Die Rettungskräfte mit dem verunglückten Forscher in der bayrischen Riesending-Schachthöhle haben am Montag das Biwaklager 3 in rund 700 Metern Tiefe erreicht. Dort wird der Trupp mehrere Stunden rasten, um dem Patienten Zeit für Erholung zu geben.

Das teilte die Bergwacht am Morgen mit. Gegen Nachmittag oder Abend sei geplant, den Transport an die Oberfläche fortzusetzen. Die Gruppe war zum Biwak 3 neun Stunden unterwegs. Ursprünglich waren die Retter davon ausgegangen, dass der Weg über senkrechte, glatt geschliffene und glitschige Wände bis zu zwei Tage dauern könnte.

Die Einsatzkräfte bewegen den 52-jährigen Johann Westhauser auf einer Trage durch die schwer zugängliche Höhle, die unter anderem aus steil abfallenden Schächten und unwegsamen unterirdischen Canyons besteht.

Über die Steilwände mussten sie ihn hochziehen. Teils arbeiten die Helfer mit einem Flaschenzug, vor allem aber mit einem Pendelzug, bei dem sich andere Höhlenkletterer als Gegengewicht die Wand hinunterlassen.

Seit ihrem Start am Unglücksort in rund 1000 Metern Tiefe hat das Team 300 Höhenmeter erklommen. Im nächsten Abschnitt müssen die Helfer Steilwände überwinden, die 200 Meter grösstenteils fast senkrecht aufragen.

Der Zustand des Forschers sei unverändert stabil, teilte die Bergwacht mit. Er befindet sich bereits seit mehr als einer Woche unter Tage.

(Quelle: Youtube / ARD Mittagsmagazin)

Riesending-Schachthöhle: Erst Bilder von der Rettungsaktion

Extreme Leistung

Höhlenrettungsexperten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien wurden zusammengezogen, um den Verletzten in einer logistisch extrem aufwändigen Rettungsaktion aus der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands zu befreien.

Die Bergung gilt aufgrund der schwierigen Verhältnisse als extreme Leistung. Selbst erfahrenen Spezialisten verlangt die Höhle laut Bergwacht alles ab. Um die Bergung vorzubereiten, hatten die Retter in tagelangen Vorarbeiten fünf Biwakstationen auf unterschiedlichen Höhlen-Ebenen eingerichtet und den Transportweg mit Kletter- und Seilhilfen gesichert.

Dutzende Retter befinden sich in der Höhle, viele von ihnen ebenfalls bereits seit Tagen. In der Nacht zum Montag trafen der Bergwacht zufolge weitere 20 Helfer aus Italien an dem Unglücksort am Untersberg nahe Berchtesgaden ein. Zudem waren 25 Experten aus Kroatien auf dem Weg.

"Niemand trifft Schuld"

Westhauser gehörte zu den Entdeckern der Riesending-Höhle. Am Sonntag vor einer Woche hatte ein Steinschlag Westhauser und zwei weitere Forscher in 1000 Metern Tiefe überrascht. Der erfahrene Höhlengänger wurde von einem Brocken am Kopf getroffen und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma.

Bei dem Unfall treffe niemanden die Schuld, sagte Westhausers Frau der "Bild"-Zeitung am Montag. "Johann und seine Begleiter können sich blind aufeinander verlassen. Es sind extrem erfahrene Höhlenforscher. Alle Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen. Alle sind topfit. Und trotzdem bleibt ein Restrisiko."

Westhauser, der selbst auch zum Höhlenretter ausgebildet ist, arbeitet am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie.