bz

Biopower ärgert sich über Stadtgärtnerei

Auf dem Bild ist die Bio-Power-Anlage Nordwestschweiz in Pratteln.

Biopower ärgert sich über Stadtgärtnerei

Auf dem Bild ist die Bio-Power-Anlage Nordwestschweiz in Pratteln.

Die beiden Grüngut-Verarbeiter sind sich derzeit nicht grün: Zwar möchten sie weitgehend das Gleiche. Doch Biopower will so schnell als möglich eine weitere Vergärungsanlage, die Stadtgärtnerei hingegen «im Moment noch nicht».

Daniel Haller

«Die Biopower hat durch das Verhalten der Stadtgärtnerei viel wertvolle Zeit verloren», bestätigt Biopower AG auf ihrer Website eine Recherche von Onlinereports. Grund des Ärgers: «Die Stadtgärtnerei Basel hat ihr Interesse an einer gemeinsamen Grün- / Bioabfall-Verwertungsanlage auf der Kompostierungsanlage der Stadtgärtnerei in Arlesheim verloren.»

«Das stimmt so nicht», betont hingegen Martin Sonderegger, Abteilungsleiter bei der Stadtgärtnerei Basel. «Wir sind sogar sehr interessiert. Aber wir hatten nicht genügend Zeit, die notwendigen Voraussetzungen abzuklären.»

Entscheidung noch nicht reif

Worum gehts? Die Biopower Nordwestschweiz AG schlug 2006 der Stadtgärtnerei Basel-Stadt vor, auf dem Kompostierplatz der Stadtgärtnerei in Arlesheim eine Vergärungsanlage zu bauen, wie sie in Pratteln bereits eine hat. «Der Vorteil läge darin, dass man auf einem vorhandenen Betrieb mit entsprechender Fläche, Fachkräften und eingespielten Abläufen aufbauen könnte», erklärt Biopower-Geschäftsführer Mike Keller. Gemeinsam habe man Varianten studiert sowie Vorprojekt, Kostenvoranschlag und Businessplan ausgearbeitet.

Im Herbst 2009 kam es zum Bruch. Aus Biopower-Sicht will «die Stadtgärtnerei vom Projekt absehen und wie bis anhin weiter kompostieren».

Aus der Perspektive der Stadtgärtnerei hingegen sind einerseits die Eigentumsverhältnisse am Areal in Arlesheim noch nicht ausreichend geklärt. «Zudem macht die Umstellung von Kompostierung auf Vergärung möglicherweise nur Sinn, wenn man in Basel eine Grünabfuhr einrichtet», erklärt Sonderegger. Kompostiert wird bisher vor allem Gartenabfall aus den Basler Grünanlagen. Vergärt würde hingegen alles organische Material, also unter anderem auch Reste aus der Gastronomie, die man ab Juni 2011 nicht mehr den Schweinen verfüttern darf. Eine «Grün»-Abfuhr umfasst also deutlich mehr als Rasenschnitt und Kartoffelschalen aus Privathaushalten.

«Wir wissen noch nicht, wie eine Grünabfuhr logistisch sinnvoll aufgebaut und wie sie finanziert werden soll, denn den ‹Bebbisagg› wollen wir nicht verteuern», erklärt Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umweltschutz und Energie Basel-Stadt. Die Studien seien noch nicht fertig, ob Kompostierung, Vergärung oder wie bisher das Verbrennen organischer Abfälle in der Kehrichtverbrennungsanlage die ökologischste Lösung sei. Für eine Grünabfuhr mit Vergärungsanlage würde sprechen, dass das Volumen des verbrannten Mülls um einen Sechstel abnähme.

Pratteln verdoppeln

Andererseits weist Sonderegger darauf hin, dass in Basel heute Private auf 2800 Plätzen mit Unterstützung der Stadtgärtnerei rund 5000 Tonnen Grünabfall selber kompostieren. «Dies ist ökologisch die sinnvollste Lösung.» Dieser Fleiss der Basler Kompostierer nützt Biopower, an der neben EBL und EBM auch die Basler IWB beteiligt ist, gar nichts: Die Anlagen in Pratteln und Ormalingen sind ausgelastet. Und die Ende Jahr in Betrieb gehende Anlage in Liesberg sei für die Gemeinden im Gebiet der Kelsag. «Wir müssen deshalb dringend neue Kapazitäten schaffen», erklärt Keller, «und selbst eine Lösung suchen.»

Deshalb wolle Biopower nun die Kapazität der Anlage in Pratteln von 15000Tonnen auf 30000Tonnen pro Jahr ausbauen. Dafür laufe eine Anfrage bei der Gemeinde, ob diese das notwendige Land im Baurecht zur Verfügung stellen würde.

In Pratteln rechnet Gemeindepräsident Beat Stingelin damit, dass die Abklärungen zu diesem Gesuch einige Monate in Anspruch nehmen werden. Biopower möchte das Baugesuch im Herbst einreichen. «Und eigentlich wollen wir auch ein gutes Verhältnis zur Stadtgärtnerei», gibt sich Keller versöhnlich.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1