Flucht ohne Ende
Bieler Parlament musste unter Polizeischutz ihre Sitzung abhalten

Die Kantonspolizei Bern hat am Donnerstag in Biel damit begonnen, das Haus von Peter K. zu räumen. Vom 67- Jährigen fehlt nach wie vor jede Spur, wie die Polizei vor den Medien mitteilte.

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«Wir setzen unsere Anstrengungen fort», betonte der bernische Polizeikommandant Stefan Blättler. Alle beschlagnahmten Gegenstände würden minutiös untersucht. Die Fahndung nach dem Rentner würde fortgesetzt mit dem Ziel, weitere Personengefährdungen zu vermeiden.

Nicht bestätigen wollte Blättler einen Medienbericht, wonach der flüchtige Rentner schon seit 2007 im Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben war. Er dementierte aber die Meldung, im Ripol sei beim Rentner der Hinweis «Warnung - bewaffnet» vermerkt gewesen.

Polizeidirektor verteidigt Einsatzkräfte

Im Fall des flüchtigen Bieler Rentners werden immer mehr auch die Behörden kritisiert. Den zuständigen Justiz- und Sozialorganen wird vorgeworfen, sie seien schlecht vernetzt gewesen, hätten jahrelang Alarmsignale ignoriert und so die Eskalation des Falls begünstigt.

Die Polizei muss sich dafür rechtfertigen, dass sie den Mann trotz achttägigem Grosseinsatz bislang nicht fassen konnte. Ausserdem werden ihr Pannen zur Last gelegt. So war zunächst ein Fahndungsfoto mit dem Abbild des toten Vaters des Flüchtigen in Umlauf gebracht worden. Der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser wehrte sich am Donnerstag gegen die wachsende Kritik und stärkte der Polizei den Rücken.

Kein TV-Krimi

Inzwischen gebe es in diesem Fall landesweit «hunderttausende von Fachleuten», sagte Käser vor den Medien. Doch dies hier sei «kein TV-Krimi, der nach 50 Minuten gelöst ist». Die Öffentlichkeit wundere sich zwar, dass mehrere Behördenstellen Informationen über den eigenbrötlerischen Rentner gehabt hätten und es trotzdem zur Eskalation gekommen sei.

Doch «wir haben eine offene Gesellschaft, die grossen Wert auf den Datenschutz legt», betonte Käser. «Wir kennen den gläsernen Bürger nicht». Die Informationen würden nicht automatisch ausgetauscht, und sie gelangten auch nicht automatisch an die Polizei. Deshalb sei das Dispositiv, das die Polizei letzte Woche zum Beginn des Einsatzes getroffen habe, nach derzeitiger Einschätzung angemessen gewesen.

Alarmsignale

Nach übereinstimmender Darstellung mehrerer Medien lagen schon 2006, als der Rentner mit seiner Schwester über das Erbe stritt, genügend alarmierende Hinweise über den labilen Zustand des Mannes vor. Jahrelang soll er kleinere Konflikte mit verschiedenen Amtsstellen ausgetragen haben.

Käser äusserte sich auch zum Umstand, dass der Rentner nach den Schüssen auf einen Polizisten flüchten konnte. Nach dem Zwischenfall habe die Kameradenhilfe Vorrang gehabt, und diese habe Kräfte gebunden.
Stadtrat tagt unter Polizeischutz

Der Bieler Stadtrat hat am Donnerstagabend unter Polizeischutz getagt. Beamte in Zivil positionierten sich um und im Gebäude. Eingangskontrollen gab es jedoch keine. Der Entscheid, die Sitzung des Stadtrates abzuhalten, sei nach Absprache mit der Kantonspolizei Bern gefallen, erklärte Stadtratspräsident Thomas Lachat den Parlamentariern.
Polizisten in Zivil haben am Donnerstagabend auch die Eröffnung des Festival du Film Français d'Helvétie (FFFH) überwacht.