Bischof Koch feiert Gottesdienst mit Sabo

Der im Herbst beigelegte Konflikt zwischen Kurt Koch und Franz Sabo ist offiziell kein Thema. Kleinlützel hat sich vom Streit noch nicht erholt

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Sabo

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Reto Anklin

Nach jahrelangem Zwist haben sich Bischof Kurt Koch und der Röschenzer Pfarradministrator Franz Sabo letzten September versöhnt. Jetzt kommt Koch am nächsten Sonntag nach Röschenz, um dort die Firmung zu spenden. Am Gottesdienst wirkt als Konzelebrant auch Franz Sabo mit.

Dass der Bischof nun nach Röschenz komme, sei schon etwas Besonderes und auch etwas Wichtiges, sagt Sabo. Als Versöhnungsfeier mag er den Gottesdienst nicht bezeichnen: «Die Versöhnung hat bereits stattgefunden.» Auch die Bevölkerung scheint sich mit Bischof Koch ausgesöhnt zu haben. «Ich habe jedenfalls nichts Nachteiliges gehört, eher im Gegenteil», sagt Sabo.

Auch der Röschenzer Kirchgemeinderat Bernhard Cueni hat aus dem Dorf nichts Negatives zum bischöflichen Besuch vernommen: «Die Leute sind froh, dass Friede eingekehrt ist.» Der Fall Sabo werde beim Besuch des Bischofs offiziell kein Thema sein. Er könnte es höchstens im persönlichen Gespräch zwischen Gläubigen und Kurt Koch sein. Gelegenheit dazu gibt es am Apéro nach der Firmung. Anschliessend geht der Kirchgemeinderat mit Kurt Koch und Franz Sabo zusammen essen.

Versöhnung nach fünf Jahren Streit

Der Konflikt zwischen Franz Sabo und Kurt Koch beginnt 2003, als Franz Sabo in einem Zeitungsartikel die Hierarchie in der Kirche kritisiert und dies auch in der Folge wiederholt tut. Im Februar 2005 droht Bischof Kurt Koch dem Röschenzer Pfarradministrator mit dem Entzug des kirchlichen Auftrags, worauf sich die Kirchgemeinde Röschenz im April 2005 hinter ihren Pfarradministrator stellt. Im Oktober 2005 macht Koch seine Drohung war und entzieht Sabo die Missio Canonica. Sabo hält weiter Gottesdienste, worauf er suspendiert wird. Im Juni 2006 verfügt der Baselbieter Landeskirchenrat die Entlassung Sabos. Röschenz legt Rekurs ein und erhält im September 2007 vom Kantonsgericht Recht. Im Sommer 2008 wird Franz Sabo vom Bischof zu weiteren Gesprächen eingeladen. Sabo lehnt ab, weil er Angst hat, der Bischof wolle damit nur den Missio-Entzug nachträglich legalisieren. Am 29. September 2008 teilen Koch und Sabo überraschend mit, dass sie sich versöhnt hätten.

Anders als Röschenz, leidet Kleinlützel weiter an den Nachwehen des Falls Sabo. Nachdem Sabo 2005 die Missio verliert, entscheidet die Kirchgemeinde, dass Sabo trotzdem weiter als Aushilfe beschäftigt wird. Bischofstreue legen erfolgreich Beschwerde ein gegen den Entscheid. Die Sabo-Anhänger organisieren weiter Gottesdienste, obwohl sich die Gemeindeleiterin Maria Romer quer legt. Als der Kirchenrat im Juli 2008 mit dem Antrag scheitert, Romer zu entlassen, tritt bis auf ein Mitglied der ganze Rat zurück. Im November 2009 tritt auch das letzte Kirchenratsmitglied zurück. Die Kirchgemeinde wird nun von Sachwalter Walter Keller geleitet. (ra)

Am Sonntag werden 15 Jugendliche gefirmt. Darunter befinden sich auch ein paar, die im Mai 2007 statt der Firmung mit Bischof Koch nur einen Segnungsgottesdienst mit Franz Sabo feiern konnten. Eigentlich wollte Koch nämlich bereits im Mai 2007 in Röschenz die Firmung spenden (siehe Kasten), wurde aber damals ausgeladen.

Mehr Arbeit für Franz Sabo

Franz Sabo hat mittlerweile sein Arbeitspensum in der Kirchgemeinde Röschenz von 60 auf 70 Prozent erhöht, nachdem er dieses zwischenzeitlich auf 50 Prozent reduziert hatte. Grund für die Erhöhung sei der Weggang der Katechetin Brigitte Meier, die am letzten Donnerstag verabschiedet wurde, erklärt Cueni. Sabo werde einen Teil ihrer Aufgaben übernehmen.

Auch im Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) des Bistums spielt Franz Sabo eine Rolle. Der PEP will das Laufental in zwei Pastoralräume aufteilen. Sabo würde voraussichtlich mit dem Wahlner Pfarrer Stefan Stadler zusammen die seelsorgerischen Dienste für die Gemeinden Laufen, Wahlen, Brislach, Röschenz, Liesberg, Roggenburg und die Solothurner Gemeinde Kleinlützel übernehmen.

Update

Firmungen sorgten in der Zeit des Konflikts zwischen Kurt Koch und Franz Sabo zwei Mal für Zündstoff. Am 17. Juni 2006 hätte Bischofsvikar Erich Häring die Firmung spenden sollen. Eine Mehrheit der Eltern sprach sich aber gegen Häring aus und forderte einen neutralen Firmspender. Schliesslich einigte man sich auf den Luzerner Domherr Max Hofer.

An der nächsten Firmung, am 19. Mai 2007, wollte Bischof Kurt Koch persönlich in Röschenz die Firmung spenden. Da Kurt Koch nicht wollte, dass Franz Sabo am Gottesdienst mitwirken würde, lehnte die Kirchgemeinde das Angebot ab. Stattdessen fand ein Segnungsgottesdienst mit Franz Sabo statt. Eine eigentliche Firmung gab es nicht. (ra)

Kleinlützel fehlen Kirchenräte

«Entschieden ist aber noch nichts», sagt Bernhard Cueni, der in einer Arbeitsgruppe zum PEP mitarbeitet. Zur Diskussion steht auch der Vorschlag Cuenis, drei statt zwei Pastoralräume zu schaffen. Im Moment sei man daran, die Interessen der Kirchgemeinden auszuloten. Die Pastoralräume würden nicht vor dem Zeitraum 2013 bis 2015 eingerichtet.

Dringlicher sei das Problem mit der Kirchgemeinde Kleinlützel. Dort hat man den Fall Sabo noch nicht verdaut. Die Kirchgemeinde wird von Sachwalter Walter Keller geleitet. Ende letzten Jahres ist auch noch das letzte Mitglied des Kirchenrats gegangen. Die Gemeindeleiterin, Schwester Maria Romer, die stets zu Bischof Koch gehalten hatte, ist zwar auf Ende August zurückgetreten. Trotzdem haben sich bisher keine Kandidaten für den Kirchenrat gemeldet. Die Kirchgemeinderatswahlen vom 17. Mai musste Keller absagen. Einen erneuten Anlauf will er nach den Sommerferien unternehmen.

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