Birmensdorf blickt zurück

Wie sehr sich Birmensdorf über die letzten 75 Jahre verändert hatte, wurde anhand einer speziellen 1.-August-Rede im «Brüelmatt» verdeutlicht: Drei Generationen erinnerten sich.

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Familie Wismer
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Familie Wismer Fredi (Jahrgang 1954)
Familie Wismer Fabian (Jahrgang 1983)

Familie Wismer

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Drei Generationen, drei Geschichten, drei Blickwinkel: So präsentierte sich Birmensdorf dieses Jahr an der Bundesfeier. Es sei sein lange gehegter Wunsch gewesen, für einmal anstelle eines einzelnen 1.-August-Festredners eine ganze Familie mit Vertretern aus drei verschiedenen Generationen zu engagieren, meinte dazu Gemeindepräsident Jakob Gut. Bisher sei ihm das jedoch nie gelungen. Dass es dieses Jahr endlich geklappt habe, mache ihn «äusserst glücklich», so Gut.

Die Familie, die Gut so fröhlich stimmte, heisst Wismer und ist seit Jahrzehnten in der Gemeinde verwurzelt. Anhand von drei verschiedenen Sichtweisen auf Birmensdorf wollten sie aufzeigen, wie sich die Limmattaler Gemeinde über die letzten 75 Jahre verändert hat.

Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, zeigte sich am deutlichsten daran, welche Ereignisse in der Gemeinde die drei Generationen als besonders erwähnenswert erachteten. Während für den Jüngsten, Fabian Wismer, die Einfahrt der ersten

S-Bahn und später die Eröffnung der Westumfahrung besonders einschneidend waren, bezeichnete sein Vater Fredi Wismer die Realisation des Gemeindezentrums Brüelmatt als Meilenstein für Birmensdorf.

Besonders witzig war dann, was noch im Jahr 1953 von Trudi Wismer als «Jahrhundert-Ereignis» betrachtet wurde: die Einweihung der neuen Glocken für die reformierte Kirche. In einem Volksfest seien diese in geschmückten Pferdefuhrwerken durch die Gemeinde gezogen worden.

«Das war eine Attraktion»

Dass sich auch sonst viel verändert hat, wurde schon nach den ersten Worten von Trudi Wismer, Jahrgang 1934, klar. In ihrer Jugendzeit habe das Dorf nur gut 1000 Einwohner gezählt und alle hätten sich mit «grüezi» begrüsst, erzählte sie. Rund 70 Bauernbetriebe hätten existiert, dafür gab es erst etwas später eine Badi: «Zu diesem Zeitpunkt war das eine Attraktion.»

Klein, aber fortschrittlich

Birmensdorf sei zwar damals noch sehr klein gewesen, jedoch trotzdem schon «recht fortschrittlich», fand Trudi Wismer. Schliesslich habe man schon damals einen privaten Kindergarten und zwei Schulhäuser gehabt. Zur Schule mussten die Schüler, welche auch aus Aesch und Uitikon kamen, jedoch zu Fuss oder mit dem Velo - «ohne 21 Gänge», wie Trudi Wismer verschmitzt bemerkte.

Auch zu seiner Jugendzeit sei Birmensdorf noch ein beschauliches Bauerndorf gewesen, meinte Fredi Wismer, Jahrgang 1954, in seinem Teil der Rede. Für Arztbesuche habe man sich morgens um 7 Uhr ins Wartezimmer gesetzt und ausgeharrt, bis man an der Reihe gewesen sei, erinnerte er sich.

Die Gasthäuser seien mit Holzöfen beheizt worden und die Verstorbenen mit von Pferden gezogenen Leichenwagen vom Wohnort zum Friedhof gebracht worden. Danach habe jedoch bald schon der Bauboom eingesetzt, das Dorf sei gewachsen, der Individualverkehr gefördert worden, erzählte Fredi Wismer. Dieser sei jedoch für die Gemeinde als Knotenpunkt verschiedener Strassenverbindungen «von Jahr zu Jahr mehr zur Plage» geworden.

Davon wusste auch Fabian Wismer, Jahrgang 1983, zu erzählen. Die «Landflucht» und die «explosionsartigen Bautätigkeiten» nannte er als Anstoss für eine Entwicklung, welche den grossen Verkehr mit sich brachte. «Eine starke Belastung für unser lebenswertes Dorf», fand der Touristik-Fachmann.

Doch mit der Westumfahrung sei glücklicherweise wieder Ruhe eingekehrt. Nun hoffe er, dass ein intaktes Dorfleben in die lange Zeit so «verkehrsgeplagte» Gemeinde zurückkehre. Und: «Auch wenn sich nicht mehr alle kennen, wäre es schön, es würden wieder alle mit «grüezi» grüssen.»