HAllwilersee

Bestattungen am Hallwilersee

Die Angehörigen entscheiden über Bestattungen im Wasser

Bestattungen

Die Angehörigen entscheiden über Bestattungen im Wasser

Erde zu Erde und Asche zu Wasser: Hallwilersee Beisetzungen, bei denen die Asche in den See gestreut wird, ist erlaubt, aber nur selten gefragt. Dennoch: Dignitas vermutet ein gewerbemässiger Betrieb von Bestattungen am Hallwilersee.


PETER SIEGRIST
Im September stachen fünf Segelboote in den Hallwilersee. Mit an Bord die Urne mit der Asche eines passionierten Seglers, der an einer schweren Krankheit verstorben war. «Es war seit 20 Jahren sein Anliegen, dass seine Asche einst in den See gestreut wird», sagt seine Schwester, «in seinen letzten Tagen hat mich mein Bruder darum gebeten, ihm diesen innigen Wunsch zu erfüllen.» Ihr Bruder war am See aufgewachsen, besass lange Zeit ein Floss und kreuzte häufig mit dem Segelschiff auf dem Wasser.


Die Schwester erzählt, wie die fünf Boote in der Seemitte miteinander vertäut wurden. Viele Segelfreunde und Bekannte ihres Bruders seien auf dem See gewesen. Das Beisetzungsritual im strömenden Regen habe alle tief berührt. Nach einem Böllerschuss habe sie die Abschiedsworte gesprochen und mit den Worten «Erde zu Erde, Staub zu Staub und Asche zu Wasser» die Asche des Verstorbenen ins Wasser gestreut. «Es folgte eine Gedenkminute, dann lösten wir die Schiffe und fuhren still zurück.» Die Schwester des Verstorbenen wohnt heute in der Westschweiz. Auch für sie ist der See ein Stück Heimat, sie bereut es heute nicht, dass es kein Grab gibt für ihren Bruder.

Besuch am Grab für viele wichtig
Der reformierte Pfarrer von Seengen, David Lentzsch, hat schon Anfragen erhalten, Aschenbeisetzungen auf dem See zu leiten. «Ist eine diskrete Abschiedsfeier in würdigem Rahmen möglich, würde ich dazu Hand bieten», sagt der Theologe. Wenn Angehörige ihm gegenüber dieses Anliegen äussern, weist er sie darauf hin, auch an sich zu denken: Stimmt die Art von Abschied auch für die Angehörigen? «Ich gebe den Trauernden jeweils den Rat, diejenige Form von Abschied und Begräbnis zu wählen, die sie für richtig halten.» Für viele Angehörige werde der Besuch des Grabes ganz wichtig bei der Trauerarbeit. «Und das fehlt halt, wenn die Asche dem See übergeben wird.»

Lentzsch hat erlebt, wie eine Trauerfamilie Vorbehalte hatte gegenüber dem Wunsch des Verstorbenen nach einer Beisetzung im See. Die Familie habe sich dann für eine Beisetzung auf dem Friedhof entschieden. Später habe die Witwe gesagt, wie dankbar sie für den damaligen Denkanstoss sei. Im reformierten
Verständnis sei die Trauerfeier den Angehörigen zugedacht, für sie müsse es stimmen, erklärt Lentzsch.
Hanspeter Ramseier, Hägglingen, begleitet als Bestatter viele Trauernde durch schwere Stunden. «Wir raten eher ab von Beisetzungen im See», sagt er. Er finde ein stehendes Gewässer nicht unbedingt geeignet, weil die Asche und feste Knochenbestandteile häufig auf der Oberfläche blieben, «fliessende Gewässer eignen sich da besser». Ramseier rät, die Asche in einen Beutel zu füllen, mit einem Stein zu beschweren, sodass der Inhalt langsam auf Grund sinke. Auch der Bestatter weist im Gespräch mit den Angehörigen gleich wie der Pfarrer darauf hin, dass bei dieser Art Abschied der Bezugsort zum Verweilen, zum Niederlegen einer Blume fehle. Und er relativiert: «Wir erhielten bis heute nur selten Anfragen für Beisetzungen auf dem See.»

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