Kassier
Betrug! Der Kassier griff zu tief in die Kasse

Weil er als selbstständiger Bauführer in finanzielle Not geraten war, hatte er jahrelang in die Kasse seines Vereins gegriffen. Seine damalige Frau half mit, Belege zu fälschen. Jetzt wurde er vom Bezirksgericht Aarau verurteilt.

Merken
Drucken
Teilen
Kasse

Kasse

Keystone

Deborah Balmer

Der Angeklagte schüttelt den Kopf. Er wisse wirklich nicht mehr, wie viel Geld er schon aus der Vereinskasse gestohlen habe, als er Ende 2005 seine Frau in den Diebstahl einweihte. «Ich war immer im Glauben, dass ich das Geld irgendwann wieder zurückzahlen kann», so der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Aarau.

Wegen mehrfacher Veruntreuung und Urkundenfälschung verurteilte das Gericht den heute 44-jährigen Vereinskassier am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 2100 Franken und einer zwölfmonatigen Freiheitsstrafe - beides bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren.

Ebenfalls angeklagt war seine damalige Frau: Als diese vom Betrug ihres Mannes erfuhr, forderte sie ihn nicht etwa dazu auf, reinen Tisch zu machen, sondern half ihm dabei, Belege zu fälschen. «Ich war selber erstaunt, wie einfach das ging», sagte sie gegenüber Gerichtspräsident Thomas Müller. Und ergänzte: «Leider - sicher wäre es besser gewesen, wenn schon damals alles aufgeflogen wäre.» Die gefälschten Belege habe man jeweils dem Rechnungsrevisor vorgelegt: «Gemerkt hat es keiner.»

Angst, Kunden zu betreiben

Mehr als 130000 Franken hat der Angeklagte mithilfe seiner Ex-Frau aus der Kasse eines Vereins von ehemaligen Schülern gestohlen, wo er Kassier war. Bezogen hat er das Geld über das Postcheck-Konto des Vereins: Hier mal einen Barbezug von 500 Franken, da mal eine Bezahlung von 100 Franken in einer Garage oder einer Landi. So läpperte sich am Ende eine schöne Stange Geld zusammen. Noch heute bestehen Schulden zwischen 60000 und 70000 Franken. Ihr Ex-Mann, erzählt sie, sei immer äusserst geschäftstüchtig gewesen - irgendwann habe der gelernte Polier beschlossen, sich als Bauführer selbstständig zu machen.

Was denn der Grund gewesen sei für den Betrug, will der Gerichtspräsident Thomas Müller vom Angeklagten wissen. Schliesslich habe der Angeklagte die Vereinskasse vorher fast zehn Jahre lang betreut, «ohne reinzulangen». Er habe Rechnungen nicht mehr begleichen können und Mahnungen erhalten, erinnert sich der Angeklagte. So weit gekommen ist es, weil ihrerseits Kunden des Angeklagten die Rechnungen nicht mehr bezahlt hatten. «Ich hatte damals sogar Angst, meine Kunden zu betreiben, denn sonst wären ja die Aufträge weggefallen», so der Mann, der in der Ostschweiz aufgewachsen ist.

Immer wieder beteuert der Angeklagte: «Ich hoffte, es vertuschen zu können, wenn das Geld wieder fliesst.»

2007 ist dann alles aufgeflogen: Nicht etwa weil das Paar beschlossen hätte, die Konsequenzen zu tragen, sondern weil der Verein irgendwann die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte: Der Vereinspräsident hatte auf der Bank angerufen und mit Schrecken festgestellt: Der Kontostand stimmt mit der offiziellen Buchhaltung nicht überein.