Jürg Krebs

Die Eröffnung der Westumfahrung im Mai hat die Stadt Zürich vom Verkehr entlastet. Auf der Westtangente wurden seither bis zu 37 Prozent weniger Fahrzeuge gezählt. Welche Auswirkungen die neue Autobahn auf die Limmattaler Gemeinden hat, ist hingegen nicht bekannt. Obwohl für Zürich Zahlen vorliegen, hält der Regierungsrat fest: «Bei Inbetriebnahme grosser Strasseninfrastrukturen stellt sich das Verkehrsgleichgewicht in der Regel erst nach Monaten ein. Statistisch zuverlässige Aussagen zu Veränderungen der Verkehrsströme durch die Inbetriebnahme der Westumfahrung sind daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.» Unter der Leitung des Kantons Zürich werde die Situation im Limmattal aber beobachtet. Verlässliche Daten seien voraussichtlich Mitte 2010 verfügbar.

Der Regierungsrat reagiert damit auf eine Anfrage des Dietiker CVP-Kantonsrats Josef Wiederkehr vom Juli. Dieser sprach aus, was viele im Limmattal befürchten: Dass sich der Mehrverkehr durch die Gemeinden zwängt. Dies als Ausweichmöglichkeit für Fahrzeuglenker, die den Stau beim chronisch verstopften Gubristtunnel meiden möchten. Tatsächlich hat zum Beispiel Weiningen subjektiv mehr Verkehr festgestellt, weil Autofahrer nun den Weg über den Weininger wählen.

Der Kanton betreibt im Limmattal drei periodische Messstellen, die in dieser Frage gemäss Regierungsrat relevant sind. Im ersten Halbjahr 2009 weisen zwei von ihnen aber keine Zunahme, sondern eine Abnahme des Verkehrs aus: jene in Dietikon um 1,7 Prozent, jene in Unterengstringen um 2,1 Prozent. Grund können übliche Schwankungen sein. Trotzdem: Das Bundesamt für Strassen und der Regierungsrat gehen davon aus, dass die Verkehrsauswirkungen im Limmattal im Bereich von wenigen Prozenten liegen.

5 Prozent Mehrverkehr auf A1

Anders die Situation auf der Autobahn: Die Nordumfahrung zeigt seit Mai ein Plus von 5 Prozent. Pro Tag passierten rund 105 000 Fahrzeuge den Gubristtunnel. Dessen Kapazität ist auf 90 000 Fahrzeuge ausgelegt. Die Folge sind ständige Staus. Vielleicht, so der Regierungsrat, vermittle der Stau auf der A1 den Eindruck von Mehrverkehr in der Region. Der Regierungsrat anerkennt, dass gewisse Ortschaften im Limmattal unter hohem Verkehrsaufkommen leiden. Der Ausbau der Nordumfahrung inklusive flankierenden Massnahmen könne Abhilfe schaffen, aber auch die SBB-Durchmesserlinie und die Limmattalbahn.

Josef Wiederkehr ist wegen der wenig detaillierten Antwort des Regierungsrats mässig zufrieden. Immerhin anerkenne dieser den Handlungsbedarf.