Bildung und Musik verbinden

Gemeinden und Kanton sollen neu gleich viel an die kleinste und grösste Musikschule im Kanton zahlen: Bisher erhielten Huttwil oder das Konservatorium Bern 20 Prozent der Personalkosten vom Kanton und 40 Prozent von den Gemeinden.

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Musikschule in Langenthal.

Musikschule in Langenthal.

Solothurner Zeitung

Samuel Thomi

21000 Schülerinnen und Schüler nehmen derzeit Unterricht an einer der 29 privaten Musikschulen im Kanton. 90 Prozent davon sind unter 20 Jahren – rund ein Drittel wohnt in der Agglomeration Bern. Nachdem sich die bernischen Musikschulen in den letzten bald dreissig Jahren grossenteils ohne einheitliche Vorgaben je nach Prägung der Leiter entwickelten, will der Kanton Auftrag und Kompetenzen nun mit wenigen Grundsätzen in einem neuen Musikschulgesetz regeln. Erziehungsdirektor Bernhard Pulver startete gestern die entsprechende Vernehmlassung. Beispielsweise soll das Recht der 4- bis 25-Jährigen auf Musikschulunterricht neu grundsätzlich im Gesetz geregelt werden.

Ein weiterer Kernpunkt des regierungsrätlichen Gesetzesvorschlags ist es, dass sich Kanton und Gemeinden neu je 30 Prozent der Subventionen teilen. Bisher übernahmen die Gemeinden 40, der Kanton 20 Prozent. Das waren jährlich 20 respektive 10 Millionen Franken. Damit, so Pulver, werde einem Entscheid des Grossen Rates in der Debatte über die Neugestaltung des Finanz- und Lastenausgleichs entsprochen. Im neuen Gesetz soll zudem festgeschrieben werden, dass jede Gemeinde mindestens eine Musikschule bestimmen muss, an die sie Beiträge zahlt; wie bisher kann sie Beiträge an mehrere frei gewählte Institutionen entrichten.

Kein Thema mehr ist die Verstaatlichung der Musikschulen: «Es gibt keinen Grund, private Trägerschaften infrage zu stellen», so Pulver. Diese sollten die Freiheit behalten, ihr Angebot und ihre interne Organisation selber zu wählen. «Dieses Modell hat sich bewährt.» Einzige entsprechende Vorschrift, die aber schon jetzt bestand: Musikschullehrer müssen den Primarstufensalären entsprechend entlöhnt werden. Und erstmals werden verbindliche Ausbildungsziele für den Musikschulunterricht festgelegt. Einzelne Musikschulen unternahmen auf Eigeninitiative hin jedoch bereits Schritte in diese Richtung.

Koordination mit der Volksschule

Noch sei die Zusammenarbeit der 600 Volksschulen im Kanton mit den Musikschulen «nicht wunschgemäss abgestimmt», sagte Max Suter laut Redetext gestern vor den Medien in Bern. «Vieles entsteht eher zufällig und hängt heute sehr vom persönlichen Engagement der Leitungspersonen ab», so der Vorsteher des Amtes für Kindergarten, Volksschule und Beratung (AKVB). Durch die Zusammenführung von Volks- und Musikschulen in seinem Amt liessen sich Synergien besser nutzen. Zum Beispiel Bläserklassen an Realschulen, die von Musikschullehrern geleitet würden, Rhythmiklektionen an Kindergärten, gemeinsame Konzerte oder Theaterproduktionen. Das liege nahe, weil in beiden Institutionen dieselben Kinder unterrichtet würden.

Zum Vernehmlassungsentwurf will sich Armin Bachmann von der Musikschule Burgdorf auf Anfrage noch nicht im Detail äussern. Er will ihn zuerst studieren und intern Rücksprache nehmen. Sein Langenthaler Amtskollege Rainer Walker dagegen sagt: «Der Gesetzesentwurf verspricht, ein paar Unklarheiten zu beseitigen», zum Beispiel in Bezug auf das Verständnis der Musikschulen innerhalb des Kantons. Als «heiklen Punkt» nennt er, dass sich Gemeinden künftig für Musikschulen aussprechen müssen bzw. im Gegenzug mit dem Entzug von Beiträgen auch mehr Einfluss nehmen könnten. So würden die Gemeinden jedoch auch besser in die Pflicht genommen.

Der Entwurf ist bis 7. Juni in der Vernehmlassung. Läuft alles nach Plan, tritt das neue Musikschulgesetz am 1. Januar 2012 in Kraft.

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