Kleinbrauer
Bi eus isch Hopfe und Malz nit verlore

Feldschlösschen, Warteck oder Unser Bier tragen zwar einen grossen Namen – aber unzählige Kleinbrauer aus dem Baselbiet bieten ihnen die Stirn.

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Kleinbrauer
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naturtrübes Bier Natürlich: Martin Klotz produziert in der Alten Brennerei in Nuglar naturtrübes Bier.
Thomas Steinegger Strikt: Thomas Steinegger aus Grellingen benutzt keine Aromastoffe für seine Biere.
Angler Brauerei Zielstrebig: Jörg Knecht möchte in seiner Angler Brauerei mehr Bier produzieren.

Kleinbrauer

bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

Wer kennt das nicht: Hochsommer, 30 Grad draussen, 35 im Büro, viel Arbeit auf dem Tisch, die Hitze schlägt auf die Produktivität, man kämpft gegen den Sekundenschlaf. Plötzlich bekommt man Sehnsucht - Sehnsucht nach einer erfrischenden Feierabend-Stange. Feldschlösschen, Ziegelhof, Warteck, Unser Bier oder Ueli Bier sind die häufigsten Namen auf der Flaschenetikette, die in Basler und Baselbieter Beizen über den Tisch gehen.

Aber nicht nur diese jedem Bierkenner bekannten Namen haben schmackhaftes Bier - mit viel Herzblut stellen unzählige Hobbybrauer im Baselbiet sowie im Schwarzbubenland das kühle Malzgetränk her. Nur: Dass sie es tun, wissen nicht viele.

Einer von vielen Nordwestschweizer Kleinbrauern ist etwa Martin Klotz aus Nuglar. Er braut erst seit anderthalb Jahren in der Alten Brennerei und stellt mittlerweile vier Sorten seiner Hausmarke «Schwarzbueb» her: ein Kölsch, ein Weizen, den Süesse Bock und Stout, ein irisches Schwarzbier. «Ich produziere pro Woche ungefähr 100 Liter.» Und das nicht etwa in einer schon immer dagewesenen Brauerei: «Ich habe die Brauerei nicht ab Stange gekauft, sondern selber gebaut.

Auch die Anlage habe ich meiner Vorstellung nach aus Waschzubern konstruiert», erzählt er stolz. Und genau nach dieser Einstellung kreiert er sein Bier: «Ich entscheide selber, welches Bier ich mache. Ich höre nicht auf die Kundschaft.» Ausserdem sei es immer eine Frage der Reife der Zutaten, wie das Bier am Schluss schmeckt. Und: «Auch das Wetter und selbst der Mond spielen eine Rolle.»

Wenn der Durst einen Ausflügler nach Himmelried zieht, kommt er am Chastelbach Bräu des Ehepaars Gilbert und Silvia Oberson nicht vorbei. Im ehemaligen Milch- und heutigen Bierhüsli packte den Hausherrn vor drei Jahren die Faszination am Brauen und er kreierte sein Hausbier «Guggispez». In der höchstgelegenen Kleinbrauerei der Nordwestschweiz wird aber nicht nur Bier getrunken.

Die Obersons stellen mit ihrem Selbstgebrauten auch leckere Speisen her: «Wir stellen Biertruffes und Biergelee, eine Art Konfitüre, her.» Ebenso stehen nach Wunsch Bierfondue-Abende auf dem Programm. Obersons Ziel für die Zukunft: «Während einer Reise in Deutschland haben meine Frau und ich beobachtet, wie Wirte mit Bier kochen.» Seither wollen sie es selber ausprobieren.

Brauer Oberson kann sich vorstellen, einmal von der Bierproduktion zu leben, aber die geplante Menge für das Jahr 2009 «gleicht mit nur 8500 Litern einem warmen Wind im Vergleich zu den grossen Märkten wie Feldschlösschen.» Vorerst verkauft Gilbert Oberson im Sommer neben dem «Guggispez» sein helles «Hübelispez» und im Herbst sein malzhaltiges, dunkles «Änetbächler». Im Restaurant «Zur Brücke» in Grellingen bietet der Wirt gar Obersons Chastelbach Bier im frischen Offenausschank an.

Auf Grellinger Boden produziert Physiker Thomas Steinegger seit Juli 2007 das «Steinegger Bräu». Er hat fünf Sorten im Angebot, die in zahlreichen Läden erhältlich sind. «Je mehr Sorten, desto mehr Kunden», ist sein Motto. Den grössten Fisch hat Steinegger mit dem Kunden Cargo Bar in Basel an Land gezogen: Der Bar am Rheinufer neben der Johanniterbrücke liefert er nämlich mit seinem naturblonden «Cargo Export» deren Hausbier. Ansonsten bekommt er immer wieder Anfragen für private Feste.

Steinegger steht alleine in der Brauerei. «Es muss sich ja lohnen», lacht er. Im Sommer könne er sogar von dem Ertrag seines Biers leben. Der Charakter des Getränkes liege in der Vielfalt: «Ich benutze mehr Bierhefen als andere Brauereien.» Ausserdem orientiere er sich an den ursprünglichen Bieren: «Ich stelle meine Biere nach dem Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 her. Demnach verwende ich nur Malz, Wasser, Hopfen und Hefe. Zusätze wie Aromastoffe gibt es in meinem Haus nicht.»

Jörg Knecht sorgt mit seinem Angler Bräu in Münchenstein für angenehme Erfrischung nach einem heissen Arbeitstag - und das schon seit 10 Jahren. Seine kleine Brauerei ist sogar im Handelsregister eingetragen. Klein möchte er aber nicht bleiben. Der Bierliebhaber hat sich ein Ziel gesteckt: «Jetzt verkaufe ich rund 3500 Liter im Jahr. Eines Tages sollen es 6000 werden.»

Die Idee der Gründung einer eigenen Brauerei entstand im Jahr 1999 zusammen mit einem Freund im Restaurant Fischerstube in Basel. Heute produziert er alleine, denn: « Partnerschaften klappen nicht immer.» Er benutzt keine Rezepte, sondern hat eigene Mixturen ausprobiert. Aber auch nach dem Reinheitsgebot: «Alles andere wäre Stilbruch.»

Nuglar soll zum Ausflugsort werden, war Martin Klotz' primäre Überlegung, als er 2007 anfing in der Pension zur Alten Brennerei ein eigenes Bier zu brauen. «Ich habe mir überlegt, was die Leute nach Nuglar ziehen wird. Ich dachte, ein Bier aus der Region wäre das ideale Angebot.» Ähnlich dachten auch die Obersons: «Wir wollen mit regionalen Produkten das Dorfleben in Himmelried wiederbeleben.» Der Regierunsgrat spreche immer vom Schwarzbubenland als Naherholungszone.

«Wir benutzen unsere regionalen Produkte, um für die Region zu werben.» Was bei den Kleinbrauereien auffällt, ist, dass man ihre Stangen in Restaurants nicht weit über die Dorfgrenze hinaus bestellen kann, und ihre Bierflaschen beinahe nur in ihren Dorfläden erhältlich sind.

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