Neue Mieter kriegen 2000 Franken
Besonderes Marketing: Neue Mieter kriegen 2000 Franken

Das Vermieten von grossen Wohnungen gestaltet sich im Limmattal schwierig. Mit einem Zückerchen von 2000 Franken will Immobilienvermarkterin Colliers die letzten Wohnungen der «Goldschlägi» vermieten.

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Wohnungen

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Limmattaler Zeitung

Sidonia Küpfer

«Wir finanzieren Ihren Umzug» oder «Gratis Dachterrassen-Bepflanzung» - mit solchen Slogans bewirbt die Immobilienvermarkterin Colliers auf der Internetplattform www.homegate.ch die noch leer stehenden Wohnungen in der Schlieremer Überbauung «Goldschlägi». Von sieben 4,5-Zimmer-Wohnungen an der Güterstrasse ist erst eine vermietet. Hingegen konnten schon alle 99 kleineren Wohnungen vermietet werden. Nun winkt den künftigen Mietern der Überbauung ein Zustupf von 2000 Franken.

Die Vermietung der 4,5-Zimmer-Wohnungen gestalte sich etwas schwierig, erklärt Muriel Schlatter, die bei Colliers den Erstbezug der Überbauung leitet: «Die grossen Wohnungen sprechen aufgrund der Lage und der Mietzinse Familien weniger an.» Die Überbauung sei eher auf Singles und Paare ausgerichtet. Zudem sei das Angebot an grossflächigen Wohnungen aufgrund der Bautätigkeit in der Region stark angestiegen, so Schlatter. Auch die Nähe zum Bahnhof werde insbesondere von Familien nicht immer als Vorteil wahrgenommen. Gleichzeitig relativiert Muriel Schlatter: «Die letzten Wohnungen konnten erst im Dezember bezogen werden. Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung.»

Unsicherheiten über Sicherheit

Stehen die Schwierigkeiten, teure Wohnungen zu vermieten, auch im Zusammenhang mit dem Standort Schlieren oder dem Limmattal? Diese Erfahrung hat Schlatter auch schon gemacht. Deshalb finde sie es gut, dass die Limmattaler Städte versuchen, vermehrt auch kaufkräftigere Einwohner anzuziehen und das Publikum ein Stück weit zu verändern und sich neu zu orientieren.

Wenn die Infrastruktur fehlt

Christian Toso, Immobilienvermarkter bei Halter Immobilien, ist die Problematik um die Vermietung grosser Wohnungen bekannt. Halter sei zurückhaltend im Bau grossflächiger Wohnungen. Dafür sei der Markt im Limmattal zu klein. In der Dietiker Überbauung «Erlenhof» seien zurzeit nur noch einige grosse Wohnungen leerstehend.

Für Toso ist es die Summe verschiedener Faktoren, die bei Erstvermietungen zum Tragen kommen: «Aufgrund der Wirtschaftskrise und auch der Problematik um Working Poor haben viele Familien weniger Geld zur Verfügung. Und grosse Wohnungen sind nun einmal oft auf Familien ausgerichtet», erklärt Toso.
Bei Neubauten kämen aber auch infrastrukturelle Faktoren hinzu, denn der Einzug in eine neue Überbauung, quasi auf grüner Wiese, könne für die Familien Mehrkosten bedeuten: «Wenn die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr erst drei Jahre später erfolgt, kann es sein, dass sich eine Familie ein Auto anschaffen muss.» Oder man benötige ein Generalabonnement. Solche Zusatzkosten belasteten das Budget übermässig, so dass es zu einer Absage komme. Dass aber pünktlich zum Bezug die Infrastruktur vom öffentlichen Verkehr über Kinderkrippen bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten stünde, sei planerisch sehr anspruchsvoll.

Ungewohntes Marketing

Muriel Schlatter hat bereits aus anderen Projekten Erfahrung mit solchen Marketingaktionen. Kann eine Gutschrift von 2000 Franken den Ausschlag zugunsten einer Wohnung geben? «Sicherlich erhoffen wir uns dies, die Wirkung dieser Aktion wird sich jedoch erst zeigen. Diese Kampagne führt zumindest dazu, dass Interessierte an einer Besichtigung zu wecken», erklärt Schlatter. Marketing im Bereich von Immobilien sei aber noch nicht etabliert. Nicht selten seien die Kunden skeptisch, ob etwas mit dem Produkt nicht stimme. «Aber warum sollte man nicht auch für Wohnungen werben? Solche Aktionen bleiben den Menschen im Gedächtnis und sie erinnern sich auch zu einem späteren Zeitpunkt noch an eine solche Immobilie und werden möglicherweise dann eine Wohnung mieten», sagt Schlatter.
Solche Aktionen sind für Halter kein Thema: «Ich bin der Ansicht, dass das nur kurzfristige Marketingmassnahmen sind, um am Tag X eine Vollvermietung ausweisen zu können. Auf lange Frist zahlt sich das nicht aus», sagt Christian Toso.