Besuch von Bischof Kurt Koch vor. Entsprechend stolz war auch Kirchenpflegepräsidentin Irene Hofstetter. Dass der Bischof an die Geburtstätte des heiligen Burkards komme, sei für die ganze Gemeinde eine grosse Ehre, sagte sie. Es sei schön, dass man in Beinwil die Tradition hochhalte, den Kirchenpatronstag an einem Werktag zu feiern, und diesen noch nicht auf einen Sonntag verlegt habe. In dieser Auffassung bestärkte Vikar Richard Strassmann die Kirchenpflegepräsidentin. Der Vikar freute sich besonders über den ausserordentlich guten Besuch. Die Pfarrkirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Das Vorbild des guten Hirten

Bischof Kurt Koch feierte den vom Kirchenchor Beinwil umrahmten Burkards-Festgottesdienst zusammen mit den Priestern aus dem Dekanat Muri. Er betonte, dass wir «solch gute Hirten» wie den heiligen Burkard auch heute noch nötig hätten. Burkard habe nicht nur das Evangelium in glaubwürdiger Weise verkündet, sagte Bischof Koch, sondern von ihm werde auch überliefert, dass er die Menschen heilen und Krankheiten und böse Geister durch sein Gebet vertreiben konnte.

Deutlich nahm der Bischof jene Materialisten ins Gebet, die den Gottesglauben nur noch als «subjektive Gesinnung» betrachten und meinen, dieser habe für das Verständnis der Welt und von uns Menschen keine Bedeutung mehr. Koch ortete im christlichen Glaubensbewusstsein einen «subtilen neuen Gnostizismus», der laut Kardinal Josef Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., «Gott die Materie wegnimmt», und zwar «trotz aller Lobpreisung der Materie und der menschlichen Leiblichkeit».

Koch sprach von der tiefsten Glaubenskrise, die wir in unseren Breitengraden erleben. Diese bestehe darin, dass man sich einen Gott kaum mehr vorstellen könne, der in der Welt handle und der sich um den einzelnen Menschen kümmere. «Gott mag zwar, wenn es ihn denn geben sollte, den Urknall angestossen haben; mehr aber bleibt ihm nicht in der aufgeklärten Welt von heute», sagte Koch.

Ein so verstandener Gott sei freilich «weder zum Fürchten noch zum Lieben». «Es fehlt die Leidenschaft für Gott.» Diese Leidenschaft könnten wir nur wiedergewinnen, «wenn wir die theologische Sprache der Schöpfung wieder erleben und Gottes Gegenwart auch in der menschlichen Leiblichkeit in der Materie überhaupt ausfindig machen».

Die Medien und ihr Feindbild

Koch kritisierte die Medien - «nicht die Lokalpresse» - für ihre feindselige Haltung gegen das Christentum. In der öffentlichen Meinung werde nicht selten die Behauptung vertreten, das Christentum «und speziell unsere römisch-katholische Kirche» seien an beinahe an allen Übeln der Menschheit schuld: «an der Überbevölkerung, der Aids-Epidemie, kriegerischen Auseinandersetzungen und so genannten fundamentalistischem Verhalten».

Bischof Kurt Koch forderte die Gemeinde Beinwil auf, der die hohe Ehre zukomme, den heiligen Burkard als Patron verehren zu dürfen, für gute Hirten wie Burkard zu beten. Das gelte insbesondere im Jahr der Priester, das der Papst ausgerufen habe. Nach seiner Festpredigt suchte Koch vor der Kirche intensiv das Gespräch mit den Gläubigen.