Weinjahr 2009
Besser hätte es heuer kaum sein können

Vom Weinjahr 2009 sprechen die Berner Winzer und Rebbaukommissär Jürg Maurer fast nur in Superlativen: Sowohl die geerntete Menge wie auch die Traubenqualität sind Spitze. Jetzt sorgen die Winzer dafür, dass der Jahrgang 2009 zum erhofften edlen Getränk wird.

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Trauben

Trauben

Solothurner Zeitung

Bruno Utz

Rebbaukommissär Jürg Maurer kommt ins Schwärmen, wenn er über die abgeschlossene Weinlese berichtet: «Die Qualität und Quantität der Trauben ist dank den ausserordentlich guten Witterungsverhältnissen sensationell.» Über 2,1 Millionen Kilogramm Trauben hätten die Berner Winzer ernten können.

Perfektes Wetter für Reben

Rebbaukommissär Jürg Maurer redet von einem Traumwetter für die Reben. Nach einem kalten, intensiven Winter mit viel Schnee bis Ende März sei die Vegetation im April «von Null auf Hundert» gestartet, erinnert sich Maurer. Dank des Wärmeüberschusses von vier Grad im April seien die Reben beinahe «explosionsartig» gewachsen. Das selbe Bild habe sich im Mai geboten, der sogar einen Wärmeüberschuss von fünf Grad aufwies. Den Reben gut getan hätten auch die hochsommerlichen Temperaturen im Juni. Das Augustwetter war laut Maurer bilderbuchmässig. Die hochsommerlichen Temperaturen hätten im September angehalten. «Der goldene Oktober war dann die Krönung eines perfekten Weinjahres», so Maurer. Zum Glück seien die Berner Weinbaugebiete von heftigen Gewittern verschont geblieben. Und Hagel sei einzig in der Region Spiez gefallen. Besonders zerstörerisch habe das Hagelunwetter vom 26. Mai gewirkt. (uz)

Diese Menge liege 13 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die 736 462 Kilo Pinot Noir-Trauben seien sogar Rekord. Dazu beigetragen habe bei dieser immer beliebteren Traubensorte auch der kontinuierliche Flächenzuwachs in den vergangenen Jahren. Der durchschnittliche «Pinot Noir»-Zuckergehalt habe heuer bei 97 Oechsle gelegen, der höchste gemessene Wert sogar 123,5 Oechsle.

Chasselas bleibt Hauptsorte

Der Chasselas sei immer noch die Hauptsorte im Bernbiet. Obschon die Fläche hier schrumpfe, seien heuer 863 668 Kilogramm Chasselas geerntet worden. Mit einem Kilo Trauben pro Quadratmeter liege der Flächenertrag etwas höher als beim Pinot Noir. Die Ertragsvorschriften der AOC-Regelung würden aber bei beiden Sorten um 10 bis 20 Prozent unterschritten. «Ich kann den Winzern ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. Sie haben diszipliniert gearbeitet und noch selten soviele Trauben rausgeschnitten wie dieses Jahr», betont Maurer.

Nur knapp ein Prozent der heuer für den Weinbau geernteten Trauben stamme nicht aus den drei Rebgebieten Bielersee, Jolimont und Thunersee. 18 391 Kilo Trauben seien aus dem «übrigen Gebiet» eingekellert worden. Der Zuwachs von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr lasse auf eine bessere Erfassung sowie den Ertragseintritt von neuen Rebbergen schliessen.

«Das beste Jahr, das wir je hatten»

Seit 1973 produzieren Rolf und Anita Teutsch auf dem Festiguet in Ligerz Wein. «2009 war das beste Jahr, das wir je hatten», sagt Anita Teutsch. Alles sei optimal gewesen. «Auch der ‹Leset› war früh. So mussten wir nie Angst haben, dass die Trauben nicht ausreifen oder es plötzlich kalt wird. So grosse Mengen und solch hohe Oechsle, das haben wir noch nie erlebt.» Im Gespräch sei ein benachbarter Winzersenior mit Jahrgang 1922 zum selben Schluss gekommen. Dass unter der grossen Erntemenge der Preis leiden könnte, glaubt Teutsch nicht: «Unsere Weine 2008 sind ausverkauft, die Keller leer.»

Trotz Superlativen mag Lorenz Hämmerli nicht von einem Jahrhundertwein 2009 reden. «Die Leute erwarten sonst weiss nicht was. 2009 ist zwar ein Superjahr, das beste überhaupt seit ich vor zehn Jahren vom Vater das Weingut übernommen habe, aber auch in den zurückliegenden Durchschnittsjahren stellten wir sehr gute Produkte her», sagt der Inser Winzer. Nach den perfekten Bedingungen - «die Natur hat ihren Teil beigetragen» -liege es nun an ihm, aus dem Traubenmost ein besonderes Endprodukt zu vinifizieren.

Einzig in Spiez trübte Hagel die Freude

Die Oechsle seien für die Winzer immer weniger von Bedeutung, sagt Ursula Irion, Kellermeisterin der Rebbau-Genossenschaft Spiez. «Auch die Säurewerte müssen stimmen.» Deswegen habe seinerzeit der zum Superjahrgang hochgejubelte 2003 nicht das gehalten, was viele erwartet hätten. «Aber wir werden einen wunderschönen Weissen 2009 erhalten.» Bei der roten Sorte Blauburgunder stimme die Qualität ebenfalls, aber die Menge nicht. Irion: «Der Hagelschlag vom 26. Mai zerstörte bei uns mehr als die halbe Blauburgunder-Ernte.»

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