Jörg Meier

HEUTE IST DER 9. 9. 09. Ein klassisches Schnapszahldatum. Scharenweise stürmen heiratswillige Paare die Standesämter. Würde man meinen. Doch dem ist nicht so. Der erwartete Andrang bleibt aus. Das ist seltsam. Die letzte Schnapszahl, der 8. 8. 08, löste einen noch nie dagewesenen Hochbetrieb aus; die Standesämter mussten mit zusätzlichem Personal Sonderschichten einlegen. Und nun dies. So ein schönes Datum und es wird so schlecht genutzt.

DA FRAGT MAN sich natürlich sofort, woran das liegen mag. Die Experten sind sich nicht einig. Die einen führen ganz praktische Argumente ins Feld. Der 9. September ist ein Mittwoch. Das ist kein guter Hochzeitstag, so mitten in der Woche. Freitag wäre schon viel besser. Und: Der September ist kein klassischer Heiratsmonat. Nur schon wegen der Flitterwochen. Da ist der Sommer doch besser geeignet. Ein Statistiker hat zudem herausgefunden, dass Schnapszahl-Hochzeiten nicht immer Glück bringen. Denn diese Ehen werden genau so häufig geschieden wie andere. In einzelnen Regionen gar noch leicht häufiger. Auch die Krise muss wieder als Argument herhalten.

ABER DIESE ARGUMENTE greifen alle zu kurz. Die wahren Gründe für die allgemeine Heiratsverweigerung zur Schnapszahl liegen tiefer. Sie liegen so tief, dass sie wissenschaftlich ergründet werden müssen. Zum Beispiel mit einer Nationalfondsstudie. Denn vielleicht verbirgt sich hinter dieser oberflächlichen Abkehr vom Schnapszahldatum etwas Grundsätzlicheres, das wir noch gar nicht so recht zu erkennen mögen. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist das alles nur Zufall. Jedenfalls sollten wir aufmerksam bleiben. Und abwarten, was der 10. 10. 10 uns bringt.

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