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Beulen erst im Frühling reparieren

Mit dem Schnee und der in einigen Gemeinden schon drohenden Salzknappheit häufen sich auch die Verkehrsunfälle. Die Autospengler in der Region müssen derzeit aber keine Überstunden schieben.

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Beulen erst im Frühling reparieren

Beulen erst im Frühling reparieren

Dino Nodari

Schnell ist ein Unfall passiert. Etwas zu viel auf dem Tacho und dazu Schnee und Eis auf den Strassen und schon können Autofahrten in Strassenlaternen oder anderen Autos enden. Wer nun denkt, dass sich die Karosseriespengler die Hände reiben und sich kaum mehr vor Arbeit retten können, irrt sich. Überstunden müssen die Autospengler in der Region keine leisten. «Die meisten Kunden warten bei kleineren Schäden und Beulen, bis sie im Frühling ohnehin die Pneus wechseln müssen», erklärt Stefan Brunner vom gleichnamigen Karosserie- und Spritzwerkunternehmen in Zufikon. Diese Beobachtung teilen auch seine Berufskollegen Hansruedi Neeser aus Wohlen und Robert Schöpfer aus Muri.

Schäden an Front und Heck

Zu den Hauptschäden gehören im Moment Karosserieschäden an Front und Heck. Derzeit steht zum Beispiel ein Mercedes in der Wohler Werkstatt von Hansruedi Neeser. Die Front des Fahrzeugs ist etwas beschädigt. «Dabei handelt es sich aber um einen Parkunfall, der nichts mit der Witterung zu tun hat», meint Neeser. Durch solche Unfälle sei die Werkstatt gut ausgelastet, aber eben nicht so stark wie in den Frühlingsmonaten.

Durch elektronische Fahrhilfen in den Fahrzeugen und bessere Pneus hätten sich die Blechschäden in den letzten Jahren merklich reduziert, sagt Stefan Brunner. Heute gebe es dafür viel mehr Totalschäden. Das bestätigt auch Hansruedi Neeser: «Noch vor 20 Jahren wussten wir, wenn es schneit, dann haben wir viel zu tun.» Heute sei das vielleicht noch beim ersten Schneefall so, aber die Leute würden sich schnell an die neuen Umstände gewöhnen, meint Stefan Brunner. Ohnehin würde in den Wintermonaten nur dann ins Auto gestiegen, wenn es unbedingt nötig sei. Und viele Leute würden an besonders schneereichen Tagen auch auf den öffentlichen Verkehr umsteigen und gänzlich auf das eigene Fahrzeug verzichten.

Wirtschaftskrise spürbar

In den Wintermonaten sind Stossdämpfer und Scheinwerfer die typischen Schäden, die sofort in der Autospenglerei behoben werden. Wenn das Auto aber noch fahrtüchtig ist, wird auf eine Reparatur verzichtet. Auch Robert Schöpfer weiss, dass die Kunden vermehrt auf den Frühling warten, um kleinere Beulen reparieren zu lassen. «Im Sommer läuft es in unserem Geschäft bald besser als im Winter.» Der Geschäftsführer einer Karosseriewerkstatt in Muri hat aber Verständnis für dieses Verhalten. Auch die Wirtschaftskrise habe dazu beigetragen, dass die Leute mit einer Reparatur abwarteten. Er sehe heute viel mehr Fahrzeuge, die verbeult oder mit einer nicht richtig lackierten Tür herumfahren, meint Robert Schöpfer. Nicht zuletzt habe auch die Schadensteuerung der Versicherungen und Leasinggesellschaften einen Einfluss auf die Arbeit. Heute seien viele Kunden durch Verträge an eine bestimmte Karosseriewerkstatt gebunden und könnten kaum mehr frei entscheiden.

Zusätzliche Angebote

Um die so entgangenen Aufträge und das Zuwarten der Kunden auffangen zu können, weiten die Karosseriebetriebe ihre Angebote aus. In den Wintermonaten werden vermehrt auch Brandlöcher in Ledersitzen repariert oder Scheiben getönt, bestätigt Robert Schöpfer.