Birke
Birke wäre auch ohne Sturm umgestürzt

Die Stadt Aarau hat die Haftung für den Zwischenfall übernommen, bei dem am 10. Februar eine Birke auf eine Kinderkartenklasse stürzte. Denn schuld war nicht der Sturm, sondern das morsche Wurzelwerk des Baums.

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Birke in Aarau umgestürzt

Birke in Aarau umgestürzt

Aargauer Zeitung

Es war am 10. Februar, am Tag, als das Sturmtief «Quinten» übers Mittelland zog. Als Kindergärtnerin Katharina Klimatsas mit ihrer Klasse zu Fuss im Aarauer Gönhardquartier unterwegs war, stürzte eine Birke auf die Kindergärtler.

Ein Mädchen erlitt eine Gehirnerschütterung. Ein anderes einen Beinbruch. Die Kindergärtnerin geriet daraufhin in die Kritik, weil sie trotz Sturm mit den Kindern ins Freie gegangen war. Diese hatte sich allerdings darauf berufen, dass es während des Zwischenfalls windstill gewesen sei.

Am Donnerstag nun hat die Stadt Aarau ihre Kindergärtnerin mit einer Medienmitteilung rehabilitiert. Denn heute ist klar, dass der Sturm kaum ursächlich für den Sturz war. Er hat in Aarau auch gar nicht so stark geblasen.

Wurden doch im Zelgli-Quartier Windstärken von lediglich 16 bis 24 km/h gemessen beziehungsweise 32 bis 57 km/h auf dem Dach der Alten Kantonsschule. Dies würde niemals ausreichen, um einen normalen Baum umstürzen zu lassen, erklärt Stadtschreiber Martin Gossweiler.

Pilz hatte Wurzelstock zermürbt

Vielmehr sei die Birke im Wurzelbereich von einem Pilz befallen gewesen, und die dadurch verursachte Holzzersetzung sei schon so weit fortgeschritten gewesen, dass die Birke jederzeit auch ohne Sturm hätte umfallen können. Das hat ein von Klimatsas selbst in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben. Die schwachen Ersatzwurzeln hätten gerade noch knapp den Wasserbedarf des Baums decken können. Eine richtige mechanische Verankerung hätten sie indes nicht dargestellt.

Die Birke stand auf stadteigenem Boden. Deshalb ist auch die Stadt für ihren Zustand verantwortlich. Laut Gossweiler werden die Aarauer Bäume jedes Jahr visuell kontrolliert. Bei der letzten Kontrolle im Sommer 2008 sei der Krankheitsbefall aber noch nicht erkannt worden. «Man kann dieses Problem bei einer normalen Begehung aber auch nicht erkennen», erklärt Gossweiler. Es sei daher möglich, dass man als Konsequenz aus dem Unfall die Bäume künftig genauer anschaue.

Zwischenfall gut verarbeitet

Laut Gossweiler hat derweil die Haftpflichtversicherung der Stadt die Kosten des Zwischenfalls übernommen. Den verletzten Kindern gehe es heute wieder gut. Die Kindergartenklasse habe den Zwischenfall auch dank der Betreuung durch die Kindergärtnerin gut verarbeitet. Auf den Beizug eines Care-Teams habe verzichtet werden können.