«Sitze im Schnellzug und höre zu, wie der ehemalige NSA-Spionageboss Michael Hayden Hintergrund-Interviews gibt», twitterte Tom Matzzie am Donnerstag - einen Tag nachdem bekannt geworden war, dass die NSA ein Handy der deutschen Kanzlerin überwacht hatte.

«Ich fühle mich, also ob ich selber bei der NSA wäre, nur dass ich in der Öffentlichkeit bin», bekannte Matzzie auf Twitter. Normalerweise verschickt Matzzie vor allem Tweets zu den Themen Klimaerwärmung und Umweltschutz. Er besitzt ein Unternehmen für erneuerbare Energien und war einst bei der Onlineaktivistenbewegung MoveOn.org tätig. Ob seine Umwelt-Tweets beachtet werden, ist offen. Aber seine Live-Berichterstattung von Haydens Telefonaten im Zug machte ihn mit einem Schlag bekannt.

«Michael Hayden macht gegenüber Reportern abschätzige Bemerkungen über die Regierung», so einer von zahlreichen Tweets, die Matzzie in den folgenden 15 Minuten absetzte. Und: «Er erinnert daran, dass er nur als früherer hoher Regierungsmitarbeiter zitiert werden darf.» «Haydens Bemerkungen an die Presse handeln eindeutig von der NSA und dem Ausspionieren von Verbündeten.»

Jeder ist ein Reporter

Nach und nach verliess den Twitterer allerdings der Mut. Er befürchtete, Hayden könnte von den Tweets erfahren. «Sein Telefon klingelt. Ich befürchte, das Spiel ist aus. Vielleicht sagt ihm jemand, dass ich hier bin. Soll ich mich verstecken?» Dann: «Noch kein Urteil. Ob ich den Mut habe, ihn um ein Foto zu bitten?»

Tatsächlich wurde Hayden nach einiger Zeit von seinem Büro darüber informiert, dass da einer im Zug sass und mitlauschte. Und was tat der ehemalige Spionagechef? Er stand auf, ging zu Matzzie und fragte ihn: «Möchten Sie ein echtes Interview?» «Ich bin nicht Reporter», antwortete Matzzie. Hayden: «Jeder ist ein Reporter.» Die beiden sprachen darauf über die Aktivitäten der NSA und waren sich einig, dass sie sich nicht einig sind. Ein Foto gab es trotzdem. Dann stieg der frühere NSA-Chef aus.