Blaggedde
Big Business mit der Blaggedde

Der Strassenverkauf der neuen Basler Fasnachtsplaketten ist am Samstagmorgen eröffnet worden. Bei den meisten Fasnachtscliquen ist der Verkauf der «Blaggedden» die Haupteinnahmequelle.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Von Bojan Stula

Bei den ganz raffinierten Verkäuferinnen und Verkäufern gab es einen Glühwein umsonst dazu. Andere bauten richtige Marktstände auf; etwa in der Freien Strasse. Am häufigsten trat jedoch die Gattung der mobilen Händlerschar auf - vom Barfüsserplatz bis hin zu den Aussenquartieren und Gemeinden der Region Basel. Seit gestern sind sie wieder unterwegs, die Verkäuferinnen und Verkäufer der neuen Basler Fasnachtsplaketten 2010. Bis zum Morgestraich am 22.Februar werden Hunderte von ihnen ihre Preziosen abzusetzen versuchen.

Um 7 Uhr früh eröffneten gestern Morgen Vertreter des Fasnachtscomités im Schmiedenhof die Plakettenabgabe an die Cliquen. Vorbestellungen gab es dabei keine. Vertreter der verschiedenen Fasnachtseinheiten, die nach einem bestimmten Zeitplan aufgeboten wurden, nannten einfach die benötigte Anzahl der kupfernen, silbernen und goldenen Abzeichen und bekamen diese gegen Rechnung ausgehändigt. Welche Clique wie viele Plaketten bezieht, hängt ganz von den Erfahrungswerten der Vorjahre und Anzahl williger Verkäuferinnen und Verkäufer ab. Manche kalkulieren dabei bewusst vorsichtig. Ein Rückgaberecht nicht abgesetzter Plaketten gibt es nämlich nicht. Der Plakettenverkauf kann also - wenn es mal ganz dumm läuft - auch ein Verlustgeschäft werden.

Das dürfte jedoch eher die Ausnahme sein. Der Plakettenverkauf gilt bei den meisten Cliquen als todsichere Einnahmequelle, und dies gleich im doppelten Sinn. Zum einen können die Cliquen rund 30 Prozent des Verkaufsumsatzes für sich behalten, zum anderen erhalten sie vom Comité Subventionen, deren Topf ebenfalls zum grössten Teil aus dem Plakettenverkauf gespiesen wird.

Offizielle Zahlen sind in diesem Zusammenhang allerdings ein Tabuthema; sowohl was den Umsatz als auch die Auflage der jährlichen Plakettenkollektion angeht. Deshalb möchte auch André Debrunner, langjähriger Obmann der Optimischte-Clique, nicht allzu sehr ins Detail gehen: «Der Plakettenverkauf macht rund 10 Prozent unserer jährlichen Einnahmen aus, die Subventionen weitere 30.» Wie viel das genau ist, möchte Debrunner nicht sagen. Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr ist nämlich Mitglied der Optimischte und wacht jeweils wie ein Sperber über Diskretion in Fragen der Fasnachtsfinanzen.

Nur bei wenigen Cliquen ist der Plakettenverkauf für alle Mitglieder obligatorisch. Bei den Optimischte werden die fünf Top-Verkäufer jeweils am Bummel mit einem Sachpreis ausgezeichnet, was einen genügend grossen Anreiz darstellt, damit sich genügend Verkäuferinnen und Verkäufer zur Verfügung stellen. Wer also gestern in der Basler Innerstadt seine Plaketten bei dieser Affenkälte lauthals anbot, dürfte dies in der Regel aus eigenem Antrieb getan haben.

Übrigens können Basler Fasnachtsplaketten inzwischen auch im Internet gekauft oder ersteigert werden. Auf der Auktionsplattform ricardo.ch fanden sich gestern bereits 98 Anbieter. Doch welcher rechte Basler Fasnächtler tut das schon?